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2 Tote in Heidelberg: Student hatte noch 100 Schuss Munition dabei

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Von Alexandra Leistner  & Euronews
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Bei einer Schießerei an der Uni in Heidelberg ist der Täter ums Leben gekommen, mehrere Menschen wurden verletzt.
Bei einer Schießerei an der Uni in Heidelberg ist der Täter ums Leben gekommen, mehrere Menschen wurden verletzt.   -   Copyright  Michael Probst/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Nach der Bluttat von Heidelberg ist das Motiv des Angreifers weiterhin unklar. Laut Polizei hatte der 18-jährige Biologie-Student vor den Schüssen seinen Vater in einer WhatsApp-Nachricht informiert und ihm geschrieben, "dass Leute jetzt bestraft werden müssen". Obwohl der Biologie-Student keinen Waffenschein besaß, hatte er zwei Langwaffen bei sich - und noch etwa 100 Schuss Munition im Rucksack.

Er verletzte vier Studierende durch Schüsse. Eine 23-jährige Studentin starb nach einem Kopfschuss, eine 19-Jährige, eine 20-Jährige sowie ein 20-Jähriger wurden leicht verletzt.

Der 18-Jährige Angreifer nahm sich selbst das Leben. Der Hintergrund der Tat liegt weiter im Dunkeln.

Der Angriff ereignete sich am Montag um die Mittagszeit. Wie die Polizei Mannheimzunächst per Twitter bekannt gab, handelt es sich um einen Einzeltäter. Er sei tot.

Wie die Polizei bei einer Pressekonferenz bekannt gab, schoss der Täter in einer laufenden Vorlesung ohne Vorwarnung um sich. Dann flüchtete er in den Außenbereich und richtete sich selbst. 

Drei weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt, so die Polizei. Zu den Ereignissen kam es am biologischen Forschungszentrum COS (Centre for Organismal Studies Heidelberg) im Neuenheimer Feld.

Pressekonferenz der Polizei am Abend nach dem Attentat

Schockierte Reaktionen

Bundeskanzler Olaf Scholz war bestürzt. "Es zerreißt mir das Herz, solch eine Nachricht zu erfahren", sagte er nach der Bund-Länder-Runde zum künftigen Corona-Kurs am Montagabend in Berlin. "Mein Beileid ist bei den Angehörigen und den Opfern und natürlich bei den Studentinnen und Studenten der Universität Heidelberg."

Auch Heidelberger Studierende zeigten sich fassungslos. "Wir sind unendlich schockiert. Das ist eine Katastrophe, die sich allem Denkbaren zwischen Vorlesungen, Klausuren und Unileben entzieht", sagte Peter Abelmann, Vorsitzender der Verfassten Studierendenschaft, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Die Nachricht über den Amoklauf habe sich unter den Studierenden wie ein Lauffeuer verbreitet, sagte Abelmann. Einige hätten über Messenger-Dienste direkt über die Tat berichtet. Die Studierendenschaft sei in Gedanken bei den Betroffenen.

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer sagte vor Ort, sie sei entsetzt. "Es lässt einen sprachlos zurück, wenn unschuldige junge Menschen im Hochschulbetrieb so etwas erleben müssen. Ich bin in Gedanken bei denen, die verletzt wurden und betroffen sind. Ich wünsche mir sehr, dass bald Genesung eintritt."

Für Angehörige wurde ein Bürgertelefon unter der Nummer 0621/174-5055 eingerichtet.

Bilder aus Heidelberg nach der Bluttat am botanischen Garten im Neuenheimer Feld

Großeinsatz am Campus Neuenheimer Feld

Im Neuenheimer Feld, in dem zahlreiche Kliniken und auch Universitätsgebäude sind, kam es zu einem Großeinsatz.

"#Heidelberg - Großeinsatz #Neuenheimer Feld: Das ist bisher bekannt: Ein Einzeltäter verletzte mehrere Personen in einem Hörsaal mit einer Langwaffe. Der Täter selbst ist tot. Kollegen sind weiterhin mit starken Kräften vor Ort - wir informieren hier weiter!"

Damit die Einsatzkräfte ungehindert arbeiten können, bat die Polizei, das Gebiet zu umfahren. Auch der Busverkehr wurde eingestellt.

Im Neuenheimer Feld, einem Neubaugebiet sind die naturwissenschaftlichen Fakultäten sowie Teile des Universitätsklinikums untergebracht.

Wie zunächst die Regionalzeitung Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) sowie die dpa berichtet hatten, soll sich der Täter selbst erschossen haben.

"Zur Identität der Verletzten machte die Polizei bisher noch keine Angaben. Der Amokläufer soll selbst Student gewesen sein. Der Mann habe nach ersten Erkenntnissen keine politischen oder religiösen Motive gehabt, hieß es in Sicherheitskreisen", schreibt die RNZ.

Den Informationen nach soll sich die Tat in einem Gebäude am Botanischen Garten ereignet haben. Das Gebiet sei mit Spezialeinheiten abgesucht worden, so die RNZ, um sicherzugehen, dass es keine weiteren Täter gibt. Auf Twitter gab die Polizei gegen 15.30 Uhr Entwarnung: "Aktuell besteht keine Gefahr mehr!".

Was ist eine Langwaffe?

Mit Langwaffen sind Schusswaffen gemeint, die mit einer kürzesten insgesamt länger als 60 Zentimeter sind und bei denen Lauf und Verschluss zusammen nicht unter 30 Zentimeter lang sind.

Auf Live-Bildern der Agentur AP war zu sehen wie Mitarbeiter des Landeskriminalamts ein Gewehr untersuchten, das offenbar am Boden vor einem der Gewächshäuser gefunden worden war.

Den Ermittlungen zufolge hatte der Angreifer ingesamt zwei Langwaffen bei sich. Diese habe er im Ausland gekauft, die genaue Herkunft werde aber noch ermittelt.

Neben den Waffen hatte er zudem rund 100 Schuss Munition bei sich.

Wo liegt Heidelberg?

Heidelberg liegt im Norden von Baden-Württemberg, zwischen Stuttgart und Frankfurt, am Fluss Neckar. Die Stadt ist als Studentenstadt bekannt und auch bei Touristen aus aller Welt wegen des alten Schlosses beliebt, das über der Altstadt thront.

Rund 39.000 Studierende gibt es offiziellen Angaben zufolge, die Stadt zählt etwa 160.000 Einwohner.

Hinweis der Redaktion: Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800/1110111 und 0800/1110222 sowie 116123. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de.

Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/adressen/