Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Dutzende Schüsse: Wieder Schwarzer bei US-Polizeieinsatz getötet

Access to the comments Kommentare
Von Katharina Sturm  & su  mit dpa
euronews_icons_loading
©
©   -   Copyright  AP

Erneut sorgt in den USA ein Polizeieinsatz für Empörung, bei dem ein schwarzer Mann erschossen wurde. Die Polizei in Akron im Bundesstaat Ohio veröffentlichte mehrere Videos eines Einsatzes am 27. Juni. Die Beamten lieferten sich an dem Abend mit dem 25 Jahre alten Jayland Walker eine Verfolgungsjagd. Als der Mann schließlich sein Auto verließ, um zu Fuß weiter zu flüchten, feuerten Polizisten Dutzende Schüsse ab. Nach Polizeiangaben weist die Leiche des 25-Jährigen 60 Schusswunden auf. Es war offen, wie oft genau er getroffen wurde, da es sich auch um Ein- und Austrittswunden von Kugeln handeln könne. Zum Zeitpunkt des Kugelhagel der Polizisten war Walker unbewaffnet.

Jeff Lange/Phil Masturzo
Demonstration für Jayland WalkerJeff Lange/Phil Masturzo

In Akron ist seit einigen Tagen wegen des tötlichen Polizeieinsatzes zu Protesten gekommen. Bürgermeister Dan Horrigan rief die Menschen in der Stadt auf, friedlich zu bleiben. Er nannte die Videoaufnahmen der Körperkamera der Polizei «herzzerreißend». «Es ist sehr schwer zu ertragen», sagte er bei einer Pressekonferenz. Die Polizei habe am späten Sonntagabend vor dem Justizzentrum der Stadt Tränengas eingesetzt, nachdem Demonstranten dort Absperrungen umgeworfen hatten, so der örtliche Sender WKYC.

Nach Angaben der Polizei wollten die Beamten den 25-jährigen Walker wegen eines Verkehrsdelikts anhalten. Dieser sei aber mit seinem Wagen geflüchtet. Der Polizei zufolge soll er dabei auch einen Schuss abgefeuert haben. Als er schließlich die Flucht zu Fuß fortsetzte, trug er eine Skimaske, wie es weiter hieß. Die Polizei habe zunächst versucht, ihn mit Tasern zu stoppen und dann geschossen.  Ein Anwalt von Walkers Familie sagte, die Beamten hätten auch dann noch weiter geschossen, als er bereits am Boden lag.

«Es scheint, dass Herr Walker sich dem Beamten zuwandte, und es gibt ein Standbild, auf dem eine Vorwärtsbewegung seines Arms zu sehen ist», sagte Polizeichef Stephen Mylett. «Die genaue Anzahl der abgefeuerten Schüsse ist uns nicht bekannt.» Acht Polizisten seien dabei «direkt involviert» gewesen. Zu diesem Zeitpunkt sei der 25-jährige Walker nicht bewaffnet gewesen. Man habe aber eine Waffe in seinem Wagen gefunden. Bevor die Polizeibeamten Walker in ein Polizeiauto setzen konnten, um ihn ins Krankenhaus zu bringen, trafen die Sanitäter der Feuerwehr Akron ein, die die Versorgung übernahmen, erklärt Mylett. "Leider verstarb Walker tragischerweise vor Ort", teilte der Polizeichef von Akron in einer Presseveranstaltung mit. 

Aus einer routinemäßigenVerkehrskontrolle, die wahrscheinlich mit einer Verwarnung oder einem Strafzettel enden würde, wurde eine Verfolgungsjagd.
Steve Mylett
Polizeichef Akron

In einer Erklärung, die am Sonntag veröffentlicht wurde, sagte die örtliche Polizeigewerkschaft, dass die Beamten davon ausgingen, dass durch den 25-jährigen Walker eine unmittelbare Bedrohung für einen ernsthaften Schaden bestand, und dass sie glaubt, dass ihre Handlungen und die Anzahl der Schüsse im Einklang mit ihrer Ausbildung und ihren Protokollen gerechtfertigt sind. Die Gewerkschaft erklärte, die Beamten würden bei den Ermittlungen kooperieren.

Faire Untersuchungen

Generalstaatsanwalt Dave Yost versprach eine "vollständige, faire und fachkundige Untersuchung" durch das Ohio Bureau of Criminal Investigation und warnte davor, dass "die Aufnahmen der Überwachungskameras nur ein Teil des Gesamtbildes sind". Er versicherte außerdem, dass die Ermittlungsakte nach Abschluss des Falles veröffentlicht werde.

Die Polizei von Akron führt eine separate interne Untersuchung durch, um festzustellen, ob die Beamten gegen die Vorschriften oder Richtlinien der Abteilung verstoßen haben.

Die in die Schießerei verwickelten Beamten sind im bezahlten Verwaltungsurlaub, wie es in solchen Fällen üblich ist. Sieben von ihnen sind weiß, einer ist schwarz, wie die Polizei mitteilte. Ihre Dienstzeit bei der Polizei von Akron liegt zwischen eineinhalb und sechs Jahren, und keiner von ihnen hat eine Akte über Disziplinarmaßnahmen, begründete Beschwerden oder tödliche Schießereien vorzuweisen, hieß es.

Das von der Polizei veröffentlichte Filmmaterial endet mit den Schüssen der Beamten und zeigt nicht, was danach geschah. Die Beamten leisteten Hilfe, und man kann hören, dass Walker noch einen Puls hatte, aber er wurde später für tot erklärt, sagte Mylett.

Jayland Walkers Familie

Walkers Familie fordert Rechenschaft, aber auch Frieden, so ihre Anwälte. Einer der Anwälte, Bobby DiCello, bezeichnete den Schusswechsel mit der Polizei als übertrieben und unangemessen und sagte, die Polizei habe Walker Handschellen angelegt, bevor sie versucht habe, erste Hilfe zu leisten.

Jeff Lange/Akron Beacon Journal
Anwältin Paige White (links) tröstet Mutter Pamela Walker (mitte) während Anwalt Bobby DiCello (rechts) spricht.Jeff Lange/Akron Beacon Journal

"Wie es zu dieser Verfolgungsjagd kommen konnte, ist mir unbegreiflich", sagte DiCello.

Er sagte, Walkers Familie wisse nicht, warum er vor der Polizei geflohen sei. Walker trauerte um den kürzlichen Tod seiner Verlobten, aber seine Familie hatte keine Anzeichen von Besorgnis darüber hinaus, und er war kein Krimineller, sagte DiCello.

Polizeigewalt in den USA

Jayland Walkers Schicksal ist in den USA kein Einzelfall. In den USA kommt es in trauriger Regelmäßigkeit zu tödlichen Polizeieinsätzen ähnlicher Art. Laut der amerikanischen Non-Profit-Organisation "Mapping Police Violence" sind knapp 70% der schwarzen Opfer von Polizeigewalt unbewaffnet. Schwarze werden in den USA 2,9-mal häufiger von der Polizei getötet als Weiße.

Richard Tsong-Taatarii/AP
Aufnahme während einer "Black Lives Matter" Demonstration nach dem Mord an George FloydRichard Tsong-Taatarii/AP

Stellvertretend für den Rassismus der Polizei steht der Fall von George Floyd: Im Mai 2020 war der Afroamerikaner bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben gekommen. Der Fall führte damals zu landesweiten Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus.