COP27: Zäh bis zum Schluss, arme Länder kämpfen um Schadenersatz

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Von Euronews  mit DPA/AP
Klimaaktivisten portestieren - und werden nicht gehört...
Klimaaktivisten portestieren - und werden nicht gehört...   -   Copyright  AHMAD GHARABLI / AFP   -  

Bis kurz vor Schluss der Klimakonferenz COP27 im ägyptischen Scharm el Scheich wird um das Thema Ausgleichszahlungen für Klimaschäden zäh gerungen. UN-Generalsekretär António Guterres forderte in einem leidenschaftlichen Appell an die reichen Industriestaaten mehr Hilfe für ärmere Länder. Es drohe ein Vertrauensverlust zwischen Nord und Süd,

Derweil schlagen vom Klimawandel besonders bedrohte Länder Alarm. Ralph Regenvanu, Minister für Klimawandel des Inselstaates Vanuatu warnte: "Wir haben keine Zeit, kein Geld und keine Geduld mehr. Wir müssen auf dieser COP27 ein Finanzierungssystem zum Ausgleich erlittener Verlusten und Schäden einrichten. Die Einrichtung eines Fonds wird über den Erfolg oder Misserfolg unserer kollektiven Führung hier entscheiden."

Begrüßt wie ein Held: Lula forderte UNO-Reform

Der frisch gewählte brasilianische Präsident Lula da Silva, von Klimaaktivisten auf der COP27 wie ein Held begrüßt, forderte Änderungen in der Arbeitsweise der Vereinten Nationen, um Fortschritte zu erzielen. "Die UNO muss sich reformieren. Die UNO kann nicht nur auf der Seite der Länder stehen, die den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Wir brauchen afrikanische Staaten im Sicherheitsrat, südamerikanische, asiatische Länder".

Mangels Fortschritten bei der Erfüllung des Versprechens reicher Nationen, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar zur Unterstützung von Entwicklungsländern bereitzustellen, schlägt die EU einen Ausgleichsmechanismus für dringende Notfälle vor.

"Die am meisten gefährdeten Länder brauchen dieses Geld dringend," erklärte EU-Kommissar Frans Timmermanns. "Und wenn wir uns in endlosen Diskussionen darüber verzetteln, in welcher Form dies geschehen soll, werden wir ihnen keinen Gefallen tun".

Bis zur Einrichtung des neuen Reparationsfonds, wie von den ärmeren Staaten gefordert, könnten noch Jahre vergehen, so Timmermans. Bis dahin müssten schnell Lösungen geboten werden, auch wenn diese weit hinter den Forderungen der Klimaschützer zurückbleiben.

Deutschland gibt weitere 60 Millionen Euro für Klima-Anpassungsfonds

Die zweiwöchige Konferenz in Ägypten, zu der etwa 34 000 Menschen angereist sind, soll planmäßig am Freitag enden. Oft werden UN-Klimakonferenzen aber ins Wochenende verlängert. Die grüne Bundesaußenministerin Annalena Baerbock geht auch dieses Mal davon aus: Sie habe ihre Koffer nicht gepackt für ein Ende am Freitagnachmittag. "Leider sind wir noch nicht da, wo wir am Ende hinkommen wollen."

Deutschland will weitere 60 Millionen Euro für den sogenannten globalen Anpassungsfonds geben. Das kündigten Außenministerin Annalena Baerbock und Bundesumweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) am Donnerstag bei der Weltklimakonferenz an. 

Der Anpassungsfonds unterstützt Entwicklungsländer beim Umgang mit den Folgen des Klimawandels wie steigendem Meeresspiegel und Erosion. Im vergangenen Jahr gab Deutschland nach Angaben des Umweltministeriums 50 Millionen Euro für den Fonds und gehört laut Mitteilung zu den größten Beitragszahlern.