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Warum Attila Hildmann gegen ein Hotel in Luzern hetzt

Bei Luzern in der Schweiz - ARCHIVBILD
Bei Luzern in der Schweiz - ARCHIVBILD   -   Copyright  Urs Flueeler/AP
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Ein Kurhotel in Luzern in der Schweiz hat in den vergangenen Tagen eine ganze Welle von bösen Anrufen und Beschimpfungen per Email bekommen. "Unsere Rezeptionistinnen wurden teils persönlich und obszön angegangen und ich wurde Faschist genannt", sagt Urs Niffeler, der Direktor des Kurhotel Sonnmatt gegenüber dem Schweizer Blick.

Der Grund für den Shitstorm war eine Nachricht von Corona-Leugner Attila Hildmann an seine mehr als 100.000 Followerinnen und Follower auf Telegram. Darin sprach der 40-Jährige von einem "sadistischen Arbeitgeber" und teilte die Kontaktdaten des Hotels mit.

Eine 49-jährige Pflegeassistentin des Hotels hatte im Online-Medium 20.Minuten darüber geklagt, dass sie entlassen worden sei, weil sie sich nicht gegen Covid-19 impfen lassen wollte. Der Titel des Videos mit der Frau lautet "Sie lehnte die Impfung ab und wurde gekündigt".

Über eine Impfpflicht für die Beschäftigten im Gesundheitswesen wird in Frankreich diskutiert. Die italienische Regierung hat eine Impfpflicht für Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger ausgegeben - wer sich nicht impfen lässt, sollte ohne Kontakt zu Patientinnen und Patienten eingesetzt oder in unbezahlten Urlaub geschickt werden.

Während der ersten Welle der Corona-Pandemie hatte das Hotel Sonnmatt in Luzern 26 Zimmer auf Spitalstandard umgerüstet - für den Fall, dass die Kapazitäten des Kantons überlastet worden wären. Aus dieser Vorbereitungszeit hat der Betreiber gelernt.

"Ältere Menschen, die in der Schweiz Ferien machen möchten, sind bei uns sehr gut aufgehoben und sicher", erklärte Hoteldirektor Niffeler im Interview mit der NZZ.

Offenbar hat das Hotel Sonnmatt mit diesem Konzept Erfolg, denn es riefen nicht nur Anhängerinnen und Anhänger von Attila Hildmann an. "Es gab Leute, die sich bedankten, dass wir uns für die Gesundheit unserer Gäste einsetzen. Bei uns sind viele vulnerable Gäste und wir wollen deren Anspruch auf Sicherheit ernst nehmen." berichtet Urs Niffeler im Blick.

In Deutschland ist es ruhiger geworden um Ex-Gastronom Hildmann, seit er in die Tûrkei geflohen ist, nachdem Vertreter der Staatsanwaltschaft Berlin eine Razzia in seiner Wohnung in Brandenburg durchgeführt hatten.

Der 40-Jährige ist als Sohn türkischer Eltern in Berlin geboren, aber in Deutschland adoptiert worden und aufgewachsen. Nach dem Tod seines Adoptivvaters, der an einem Herzanfall starb, entschloss sich Attila Hildmann, kein Fleisch mehr zu essen. Seine beiden veganen Kochbücher wurden zu Bestsellern.

Seit Hildmann im Lauf der Corona-Pandemie immer wieder auf Demos und im Internet Verschwörungsmythen verbreitet und antisemitische Slogans ausgegeben hatte, haben die Supermärkte, die seine Produkte vertrieben, die Zusammenarbeit aufgekündigt. Es liegt ein Haftbefehl gegen den Porsche-Fahrer vor wegen Volksverhetzung, Beleidigung, Bedrohung und öffentlicher Aufforderung zu Straftaten.