Beyond Growth 2023: Ist Schrumpfung die einzige Option, um den Planeten zu retten?

Beyond Growth 2023: Ist Schrumpfung die einzige Option, um den Planeten zu retten?
Copyright  euronews
Von Méabh Mc Mahon  & Euronews

Mehrere Teilnehmer:innen der Konferenz BeyondGrowth 2023, die diese Woche im Europäischen Parlament stattfand, fordern dazu auf, nicht mehr dem Wachstum hinterherzulaufen.

Mehr als 4.000 Menschen, darunter EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und zahlreiche Expert:innen aus ganz Europa haben auf der Beyond Growth-Konferenz in Brüssel drei Tage lang über die Zukunft der EU-Wirtschaft diskutiert - über Perspektiven ohne Wachstumszwang. 

Das "fossile Wachstumsmodell" sei „schlichtweg obsolet“, war eine Aussage von der Leyens, die gleichzeitig den Konsens vieler Teilnehmer:innen zusammenfasst. 

Die Konferenz "Beyond Growth 2023" ist eine Initiative von 20 Mitgliedern des Europäischen Parlaments. Sie wird von der EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola unterstützt. 

Euronews organisierte eine Debatte mit vier Teilnehmer:innen Beyond Growth-Konferenz: Marie Toussaint, französische Europaabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen/EFA, Timothée Parrique, französischer Sozialwissenschaftler und Schriftsteller, Anuna De Wever, belgische Klimaaktivistin - das Gesicht der Friday for Futures-Bewegung in Belgien und Ludovic Voet, konföderaler Sekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes.

Marie Toussaint, französische Europaabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen/EFA:

"Es gibt den Klimawandel, die Zerstörung der Artenvielfalt, giftige Substanzen, das Wasserproblem. Wir müssen wirklich handeln. Was hat das alles angeheizt? Es ist das Streben nach Profit, dieses Wachstumsdogma, das angeblich alles Glück der Welt bringen soll. Nun rennt aber jeder dem Wachstum hinterher. Ob es nun private Unternehmen sind, die Gewinne machen wollen und dieses Wachstum brauchen, oder Politiker, die ebenfalls behaupten, dass dieses Wachstum alle Probleme, die wir haben, lösen wird. Wir sehen doch, dass das nicht funktioniert, dass wir das Überleben der Menschheit und vieler anderer Arten gefährden und wir lösen nicht das Problem der sozialen Ungleichheit."

Ludovic Voet, konföderaler Sekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes:

"In der Geschichte bestand die Rolle der Gewerkschaften immer darin, menschliche Grenzen zu setzen, die Rechte der Arbeitnehmer zu definieren und dafür zu sorgen, dass sie immer eingehalten werden. Ich denke, heute haben wir auch die Aufgabe, die Grenzen des Planeten zu setzen und den Planeten und die menschlichen Grenzen nicht gegeneinander auszuspielen. Das ist es, was wir in der Gewerkschaftsbewegung als 'gerechten Übergang' bezeichnen. Wir müssen einen Übergang planen, der für die Arbeitnehmer akzeptabel ist, damit sie gute Arbeitsplätze haben und sozial abgesichert sind. Und natürlich widerspricht das der Logik des schnellen Profits. Das ist es, was wir in der Gesellschaft ändern müssen".

Anuna De Wever, belgische Klimaaktivistin - das Gesicht der Friday for Futures-Bewegung in Belgien:

"Ich denke, dass es einen großen Unterschied zwischen den Generationen gibt. Viele junge Leute wie ich - ich bin 21 Jahre alt - sind nicht wirklich vom Wachstum besessen. Wir untersuchen dieses Konzept mit Experten aus den exakten Wissenschaften und den Sozialwissenschaften. Wir sehen, dass es viel mehr Schaden als Nutzen angerichtet hat. Wachstum ist also etwas, das wir aktiv bekämpfen. Wir sind besessen von Wohlstand und Gleichheit. Wenn wir in einer Gesellschaft und in einer Welt leben wollen, in der Gleichheit eine Priorität ist, dann denke ich, dass Schrumpfung ein grundlegendes Element davon ist."

Timothée Parrique, französischer Sozialwissenschaftler und Schriftsteller:

"Einige Jahrzehnte lang haben wir geglaubt, wir könnten weiter wachsen und dabei weniger verschmutzen, was wir als "grünes Wachstum" bezeichnen. Wir sind besessen vom BIP, einem 100 Jahre alten Indikator, der völlig losgelöst vom Wohlstand in Ländern mit hohem Einkommen ist. Aber wir sind auch mit der Nicht-Nachhaltigkeit des weiteren Wachstums konfrontiert. Degrowth ist daher ein Plan B. Wir haben es mit grünem Wachstum versucht. Das wird jetzt nicht mehr funktionieren. Ich denke, der letzte IPCC-Bericht sollte dies als Tatsache anerkennen. Wir müssen also eine demokratisch geplante Reduzierung von Produktion und Konsum in Ländern mit hohem Einkommen organisieren und diese gerecht gestalten."

Zum selben Thema