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Grenzkonflikt mit Russland in Georgien

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Von Julika Herzog  & Giorgi Bolkvadze
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Grenzkonflikt mit Russland in Georgien
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In Georgien, an der Grenze zu Südossetien. Die selbsternannte Republik ist völkerrechtlich Teil Georgiens, de facto jedoch unabhängig seit dem Kaukasuskrieg von 2008 und von Russland - aber nicht der EU- als unabhängiger Staat anerkannt.

Immer mehr Gebiete unter Kontrolle der Russen

Giorgi Bolkvadze von Euronews ist vor Ort: "Ich bin hier im Dorf Dvani. An der Trennlinie hinter mir sehen sie die sogenannte "administrative Grenze", verstärkt mit Stacheldraht. Diese Linie rückt allmählich näher und immer mehr Gebiete kommen unter Kontrolle der Russen. Das Haus von Merab Mekarishvili wurde während des Kaukasuskrieges 2008 niedergebrannt. Als die Trennlinie verschoben wurde, wurde ihm verboten, sein Haus wieder aufzubauen, um dort zu leben. Er musste sein Land verlassen und 100 Meter vom Stacheldraht entfernt ein neues Haus errichten."

Abtrünnige georgische Provinz Süsossetien als militärischen Festung

Das neue Haus steht unter der Beobachtung von in der Nähe stationierten russischen Soldaten. Russland hat die Zeit seit dem Krieg 2008 genutzt, um - entgegen der von der EU ausgehandelten Friedensvereinbarung - die abtrünnige Region, wie auch die georgische Provinz Abchasien, zur militärischen Festung auszubauen.

Von dort aus könnten russische Streitkräfte innerhalb kürzester Zeit ganz Georgien einnehmen - wenn zum Beispiel die NATO eine Aufnahme Georgiens verkünden würde.

Georgische Medien berichten immer wieder davon, dass an den Stellen der Trennlinie, die noch nicht befestigt worden sind, schleichend weitere Quadratmeter georgischen Territoriums abgetrennt werden: Landwirte können ihre Felder nicht mehr bewirtschaften, Dörfer werden zerschnitten und immer wieder werden Georgier verhaftet, weil sie angeblich die faktische Grenze nach Südossetien überschreiten.

Verhaftungen wegen Überschreiten der sogenannten Grenze

"Es werden immer wieder Menschen unter seltsamen Umständen entführt. Viele erzählen, dass sie sich bei ihrer Festnahme auf ihrem Privatbesitz befanden. Manche sagen, sie seien aus ihren eigenen Gärten, aus ihren Höfen geholt worden", berichtet ein Anwohner.  

Goga Aptsiauri ist Journalist aus Gori. Er bestätigt, dass immer wieder Georgier verhaftet werden, weil sie angeblich die Grenzlinie nach Südossetien überschritten hätten: "Schon 14 Jahre sind seit dem Krieg vergangen, der die Menschen gezwungen hat, unter schwierigen Bedingungen zu leben. Fast jeden Tag verlieren Menschen ihr Ackerland, ihre Wälder, Menschen werden entführt. Russische Soldaten verhaften sie in der Nähe von Orten, an denen es keinen Stacheldraht oder Schilder gibt, und sie werden beschuldigt, die sogenannte Grenze überschritten zu haben."

Ukraines und Georgiens gemeinsamer Wunsch: die Aufnahme in die NATO

Der Zusammenbruch der Sowjetunion brachte Bewegung in den Kaukasus. Bereits 1990 erklärte sich Südossetien für unabhängig, unterstützt vom großen russischen Nachbarn. Tausende Georgier mussten fliehen und können weiter nicht zurück in ihre Heimat.

Heute befinden sich Georgien und die Ukraine in einer ganz ähnlichen Situation: mit russischen Truppen in separatistischen Provinzen im Land erhoffen sich beide eine Aufnahme in die NATO.

David Salkaliani, der Außenminister von Georgien: "Wir stehen seit vielen Jahren vor der gleichen Herausforderung wie die Ukraine: der Besatzung. Die georgische Regierung und das georgische Volk stehen in diesen schwierigen Zeiten solidarisch zur Ukraine."

Russland ist gegen eine Aufnahme der Ex-Sowjetrepubliken in die Nato, weil es sich dadurch bedroht sieht und fordert vom transatlantischen Militärbündnis Sicherheitsgarantien. Sie sehen unter anderem vor, dass die Nato einen Verzicht auf die Aufnahme von Ländern wie der Ukraine und Georgien erklären und Streitkräfte aus östlichen Bündnisstaaten abziehen soll.

Und im georgischen Dorf Dvani - genauso wie an der 1300 Kilometer entfernten ukrainischen Grenze - hoffen die Menschen, dass es nicht einen weiteren Krieg mit Russland geben wird.