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Ukraine: "Verhandlungen mit Russland finden auf dem Schlachtfeld statt"

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Von Alexandra Leistner
Ukrainische Soldaten am Straßenrand nahe Cherson, wo die ukrainischen Truppen überraschend Gebiete zurückeroberten und die russischen Soldaten zurückdrängten.
Ukrainische Soldaten am Straßenrand nahe Cherson, wo die ukrainischen Truppen überraschend Gebiete zurückeroberten und die russischen Soldaten zurückdrängten.   -   Copyright  Kostiantyn Liberov/AP

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba sieht derzeit keine Chance auf Friedensverhandlungen mit Russland. In einem Interview mit dem ukrainischen Sender UKR sagte Kuleba, Verhandlungen mit Russland würden "auf dem Schlachtfeld" ausgetragen.

Gespräche, die einzig dazu dienten, den russischen Forderungen nachzukommen, erteilte er eine Absage. Bisher habe es nur geheißen, "Russland ist bereit zu Gesprächen über die Erfüllung seiner Forderungen". Erst wenn die russische Position so schwach wie möglich sei, werde das Land ein aufrichtiges Interesse an Friedensverhandlungen zeigen, so der Außenminister.

Nach Beginn des Krieges Ende Februar hatte es kurzzeitig Bemühungen um Frieden durch bilaterale Gespräche gegeben. Seit Mai haben die Unterhändler aber nicht mehr miteinander gesprochen. Ein Treffen in Istanbul hatte zu einer Annäherung geführt, aber keine weiteren Konsequenzen gehabt. 

Anfang August hatte der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betont, Moskau sei zu einer diplomatischen Beilegung des "Problems" bereit - zu russischen Bedingungen. Auch der deutsche Altkanzler Schröder, der Putin nahesteht, hatte dessen Bereitschaft zu Verhandlungen erwähnt.

"Wir befinden uns im Krieg mit Russland, nicht um die Möglichkeit zu haben, mit ihnen zu sprechen, sondern um zu gewinnen", sagte Kuleba nun im Interview mit UKR. Auch die ukrainische Bevölkerung sei entschlossen zu gewinnen. Dass die ukrainischen Truppen derzeit immer mehr Gebiete zurückerobern können, werde auch zu mehr internationaler Hilfe führen.

"Je mehr Siege die Ukraine erringt, desto mehr Aufmerksamkeit wird unseren Bemühungen gewidmet und desto motivierter werden unsere Partner sein, die Ukraine zu unterstützen."

Etappensieg für die Ukraine

Seit etwa zwei Wochen können ukrainische Truppen mehr und mehr Gebiete aus russischer Besatzung befreien. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, seit Anfang September hätte die Armee 6.000 Quadratkilometer Land zurückerobert. Allerdings führten Raketenangriffe Russlands zu Stromausfällen in zahlreichen ukrainischen Städten.

Die Lage am Atomkraftwerk hat sich etwas entspannt. Zwei Stromleitungen zum Kühlsystem konnten nach ukrainischen Angaben repariert werden.

Sowohl Selenskyj als auch Kuleba haben andere Länder gebeten, mehr Waffen zu liefern, um ihre Chancen in den Kämpfen gegen russische Truppen zu verbessern. "Gemeinsam können wir den russischen Terror überwinden", so der Präsident in einer Videobotschaft.

Der Krieg geht an diesem Dienstag in seinen 202. Tag.

Kreml will Munition - und Soldaten - aus Zentralasien

Ukrainische Sicherheitsdienste wollen erfahren haben, dass Russland sich in Zentralasien mit Munition und Ersatzteilen für alte Sowjet-Artilleriesysteme versorgen will. 

Zudem würden pensionierte Soldaten und Mitarbeiter des Innenministeriums von Tadschikistan von Russland kontaktiert, um für Russland in den Krieg zu ziehen. Auch in der Kirgisischen Republik laufe eine Rekrutierungskampagne. 

"Kürzlich wandte sich der Föderale Dienst für militärisch-technische Zusammenarbeit der Russischen Föderation an das Verteidigungsministerium der Republik Tadschikistan mit der Bitte um die Lieferung von 220-mm-Raketen für den MSV Uragan. Die Russen sind auch an Munition für die 203-mm-Panzerkanone "Pion" und an UTD-20-Motoren für BMP-1 und BMP-2 interessiert, die in großen Mengen in Militärlagern in Tadschikistan gelagert sind", war auf der Internetseite des Nachrichtendiensts des ukrainischen Außenministeriums zu lesen.

Das Interview mit dem ukrainischen Fernsehsender UKR finden sie nachfolgend im ukrainischen Original.

Weitere Quellen • UKR