Zwischen Mitleid und Angst: Bevölkerung fühlt sich "im Stich gelassen"

Valérie Gauriat im Dorf Bohoniki nahe Sokółka
Valérie Gauriat im Dorf Bohoniki nahe Sokółka Copyright EUronews
Von Valérie Gauriat
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Die Lage belaste die polnische Bevölkerung vor Ort, berichtet unsere Korrespondentin Valérie Gauriat, mit unterschiedlichen Gefühlen. Die einen hätten Mitleid mit den Migranten, die anderen Angst. Alle fühlten sich allein gelassen.

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Die Lage an der polnisch-belarussischen Grenze spitze sich von Tag zu Tag zu, berichtet Euronews-Korrespondentin Valérie Gauriat. Die Bevölkerung auf polnischer Seite fühle sich im allein gelassen mit einem Konflikt, der zusehends außer Kontrolle gerate.

So lautet ihre Einschätzung an diesem Montagmorgen:

"Ich bin in Bohoniki, einem Dorf direkt an der Grenze, wo alles ruhig zu sein scheint. Aber die Spannungen haben in der letzten Woche Tag für Tag zugenommen, seit dem Versuch von Migranten am vergangenen Montag, die Grenze zu stürmen.

Die polnische Grenzpolizei meldete am Freitag einen weiteren Versuch von etwa 100 Menschen, den Zaun zu überwinden und die flohen, als sich ihnen Dutzende Soldaten und Grenzschützer näherten.

Die Sicherheitsvorkehrungen hier sind auf der höchsten Stufe. Und polnische Aktivisten, die versuchen, Migranten im Sperrgebiet entlang der Grenze zu helfen, sagen, dass sie in dieser Woche nur sehr wenige Rettungsaktionen durchgeführt haben, weil es für Migranten praktisch unmöglich ist, durchzukommen.

"Die Menschen haben kaum Nahrung und Trinkwasser, es hat Tote gegeben"

Die Situation ist für diejenigen, die auf belarussischer Seite festsitzen, unhaltbar geworden. Die Menschen haben kaum Nahrung und Trinkwasser. Es hat Tote gegeben. Diese Woche wurden auf belarussischer Seite zwei Tote gemeldet, darunter ein 14-jähriger Junge.

Und auf polnischer Seite wurde die Leiche eines jungen Syrers im Wald gefunden. All dies belastet die polnische Bevölkerung vor Ort.

Mit unterschiedlichen Gefühlen. Die einen haben Mitleid mit den Migranten, die ihrer Meinung nach nicht in den Wäldern sterben sollten. Die anderen haben Angst vor ihnen und wollen sie draußen halten.

Auf jeden Fall haben alle das Gefühl, dass sie mit einer Situation allein gelassen werden, von der sie glauben, dass sie außer Kontrolle gerät, wenn der Konflikt zwischen Belarus und der Europäischen Union nicht sehr bald eine Lösung findet."

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