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Theater in Pompeji: Kids aus Neapel spielen "Die Vögel" von Aristophanes

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Von Luca Palamara
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Szene aus dem Stück "Die Vögel" von Aristophanes
Szene aus dem Stück "Die Vögel" von Aristophanes   -   Copyright  Euronews / Luca Palamara

Theater spielen vor antiker Originalkulisse, dieser Traum ist für rund 80 Schülerinnen und Schüler aus Neapel wahr geworden.Seit vergangenem September proben sie im Rahmen eines Workshops das zweieinhalb Tausend Jahre alten Theaterstück Die "Vögel" von Aristophanes - und das im Großen Theater der antiken Ausgrabungsstätte Pompeji. "Sogno di volare" - der Traum vom Fliegen, heißt das Projekt.

Ein Projekt mit wichtiger Botschaft, findet Gabriel Zuchtriegel, Direktor des Archäologieparks: "Oft wird gesagt Pompeji sei eine sehr wichtige Stätte, aber leider in einer Problemregion. Stattdessen sollten wir die Perspektive umkehren und sagen, dass wir uns glücklich schätzen können, hier eine Kulturstätte zu haben, die dem Gebiet etwas geben kann. Wir wollen diesen Kindern eine Perspektive und eine Vision bieten.

Vorbild ist Aristophanes: Der junge Athener Dichter hatte genug von dem ständigen Krieg und der Korruption in seiner Stadt und träumte davon, sie zu verlassen und einen besseren Ort zu finden. 

"Und so haben wir angefangen, mit den Kids zu arbeiten: Magst du deine Stadt? Warum würdest du sie verlassen wollen?", erklärt Regisseur Marco Martinelli. "Wenn man also nicht nur eine einzelne Zeile, sondern eine ganze Geisteshaltung von vor 2.500 Jahren in unsere Gegenwart übersetzt, dann wird der Text, die Fabel lebendig und spricht zu uns allen."

Nunzio, einer der Mitwirkenden, berichtet: "Ich spiele Augusto ... Er ist ein Athener, der von seiner Heimatstadt die Nase voll hat und eine neue Stadt finden will, eine freiere Stadt, in der er leben kann."

Euronews-Reporter Luca Palamara hat die jungen Schauspieler:innen nach ihren Zukunftsträumen befragt und ist erstaunt, wie ehrich und reflektiert sie antworten.  "Für manche sind es nur Ruinen oder, noch schlimmer, nur alte Steine. Für viele sind es die unglaublich gut erhaltenen und faszinierenden Zeugnisse einer alten Zivilisation. Aber für diese jungen Menschen bedeutet dieser Ort die direkte Verbindung zwischen ihrem kulturellen Erbe und ihrem täglichen Leben."

Annarita, eine junge Tänzerin, meint: "Ich denke, dass ich außerhalb dieser Stadt meine Träume verwirklichen werde, denn ich bin Tänzerin und ich glaube nicht, dass meine Stadt mir das bieten kann, was ich anstrebe."

Ihre Mitspielerin Mariangela fügt hinzu: "Ich kann mich mit dem Chor identifizieren, weil ich meine Stadt einfach nicht mag und eines Tages wegziehen möchte."

Ob sie jemals ihre Heimat verlassen werden, ist ungewiß. Aber nach ihrer Theatererfahrung wirken die Kids selbstbewusster, ihre Stimmen sind kräftiger geworden. Simone sagt: "Vorher wurde ich rot vor Scham, mein Körper verriet mich, nun lerne ich jetzt dazu, gewinne Selbstvertrauen im Umgang mit anderen."

Filomena bestätigt: "Vorher war ich sehr unsicher. Am An fang hatte ich Angst, mich zu engagieren, aber diese Erfahrung hat mir geholfen, die Angst vor der Bühne zu überwinden."

Das Stück ist in Zusammenarbeit zwischen dem Archäologiepark Pompeji und dem Ravenna Festival entstanden und ermöglicht es diesen jungen Menschen zu verstehen, dass Theater die Kunst der Träume ist und sie dazu befähigt, von ihrer eigenen Zukunft zu träumen.