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"Lieber Emmanuel" sauer nach Johnson-Brief: "Wir sind keine Whistleblower"

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Von Euronews mit dpa, AP
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Emmanuel Macron bei seinem Rom-Besuch an diesem Freitag. Mit London liegt er derzeit über Kreuz
Emmanuel Macron bei seinem Rom-Besuch an diesem Freitag. Mit London liegt er derzeit über Kreuz   -   Copyright  Domenico Stinellis/AP

Die illegale Einwanderung von Frankreich nach Großbritannien hat zu Verwerfungen zwischen den Regierungen in Paris und London geführt. Der französische Präsident Emmanuel Macron reagierte erbost auf die Veröffentlichung eines an ihn gerichteten Briefes von Premierminister Boris Johnson.

Darin verlangte Johnson unter anderem ein bilaterales Abkommen zur Rücknahme von über den Ärmelkanal Geflüchteten und mehr Einsatz von Frankreich, um Menschen von der lebensgefährlichen Passage abzuhalten. Seine Anrede formulierte Johnson mit "Lieber Emmanuel".

Frankreich schloss deshalb die britische Innenministerin Priti Patel von einem Krisentreffen mehrerer EU-Länder am kommenden Sonntag aus. Eine Rückführung von Asylsuchenden nach EU-Vorbild kann Großbritannien seit dem Brexit nicht mehr für sich beanspruchen. Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian bezeichnete Johnson als "Populisten".

Attal: Vorgehen Johnsons "unakzeptabel"

Macron fand während seines Italien-Besuchs in Rom deutliche Worte in Richtung Johnson, nach dem sein Regierungssprecher Gabriel Attal dessen Vorgehen bereits als "unakzeptabel" gebrandmarkt hatte: "Ich bin überrascht über die Methoden, wenn sie nicht ernsthaft sind, man kommuniziert nicht von einer Führungskraft zur anderen in solchen Fragen per Tweet und per Brief, den man öffentlich macht, wir sind keine Whistleblower. Also werden die Minister ernsthaft arbeiten, um eine ernsthafte Frage mit ernsthaften Leuten zu regeln. Deshalb wird Minister Darmanin ab Sonntag seine Amtskollegen aus der Europäischen Union und der Kommission zusammenbringen, um an diesem Thema zu arbeiten, und dann werden wir mit den Briten sehen, wie wir effektiv handeln können wenn sie sich entscheiden, es ernst zu meinen."

Mahnwache in Calais

Das Bootsunglück im Ärmelkanal mit über zwei Dutzend ums Leben gekommenen Menschen, die auf dem Weg nach England waren, hat die schon länger schwelende Krise zwischen Frankreich und Großbritannien verschärft.

Zu Ehren der Ertrunkenen wurde in der nordfranzösischen Hafenstadt Calais eine Mahnwache abgehalten. Zu den Todesopfern zählten sieben Frauen und drei Kinder. Fünf mutmaßliche Schleuser wurden in Frankreich festgenommen. Unter ihnen soll ein Deutscher sein.