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War es "Unglücksbärin" Caramelles? Jäger nach Angriff schwer verletzt

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Von Euronews  mit AFP / France 3 / Midi Libre
Braunbär (Symbolbild)
Braunbär (Symbolbild)   -   Copyright  Zdeněk Macháček on Unsplash

Nach dem jüngsten dramatischen Vorfall in den französischen Pyrenäen liegen die Nerven blank.

Am Samstagnachmittag war ein 70-jähriger Jäger, der nahe der Gemeinde Seix an einer Wildschweinjagd teilnahm, von einem Muttertier in Begleitung zweier Jungbären angegriffen und an den Beinen schwer verletzt worden. Dem Mann gelang es in letzter Sekunde, das Tier mit zwei Schüssen zu erlegen.

Wie beteiligte Jäger berichteten, war der Jäger zunächst auf die zwei Bärenjungen gestoßen, als plötzlich die Bärin äußerst aggressiv "von hinten" auf ihn losstürmte.

30 Meter weit mitgeschleift

"Die Bärin hat ihn über 30 Meter weit mitgeschleift", erklärt Jean-Luc Fernandez, Präsident des Jagdverbands im Departement Ariège, fassungslos. Der Mann verdanke seine Rettung nur der Anwesenheit einer freiwilligen Feuerwehrfrau, die ihm einen Druckpunkt setzte.

Der Jäger schwebe nicht mehr in Lebensgefahr, habe schwerste Verletzungen erlitten, die Haut sei zerfetzt, das Wadenbein gebrochen und die Oberschenkelarterie angegriffen.

Für Fernandez der längst überfällige Beweis. Das Zusammenleben sei unmöglich.

Auch Christine Téqui, der Präsidentin des Departements, zeigte fassungslos und macht die "Überpopulation" der Bären für den Unfall verantwortlich.

"Diese Bären wurden ohne Absprache wieder eingeführt - und nun sind wir mit einer galoppierenden Vermehrung konfrontiert. Der Bär koexistiert nicht mit der menschlichen Aktivität", sagte die sozialistische Abgeordnete dem französischen Fernsehsender France 3 gegenüber.

"Wir haben den Staat immer wieder auf die Gefahren der Anwesenheit von Bären hingewiesen. Ohne Erfolg. Von Paris aus gesehen mag die Wiedereinführung einfach aussehen. Aber das ist eine romantische und illusorische Vision."

Bessere Ausbildung der Jäger

Tierschützer vom Verein "Pays de l'ours-Adet", der sich seit 30 Jahren für die Rückkehr der geschützten Art in den Pyrenäen einsetzt, bedauerten die Verletzungen des Jägers, wollten jedoch die Ergebnisse einer gerichtlichen Untersuchung, die am Samstag eingeleitet wurde, abwarten.

Seit 2020 sei dies der vierte Bär, der in den Pyrenäen getötet wurde (zwei auf der spanischen Seite und zwei auf der französischen). In den ersten drei Fällen seien die Tiere illegal erlegt worden, erklärt Sabine Matraire, die Vorsitzende des Vereins.

"Wir fordern, dass die Umstände des Vorfalls aufgeklärt werden und auch, dass dies zu Schulungen für die Jäger führt. Es müssen Konsequenzen gezogen werden."

Für die Bärenbefürworter stellt der Vorfall "in keiner Weise die Anwesenheit des Bären in Frage". Im Gegenteil: "Es ist wichtig, an einer besseren Information und einer besseren Ausbildung der Jäger zu arbeiten", so Matraire.

Für den Präsidenten der Landwirtschaftskammer des Departements Ariège, Philippe Lacube, schließlich hingegen sei in diesem Fall von "Notwehr" auszugehen. "Wir haben gesagt, dass es irgendwann passieren würde. Das wirft die Frage nach dem Leben in unseren Bergen auf. Stellen sie sich vor, was passiert wäre, wenn diese Bärin auf einen Wanderer oder Schäfer gestoßen wäre".

Die Pyrenäen seien ein zu kleines Gebiet und zu dicht besiedelt.

Vermutlich "Unglücksbärin" Caramelles getötet

Frankreich hat in den 1990er-Jahren ein Programm zur Wiederansiedlung von Bären aus Slowenien gestartet, als die Bärenpopulation in den Pyrenäen vom Aussterben bedroht war.

Derweil wird darüber spekuliert ob es sich bei der getöteten Bärin um ein bereits bekanntes Tier handelt.

Alain Reynes, Direktor vom Verein "Pays de l'ours-Adet", sei es die wahrscheinlichste Hypothese, "dass es sich bei der erschossenen Bärin um Caramelles handelt".

Die Anwesenheit dieses 24-jährigen Weibchens mit zwei Jungtieren in dem Gebiet wurde durch DNA-Proben bestätigt.

Sollte sich dies bestätigen, dann hätte das Weibchen (das mehr als einem Dutzend Pyrenäenbären geboren hat) ein tragisches Schicksal erlitten.

Ihre Mutter Melba wurde 1997 bei einer Treibjagd von einem Jäger erschossen, sie und ihr Bruder Bouxti blieben als Waisen zurück.

Was wird aus den zwei Bärenjungen?

Die nun in dem Gebiet isolierten diesjährigen Jungbären seien "acht oder neun Monate alt, ein Alter, in dem sie ohne ihre Mutter Nahrung aufnehmen und allein in die Höhle zurückkehren können", so Alain Reynes.

Die Bärenverbände betonten, dass die Bärenjungen "harmlos, aber gefährdet" seien. Sie forderten die Mitarbeiter des französischen Amtes für Biodiversität (OFB) auf, über die Bären wachen, bis sie in den Winterschlaf gehen. Sie verlangten, dass Treibjagden in der Gegend eingestellt werden.

Die aktuelle Bärenpopulation im Pyrenäenmassiv wird auf etwa 60 Tiere geschätzt, davon rund 40 in der Ariège, was nicht ausreicht, um den Fortbestand der Art zu sichern.