Erstunken und erlogen: George Santos (34) hat Lebenslauf "aufgehübscht"

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Von Euronews  mit AP, NYT, New York Post, Forward
Republikaner Georges Santos im Wahlkampf vor den Midterms in den USA
Republikaner Georges Santos im Wahlkampf vor den Midterms in den USA   -  Copyright  Mary Altaffer/Copyright 2022 The AP. All rights reserved

Erstunken und erlogen ist der Lebenslauf, den der in den US-Kongress gewählte Republikaner George Santos seinen Wählerlnnen und Wählern aufgetischt hatte. Trotz der Ermittlungen gegen ihn, die inzwischen eingeleitet wurden, will der 34-Jährige sein Mandat als Abgeordneter in dieser ersten Januarwoche antreten. Die New York Times widmet dem Betrugsfall inzwischen eine Rubrik mit mehreren Kapiteln.

Der unterlegene Demokrat Robert Zimmermann beklagt, dass Santos es wegen der Lügen nicht verdiene, den New Yorker Wahlkreis im Parlament zu vertreten. George Santos hatte sich im Wahlkampf als jemanden beschrieben, der als Immigrant für den "American Dream" stehe. Zudem galt er als einer der wenigen offen homosexuellen Politiker in den USA.

Diplom und Arbeitgeber frei erfunden

Santos hat inzwischen aber zugegeben, dass er seinen Lebenslauf "aufgehübscht" habe - und er hat sich dafür entschuldigt. Falsch angegeben hatte der Politiker, der in New York in den Stadtteilen Long Island und Queens angetreten war, unter anderen den - gar nicht vorhandenen - Uni-Abschluss. Er war nie auf der Horace Mann School, dem Baruch College oder der New York University, die alle in seinem Curriculum Vitae standen.

George Santos war zudem nie bei den Banken Goldman Sachs oder Citigroup beschäftigt, die er beide als Arbeitgeber angeführt hatte. Jetzt steht auf seiner Internetseite nur noch: "George ist ein erfahrener Geschäftsmann, Financier und Investor mit umfangreicher Erfahrung in den Bereichen Kapitaleinführung, Immobilien, Kapitalmärkte, Biotechnologie und M&A. Er hat Erfahrung mit der Erzielung von Ergebnissen in der Geschäftswelt und wird nun den gleichen Elan mit nach Washington nehmen, um Ergebnisse für den dritten Kongressbezirk von New York zu erzielen."

Verbindungen zum Holocaust erfunden

Zudem hatte der Republikaner behauptet, dass seine Großeltern mütterlicherseits ukrainische Juden waren, die während des Zweiten Weltkriegs vor dem Holocaust nach Belgien und später nach Brasilien geflohen waren. Die jüdische Nachrichtenplattform Forward hat anhand von Dokumenten nachgewiesen, dass Santos' Vorfahren seit mindestens drei Generationen in Brasilien leben. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass sein Großvater - wie von Santos angegeben - Ukrainer war oder seine Mutter Jüdin. Mehrmals hatte Santos erklärt, er sei wie seine Mutter jüdischen Glaubens und wie sein Vater römisch-katholisch.

In Santos' Wahlkreis sind laut Forward etwa 20 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner jüdischen Glaubens.

John Locher/Copyright 2022 The AP. All rights reserved.
George Santos bei der Republican Jewish Coalition im November 2022John Locher/Copyright 2022 The AP. All rights reserved.

"Kein Krimineller"

Die New York Times hat aufgedeckt, dass George Santos, als er im Alter von 19 Jahren in Brasilien lebte, einen Scheckbetrug begangen haben soll. Der Republikaner bestreitet das und sagt, er sei "kein Krimineller".

Santos hat behauptet, er habe nirgendwo gegen die Gesetze verstoßen. Dabei gibt es auch vielen Fragen dazu, wie der Republikaner die Gelder für seinen Wahlkampf aufgetrieben hat.  Laut Santos' Angaben hat er 750.000 Dollar von der Devolder-Organisation zusammen mit Dividenden im Wert von 1 bis 5 Millionen Dollar, wie die New York Post berichtet.

Wie kommt Santos an Millionen?

Eine Journalistin der Plattform Semafor hat im Gespräch mit George Santos versucht herauszufinden, wie der junge Mann, der fast immer in finanziellen Schwierigkeiten war, reich geworden ist. Santos sagte, seine Firma Devolder sei im Bereich der Kapitaleinführung tätig, einschließlich "Deal Building" und "Spezialberatung" für "vermögende Privatpersonen".

Als Beispiel für seine Arbeit sprach er davon, dass Kunden habe, die ein Flugzeug oder ein Boot verkaufen möchten. Dann frage Santos einfach in seinem Netzwerk nach: "'Hey, suchst du ein Flugzeug?' 'Suchst du ein Boot?' Ich strecke einfach die Fühler aus." Dieses Netzwerk bestehe aus wohlhabenden Investoren, Familienunternehmen, Institutionen und Stiftungen und umfasse etwa 15.000 Personen. Schon in den ersten sechs Monaten nach der Gründung von Devolder habe er "ein paar Millionen-Dollar-Aufträge an Land gezogen".

"Wenn es um eine 20-Millionen-Dollar-Yacht geht, kann meine Vermittlungsgebühr zwischen 200.000 und 400.000 Dollar liegen", sagte Santos.

Was die verschiedenen Untersuchungen in Sachen Santos ergeben werden, bleibt abzuwarten.