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Präsidentschaftswahl in Frankreich: "Republikanische Front" bröckelt

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Von Cyril Fourneris
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Stichwahl Emmanuel Macron und Marine Le Pen
Stichwahl Emmanuel Macron und Marine Le Pen   -   Copyright  Charly TRIBALLEAU / AFP

Emmanuel Macron gegen Marine Le Pen- am Sonntag entscheiden die Franzosen im zweiten Wahlgang, wer Frankreich die kommenden fünf Jahre regieren darf.

Viele Enthaltungen: Leere Stimmzettel gegen beide Kandidaten

Amtsinhaber Macron ruft dazu auf seine Rivalin zu blockieren und eine sogenannte "Republikanische Front" gegen Rechts zu bilden. Diese hat Tradition - doch 2022 werden sich wohl viele Wähler enthalten, wie eine Straßen-Umfrage zeigt: 

Keiner von beiden ist besser. Wenn man seine Stimme nicht der extremen Rechten geben soll, welcher Kandidat bleibt dann?

"Ich werde einen leeren Stimmzettel abgeben, weil ich mich bei meiner ersten Präsidentschaftswahl nicht dazu zwingen will, Macron zu wählen", sagt ein junger Mann.

"Er hat in den letzten fünf Jahren keine gute Arbeit geleistet, um uns näherzubringen. Warum sollte sich das ändern?" fragt eine junge Frau.

Und eine andere meint: "Keiner von beiden ist besser. Wenn man seine Stimme nicht der extremen Rechten geben soll, welcher Kandidat bleibt dann?"

" Es geht um den Rechtsstaat, die Republik, um Europa"

Laut Umfragen liegt Emmanuel Macron einige Prozent vor Marine Le Pen und wird vorraussichtlich wiedergewählt. Doch es wird ein viel knapperes Ergebnis als vor fünf Jahren erwartet.

Macrons Anhänger von der Partei "LRME- La République en marche" sind auf der Straße, um noch Unentschlossene zu überzeugn. So auch Barbara Granatelli: "Leere Stimmzettel abzugeben bedeutet, Marine Le Pen zu wählen. Es bedeutet, ihr zu erlauben, an die Macht zu kommen. Es geht nicht mehr darum, Macron zu unterstützen oder nicht. Es geht um den Rechtsstaat, die Republik, um Europa, um die Werte, die die Grundlage unsere Gesellschaft sind".

"Republikanische Front" bröckelt- anders als bei Stichwahl Le Pen-Macron 2017

Emmanuel Macron gilt als Favorit, doch in Frankreich hat sich etwas verändert seit 2017. Marine Le Pen hat ihr Image geglättet, Macron ist vielen Franzosen und insbesondere linken Wählern, die das Zünglein an der Waage sein könnten, heute zutiefst verhasst.

Der Politikwissenschaftler Martial Foucault von Scieces Po Paris ordnet ein: "Die "republikanische Front" wird dieses mal nicht ausreichen, um die Wählerschaft von Jean-Luc Mélenchon und im weiteren Sinne die Wählerschaft der Linken, der Grünen, der Sozialistischen und Kommunistischen Partei zu mobilisieren. Es besteht also ein Risiko, die Strategie der zweiten Runde nur auf die "republikanische Front" aufzubauen. Macrons Anhänger müssen mehr tun, um zu verhindern, dass sich diese Wähler enthalten."

Mehr tun, genau das versucht Macron: bei der Erhöhung des Rentenalters hat er eine Schritt zurück gemacht, bei den Themen Ökologie und Kaufkraft geht er auf die linke Wählerschaft zu.

"2002, als der Vater von Marine Le Pen als erster rechst-extremer Kandidat den zweiten Wahlgang erreichte, war die Republikanische Front noch stark. Zwanzig Jahre später ist das anders und wir werden erst am Sonntag sehen, was von ihr übrig ist", kommentiert Euronews-Reporter Cyril Fourneris.

Journalist • Julika Herzog