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Gedenken an "Holocaust der Kugeln" in Babi Jar - aber wie?

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Von Cyril Fourneris, su mit AP, AFP
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Gedenken an "Holocaust der Kugeln" in Babi Jar - aber wie?
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Die Opfer mussten sich nackt auf einen Haufen Tote legen und auf die Kugeln der deutschen Einsatzgruppen warten: In nur zwei Tagen im September 1941 wurden in der Babi Jar-Schlucht in Kiew fast 34.000 Juden von Nazi-Soldaten erschossen. Der sogenannte „Holocaust der Kugeln“ hatte Mitte 1941 begonnen, nach dem Überfall auf die Sowjetunion.

Anlässlich des 80. Jahrestages des Massakers gab es im französischen Senat ein Treffen, um den Schrecken von Babi Jar in Worte zu fassen, um Lücken in der Erinnerungsarbeit in der Ukraine zu füllen.

Marek Halter, Schriftsteller (“Pourquoi les Juifs?”), Zeitzeuge der Shoah :

"Ein ukrainischer Politiker hat mich einmal gefragt: Es gibt kein Denkmal für Babi Jar, was soll’s also, warum ist das wichtig? Ich sagte, wenn es denn ein Denkmal gibt und Sie gehen mit Ihrem Kind daran vorbei, wird Ihr Kind fragen, was war da los? Und Sie werden ihm antworten müssen".

Eingeladen zur Konferenz hatte der ukrainische Oppositionsabgeordnete und Vertreter der ukrainischen jüdischen Gemeinde Vadim Rabinovich. Auch ihm reicht das vor 30 Jahren errichtete Mahnmal in Babi Jar nicht, ein Siebenarmiger Leuchter (Menora) - eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums.

Und er meint, dass die geduldete Präsenz von Neonazis in der Ukraine die Bereitschaft zur Erinnerung hemmt. Er zeigte aktuelle Fotos von der Beerdigung eines ukrainischen Nazis.

Vadim Rabinovitch, ukrainischer Abgeordneter:

"Frankreich ist das Land, das die Demokratie hervorgebracht hat. Wenn wir heute unseren europäischen Freunden nicht erzählen, was los ist, zuallererst an einem so historischen Ort wie Babi Jar, einem Ort, an dem Zehntausende Menschen erschossen wurden und wo kein richtiges Denkmal gibt – dann schafft das ein großes Problem."

Organisiert wurde das Treffen mit Unterstützung der französischen Senatorin Nathalie Goulet, für die diese erbärmliche Phase des Holocaust im Westen nicht ausreichend bekannt ist.

Nathalie Goulet, französische Senatorin:

“Wir versuchen jeden Tag, gegen Extremismus und Antisemitismus zu kämpfen. Diese Bewegungen sind ansteckend, sie haben ihre Drähte überallhin. Was ich in der Ukraine gesehen habe, hat mich erschreckt. Wenn ich sehe, dass da ehemalige Nazis gefeiert werden, dass sie nationale Begräbnisse bekommen, können wir nicht stumm bleiben. Und ich meine, dass Frankreich, ein Freund der Ukraine, die ein souveränes Land ist, zum Überleben der Erinnerung beitragen kann. Sie gehört uns.”

Am 29. und 30. September findet in Kiew eine 80-Jahr-Gedenkfeier zum Massaker von Babi Jar statt.

Cyril Fourneris, su mit AP, AFP