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Wie frei kann Peng Shuai sprechen? Überwachtes Interview mit Chinas Tennisstar

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Von Euronews  mit AFP, AP, BBC
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Titelseite der französischen Sportzeitung L'EQUIPE mit Peng Shuai
Titelseite der französischen Sportzeitung L'EQUIPE mit Peng Shuai   -   Copyright  L'Equipe auf Twitter @lequipe

Es war "ein großes Missverständnis". Mit diesen Worten bestreitet die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai, von einem hochrangigen chinesischen Politiker sexuell missbraucht worden zu sein. In einem langen Interview mit der französischen Sportzeitung L'Equipe - ihrem ersten seit zwei Monaten in einem westlichen Medium - sagte die inzwischen 36-Jährige: "Ich hätte nicht gedacht, dass es eine solche Sorgen auslösen würde, und ich wüsste gerne: warum diese Sorgen?"

Nicht ganz klar ist, wie frei Peng Shuai bei dem Interview sprechen konnte. Die Tennisspielerin war nach ihrem Post wochenlang aus der Öffentlichkeit verschwunden. Dies begründete sie damit, dass sie zu viele Fragen von Freund:innen und Bekannten bekommen habe und nicht allen antworten konnte.

L'Equipe hat das Interview auf Französisch und auf Englisch (hinter Bezahlschranke) veröffentlicht. Der Titel des englischsprachigen Interviews lautet: "Mein Leben war wie es sein sollte: nichts Besonderes".

Allerdings meinen Kritiker - wie der Korrespondent der BBC in China, L'EQUIPE habe die entscheidende Frage nicht gestellt, nämlich warum Peng Shuai 2021 im sozialen Netzwerk Weibo geschrieben habe, sie sei von dem Politiker - mit dem sie offenbar ein Verhältnis hatte - "sexuell angegriffen" worden. Die chinesische Formulierung in dem rasch gelöschten Post konnte auch so interpretiert werden, dass der damalige Vizepremier Zhang Gaoli sie vergewaltigt habe. Offenbar gehen einige davon aus, Peng Shuai könne weiterhin nicht frei sprechen und auch das IOC und Thomas Bach ließen sich von der chinesichen Führung instrumentalisieren.

Das Internationale Olympische Komitee hat inzwischen bestätigt, dass IOC-Präsident Thomas Bach am Samstagabend Peng Shuai am Rande der Winterspiele getroffen hat. Doch auch bei diesem Abendessen waren Vertreter der chinesischen Regierung dabei.

IOC-Sprecher, Mark Adams erklärte an diesem Montag in Peking: "Ich bin mir nicht sicher, ob wir als Sportorganisation in der Lage sind, diese Entscheidung zu treffen. Ich denke, der (IOC-)Präsident hatte Recht, als er sagte, dass es nicht unsere Aufgabe sein sollte, zu beurteilen, ob es eine Untersuchung geben sollte oder nicht. Sie haben die Worte in dem Interview gesehen, das sie L'Equipe gegeben hat. Ich denke, wir müssen ihr auch zuhören und lesen, was sie sagt. Wie wir bereits besprochen haben, sind wir mit ihr in Kontakt, wir bleiben in Kontakt mit ihr. Wir haben sie persönlich getroffen".

Viele andere Tennisstars - darunter Serena Williams - hatten sich im Internet um Peng Shuai gesorgt. Bei den Australian Open gab es eine T-Shirt-Kampagne mit dem Slogan "Wo ist Peng Shuai?".