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COP27: Experten erklären, wie und warum sich das Klima ändert

COP27: Experten erklären, wie und warum sich das Klima ändert
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Von Jeremy Wilks  & Sabine Sans

Die Weltklimakonferenz COP27 findet dieses Jahr in Scharm el-Scheich in Ägypten statt. Experten erwarten keine große Entscheidungen, aber neue Schwerpunkte: Etwa die Behandlung von unvermeidlichen Schäden durch den Klimawandel, dem sogenannten "Loss and Damage". Der Klimagipfel steht im Schatten des Krieges in der Ukraine, er bringt tausende Politiker, Aktivisten und Wissenschaftler aus zahlreichen Ländern zusammen. Die COP27 war bereits für 2021 geplant gewesen, wurde wegen der Corona-Pandemie allerdings auf den derzeitigen Termin verschoben. Diese Sonderausgabe von Climate Now komt vom COP27-Klimagipfel in Ägypten. Dort erklären uns Experten, wie und warum sich unser Klima verändert.

Aktuelle Klimadaten

Zunächst die aktuellen Daten des Copernicus Climate Change Service, aus denen hervorgeht, dass wir in Europa gerade den wärmsten Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen hatten, mit Temperaturen, die fast zwei Grad über dem Durchschnitt von 1991 bis 2020 liegen. Alle auf dieser Karte dunkelrot markierten Gebiete in Frankreich, der Schweiz, Österreich, Teilen Deutschlands, Italiens und Spaniens hatten im vergangenen Monat außergewöhnlich warmes Wetter. 

Copernicus Climate Change Service umgesetzt vom ECMWF
Temperaturen im Oktober, Bezugszeitraum 1991-2020Copernicus Climate Change Service umgesetzt vom ECMWF

Warum erwärmt sich Europa schneller als der Rest der Welt?

Diese Daten für Oktober sind Teil eines viel weitreichenderen Trends. Europa erwärmt sich viel schneller als der Rest des Planeten. Um zu verstehen, warum, hat sich euronews-Reporter Jeremy Wilks auf der COP27 mit Petteri Taalas getroffen, dem Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Er antwortet auf die Frage, warum sich Europa so viel schneller als der Rest der Welt erwärmt: 

"Wir haben in Europa eine mehr als doppelt so starke Erwärmung wie im Rest der Welt festgestellt. Das liegt an der Erwärmung in der Arktis, die einen großen Einfluss auf den nördlichen Teil Europas hat. Und die zweitwärmste Region weltweit ist der Mittelmeerraum. In der Arktis trägt das Schmelzen von Schnee und Eis zu dieser Erwärmung bei. Und in der Mittelmeerregion wird es immer trockener, so dass die Verdunstung nicht ausreicht, um die Erwärmung zu mildern."

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Petteri Taalas ist der Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologieeuronews

Die Erwärmung, die wir an Land beobachten, wäre noch schneller, wenn es nicht die Ozeane gäbe. Berechnungen zufolge absorbieren sie bis zu 90 % der zusätzlichen Wärme, die durch Treibhausgase in der Atmosphäre gebunden wird. Und sie leiden darunter. 

Welche Auswirkungen haben marine Hitzwellen?

Von dem Meereswissenschaftler Jean-Pierre Gattuso will Jeremy Wilks wissen, welche Auswirkungen die Hitzewellen haben, unter denen das Mittelmeer in den vergangenen Jahren wiederholt gelitten hat:

"Die Hauptauswirkung mariner Hitzewellen ist ein massives Sterben von wirbellosen Tieren und Pflanzen, Mollusken, Schwämmen und Korallen", sagt der CNRS-Forschungsdirektor vom Laboratoire D'océanographie in Villefranche-Sur-Mer. "Zwischen der Oberfläche und 50 Metern Tiefe gibt es viele wirbellose Tiere und Pflanzen, die davon betroffen sind und sterben."

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Der französische Meereswissenschaftler Jean-Pierre Gattuso erklärt die Auswirkungen der marinen Hitzewelleneuronews

Auf die Frage, ob die Entscheidungen etwas bewirken, die auf der COP27 getroffen werden, ob sie Phänomene wie Versauerung und Hitzewellen verringern, antwortert er: 

"Die hier stattfindenden Verhandlungen sind äußerst wichtig. Die vom Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen prognostizierten Szenarien zeigen, dass wir die Temperaturen und die Versauerung der Ozeane stabilisieren können, wenn das Pariser Abkommen schnell und vollständig umgesetzt wird. Das bedeutet nicht, dass wir zu der Situation zurückkehren, wie sie vorher war. Es bedeutet, dass wir die Erwärmung und den Anstieg des Säuregehalts stoppen können."

Geschäftige Atmosphäre auf der COP27

Auf der COP27 herrscht eine geschäftige Atmosphäre, denn jeder weiß, dass sich das Zeitfenster schließt, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen und die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Emissions-Expertin Claire Fyson von ClimateAnalytics zu den Fragen, ob echte Fortschritte beim Thema Emissions-Verringerung zu erwarten sind. Steigen oder sinken die Treibhausgaskonzentrationen?  

"Leider steigt die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre weiter an. Eine kürzlich veröffentlichte Schätzung besagt, dass sie bei 416 Teilchen pro Million liegt. Das ist höher als im vergangenen Jahr und höher als während der gesamten menschlichen Zivilisation", so die stellvertretende Leiterin des Teams für Klimapolitik bei Climate Analytics. "Das ist also ein sehr besorgniserregender Trend, denn wenn die CO2-Emissionen weiter steigen, werden sich die Auswirkungen des Klimawandels weiter verschärfen."

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Emissions-Expertin Claire Fyson von ClimateAnalytics erklärt die momentane Lageeuronews

Auf die Frage, ob es eine Perspektive gibt, dass sich die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre bald stabilisieren, antwortet sie: 

_"Das hängt wirklich davon ab, was wir tun, insbesondere was wir in den nächsten 8 bis 10 Jahren tun. Wenn wir die Emissionen auf null senken, dann werden wir eine Abflachung der Konzentrationen erleben, der Temperaturanstieg wird sich abflachen und die Auswirkungen des Klimawandels werden sich nicht weiter verschärfen. Jüngste Schätzungen deuten darauf hin, dass wir auf eine Erwärmung von etwa 2,4 bis 2,8 Grad zusteuern. Also kein Ort, an dem man leben will." _

Selbst bei einer raschen Verringerung der Emissionen in den nächsten Jahrzehnten werden einige Auswirkungen des Klimawandels noch über Jahrhunderte hinweg anhalten. Dazu gehören der Anstieg des Meeresspiegels und das Abschmelzen der Kryosphäre.