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Eliza, Boombox, Pink Floyd: Ukrainischer Protestsong trendet in den sozialen Netzwerken

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Von Andrea Buring
Ein Herz für die Ukraine bei einem Protest gegen den Krieg vor der russischen Botschaft in Bukarest.
Ein Herz für die Ukraine bei einem Protest gegen den Krieg vor der russischen Botschaft in Bukarest.   -   Copyright  Andreea Alexandru/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.

Eine junge blonde Frau steht im Zentrum von Vilnius. Sie sieht besorgt aus. Unter ihrer Jacke zeichnen sich die roten Stickereien einer ukrainischen Trachtenbluse ab. Die 21-Jährige klatscht einen Takt. Dann stimmt sie ein Lied an, dass mittlerweile zur Hymne wurde:

"Oi u luzi chervona kalyna" - "Auf der Wiese lässt eine rote Kalyna den Kopf hängen..."

Ihr Name: Eliza Ismalkova. Sie ist eine 21-jährige Sängerin aus der Ukraine. 2014 musste sie fliehen, als russische Kämpfer die Krim annektierten. 2015 kam sie zum Studium nach Litauen. Und blieb.

"... aus irgendeinem Grund war unsere glorreiche Ukraine besorgt"

In diesem Februar trifft es ihre Familie erneut. Im russischen Angriffskrieg wird das Haus zerstört. Trotz der Bombardierungen wollen Mutter und Bruder bleiben, um die Ukraine verteidigen.

Vielleicht denkt Eliza an sie beide, während sie in Vilnius das jahrzehntealte ukrainische Volkslied anstimmt. Auf einmal treten aus dem Hintergrund 300 Menschen hervor. Die Litauerinnen und Litauer singen mit Eliza, um Spendengelder für die Ukraine zu sammeln und den Kriegsopfern Mut zu machen.

"... und wir werden diese rote Kalyna aufrichten"

Die rote Kalyna - die Pflanze, die in dem Lied besungen wird - ist ein ukranisches Nationalsymbol. Eigentlich wurden die Strophen im ersten Weltkrieg geschrieben, um Kämpfern der ukrainischen Volksarmee, der Einheit der Sitscher Schützen, Mut zu machen.

"... und wir, die ruhmreiche Ukraine, werden jubeln und uns freuen!"

Ein Lied, das über 100 Jahre später wieder Mut machen soll - und über die Landesgrenzen hinaus berühmt wird. Zu verdanken ist dies dem Sänger der ukrainischen Band Boombox, Andriy Khlyvnyuk. Als die russischen Truppen am 24. Februar erstmals seine Heimat angreifen, bricht er eine US-Tour ab, um selbst zur Waffe zu greifen.

"... und wir werden diese rote Kalyna aufrichten"

In Uniform und mit einem Maschinengewehr um den Hals stimmt Andriy den Protestsong a cappella auf dem menschenleeren Sofiyskaya-Platz in Kiew an und postet den Clip auf Instagram. Tausende Followerinnen und Follower teilen den Post.

"... und wir, die ruhmreiche Ukraine, werden, jubeln und und uns freuen!"

Schnell verbreitet sich das Lied über die Landesgrenzen - und kommt keinem geringeren als David Gilmour von Pink Floyd zu Ohren. Gilmour nimmt der Krieg stark mit, denn er hat eine ukrainische Schwiegertochter und Enkelkinder.

Er sagt, "wie viele andere waren wir wütend und frustriert, als wir erleben mussten, wie ein unabhängiges, friedliches, demokratisches Land überfallen und sein Volk von einer der größten Mächte der Welt ermordet wird".

Mit seinen früheren Band-Kollegen Nick Mason und Guy Pratt tut sich Gilmour mit Nitin Sawhney zusammen und nimmt am 30. März das vom Volkslied inspirierte Stück "Hey, Hey, Rise up and rejoice" auf. Teile spielt er online Andriy vor, der zu dem Zeitpunkt im Krankenhaus liegt, wo er sich von einer Verletzung mit einer Mörsergranate erholt. Der Gesang des Boombox-Frontmanns wird zugeschaltet.

Ein medialer Coup, denn seit "Division Bell" von 1994 hatte Pink Floyd kein Album mehr herausgebracht, die Band löste sich 2015 auf.

Die Einnahmen sollen an humanitäre Organisationen gehen, die die Menschen in der Ukraine unterstützen.