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796 tote Säuglinge und Kinder: "Wir werden nie vergessen" - Katholisches Unrecht in Irland

Babyschuhe und Plüschtiere auf dem Bürgersteig während des Papstbesuches in Irland, 2018
Babyschuhe und Plüschtiere auf dem Bürgersteig während des Papstbesuches in Irland, 2018 Copyright Niall Carson/AP
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Von euronews
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796 Säuglinge und Kinder sollen in einem Massengrab in der Grafschaft Galway in Irland begraben sein, nahe eines ehemaligen kirchlichen Entbindungsheims. Die Regierung leitete eine Untersuchung ein, aber fast ein Jahrzehnt später sind die sterblichen Überreste noch immer nicht exhumiert,

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Eltern werden ist einer der erfüllendsten Momente der menschlichen Daseins. Für viele unverheiratete Frauen, die im Irland im letzten Jahrhunderts schwanger wurden, war es jedoch eine zutiefst stigmatisierende und oft nur kurze Erfahrung.

Schätzungsweise 90.000 unverheiratete schwangere Frauen wurden zwischen 1922 und 1998 in so genannten Mother and Baby Homes (Mutter- und Säuglingsheime) eingesperrt und gezwungen, ihre Babys kurz nach der Geburt in die Obhut der Kirche zu geben - um sie nie wiederzusehen.

796 - das ist die Zahl der Säuglinge und Kinder, die in einem Massengrab in der Grafschaft Galway in Irland begraben sein sollen. Es liegt in der Nähe eines ehemaligen kirchlichen Entbindungsheims. Entdeckt wurde es vor über 10 Jahren von einem Historiker, die Regierung leitete eine Untersuchung ein. 

Fast ein Jahrzehnt später sind die sterblichen Überreste noch immer nicht exhumiert worden, und die Überlebenden warten auf Antworten.

Letzten Monat wurde ein ehemaliger Gesandter des Roten Kreuzes ernannt, der die Exhumierung eines Massengrabes in Tuam überwachen soll.

Die Ankündigung erfolgte fast ein Jahrzehnt, nachdem die Amateurhistorikerin Catherine Corless mit ihren Nachforschungen über das inzwischen abgerissene Bons Secour Home internationale Aufmerksamkeit erregt hatte.

Die in Tuam ansässige Historikerin entdeckte, dass Hunderte von Beerdigungsunterlagen für Kinder, die zwischen 1926 und 1961 in dem Heim starben, fehlten.

Experten gehen davon aus, dass damals Zehntausende unverheiratete Frauen in Mutter-Kind-Heime eingewiesen worden sind.

"Die Frauen kamen aus den unterschiedlichsten Gründen in diese Mutter-Kind-Heime und in die Magdalenen-Asyle. Viele hatten außerehelich Kinder bekommen, aber viele auch nicht. Und in der Tat war die Grundlage, auf der man eingewiesen werden konnte, sehr, sehr fadenscheinig und ziemlich weit gefasst."

Lindsey Earner-Byrne, Professorin für Irish Gender History, University College Cork

Als Irland 1922 seine Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte, übergab das Land viele dieser Einrichtungen an die katholische Kirche. Nach der Geburt wurden die Frauen dort gezwungen, ihre Kinder zur Adoption freizugeben, und mussten unbezahlte Arbeit verrichten. Das letzte Heim schloss 1998.

"Sie nutzen ihre Position und ihren Status. In vielen Fällen wurde ihnen die Kontrolle über Gebäude übertragen, um diese Aufgaben auszuführen, auch schon sehr früh in den 1920er Jahren. Im Laufe der Zeit entwickelte der Staat ein Zahlungssystem. Wenn beispielsweise eine junge Frau ein außereheliches Kind bekam und sich an die örtlichen Behörden wandte, um Unterstützung zu erhalten, und wenn sie in einem dieser Heime untergebracht wurde, zahlte die örtliche Behörde eine Kopfpauschale an die Ordensgemeinschaften, die sich um sie "kümmerte."

Lindsey Earner- Byrne, Professorin für Irish Gender History, University College Cork

Eine unabhängige Kommission befasste sich mit 18 Einrichtungen und beschuldigte den Klerus des systematischen Missbrauchs und der Zulassung von klinischen Experimenten an Kindern ohne die Zustimmung ihrer leiblichen Mütter.

Viele Babys überlebten in diesen Heimen nicht. Trotz Aufforderung werden die Beerdigungsunterlagen nicht freigegeben.

Einige Regierungsmitglieder lobten die Ergebnisse der sechsjährigen Untersuchung, da sie mehr Licht in die geschlechtsspezifische Diskriminierung und eine zutiefst frauenfeindliche Kultur in Irland gebracht hätten. Viele Aktivisten und Überlebende kritisierten jedoch den Abschlussbericht und behaupteten, er spiegele nicht die wahren Erfahrungen vieler Überlebender wider und wiesen eine Reihe von Berichten im Abschlussbericht zurück.

"Ich denke, das ist einer der schlimmsten Aspekte dieses historischen Erbes, die Nachlässigkeit im Umgang mit den Daten der Menschen. Diese Menschen haben ein Recht auf ihre Daten wie alle anderen auch. Wir haben das Recht zu wissen, wann wir geboren wurden, wer uns entbunden hat, welche Krankheiten wir hatten und wann wir geimpft wurden. Und ich denke, das ist eine massive Quelle der Verzweiflung."

Lindsey Earner- Byrne, Professorin für Irish Gender History, University College Cork 

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Der irische High Court befand auch, dass die Kommission rechtswidrig vorgegangen war, sie gab den Überlebenden nicht die gleichen Rechte wie den religiösen und staatlichen Institutionen, sich zu den Entwürfen der Kommission zu äußern. Weiter enthält der Bericht keine Einzelheiten über Zwangseinkerkerung, Zwangsverheiratung und Zwangsadoptionen.

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