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Sparer im Libanon überfallen ihre Banken, um an ihr Geld zu kommen

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Von Isidro Murga
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Banküberfall im Libanon
Banküberfall im Libanon   -   Copyright  Bilal Hussein/AP

Beirut, ein Menschenauflauf vor einer Bankfiliale. Gerade wollte ein Sparer Geld abheben – mit der Waffe in der Hand. Er ist nicht der einzige Verzweifelte im Libanon, der es auf diese Art versucht: seit 2019 sind die Ersparnisse von Millionen Menschen in den Banken blockiert, die eigene Bank zu überfallen, wird als Notwehr empfunden.

Vor kurzem gelang es in einem anderen Bankkunden, 19.000 Dollar abzuheben – er hatte einen Benzinkanister dabei, als er die Filiale betrat. Das Geld konnte er noch an seinen Sohn weitergeben, bevor er sich der Polizei stellte.

Mehrere solcher Banküberfälle haben sich in wenigen Tagen ereignet. Um Zeit zu gewinnen, wurden für drei Tage alle Bankfilialen geschlossen. Die raubenden Sparer stoßen auf breite Sympathie in der Bevölkerung und werden von den Strafverfolgungsbehörden milde behandelt. 

Es ist ein Zeichen für das wachsende Chaos in dem kleinen Mittelmeerland inmitten einer historischen Wirtschaftskrise. Die Einbrüche spiegeln die Verärgerung über die strengen Kontrollen der Banken bei Bargeldabhebungen wider, ein Nebenprodukt der Finanzkrise.

Seit Beginn der Wirtschaftskrise im Libanon vor drei Jahren, die die Weltbank als eine der schlimmsten der Welt bezeichnet, wurden Dollar-Guthaben nur in Landeswährung ausgezahlt, weit unter dem tatsächlichen Wert. Das libanesische Pfund hat einen neuen Tiefstand von 38.400 Pfund gegenüber dem US-Dollar erreicht. Die anhaltenden Kursverluste haben vielen Menschen im Libanon, die in libanesischen Pfund bezahlt werden, einen großen Teil ihrer Kaufkraft genommen.

Fast drei Viertel der Libanesen sind seitdem in Armut gefallen, wachsende Krimininalität und der Zerfall staatlicher Autorität sind die andere Seite der Medaille.