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Aufschrei wegen "Hitlers Autobahnen" in Peru

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Von Euronews  mit AFP
Anibal Torres in Peru
Anibal Torres in Peru   -   Copyright  Martin Mejia/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Der peruanische Ministerpräsident Anibal Torres (79) hat eine Welle der Entrüstung ausgelöst, weil er Adolf Hitlers Autobahnbauprogramm in Nazi-Deutschland als Vorbild genannt hatte.

"Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Italien und Deutschland waren genau wie wir. Aber eines Tages besucht Adolf Hitler Norditalien und [Benito] Mussolini zeigt ihm eine Autobahn, die von Mailand nach Brescia gebaut wurde", so Torres, der die rechte Hand des linken Präsidenten Pedro Castillo ist.

"Hitler sah das, ging in sein Land und baute Autobahnen und Flughäfen und machte Deutschland zur führenden Wirtschaftsmacht der Welt", sagte Torres während einer Kabinettssitzung am Donnerstag in der Andenstadt Huancayo. Der Präsident kam erst später zu den Beratungen.

Politikerinnen und Politiker aus der Opposition und der Regierung sowie die deutschen Botschaft in Lima kritisierten die Erklärungen von Torres entschieden.

"Hitler war ein faschistischer und völkermordender Diktator, in dessen Namen in Deutschland der schlimmste Krieg aller Zeiten geführt und ein Völkermord an 6 Millionen Juden begangen wurde. Vor diesem Hintergrund ist Hitler in keiner Weise ein geeignetes Vorbild", schrieb die deutsche Botschaft in Lima auf ihrer Facebook-Seite.

Die Oppositionsführerin im peruanischen Kongress, María del Carmen Alva, twitterte: "Die Äußerungen von Aníbal Torres, der den völkermordenden Hitler lobte, haben Tausende von Peruanern beleidigt".

"Es ist eine Schande, dass der Ministerpräsident Aníbal Torres einen faschistischen und völkermordenden Hitler als Beispiel anführt. Jetzt verstehen wir, woher fehlerhafte Maßnahmen [der Regierung] in Lima kommen", schrieb der Abgeordnete Alex Flores.

Hitler hat ab 1933 den Bau von Autobahnen in die Wege geleitet. Obwohl es schon zuvor in Deutschland Autobahnen gab, stellten die Nazis sie in ihrer Propaganda als Symbol für die Größe des Dritten Reiches dar.

Mehrere tausend Kilometer Autobahnen wurden gebaut, bis der Zweite Weltkrieg alle Bauarbeiten stoppte.

"Wir hätten es vorgezogen, wenn Sie sich nicht auf Hitler bezogen hätten. Das ist ein Fehler, der die sechs Millionen Opfer des jüdischen Völkermordes beleidigt", sagte Fernando Carvallo, der Morgenmoderator des Radio- und Fernsehsenders RPP.

Es ist nicht das erste Mal, dass Torres, ein 79-jähriger Anwalt, Hitler erwähnt: Im März verglich er den inhaftierten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori mit dem "Führer" und sagte, dass "niemand nach seinen guten Taten beurteilt wird, sondern jeder nach seinen schlechten Taten".

via AFP
Anibal Torres - Screenshot der umstrittenen Redeauszügevia AFP