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Gemeinwohl geht vor: Gefährliches Gasfeld Groningen hat dicht gemacht

Das Erdgasfeld Groningen in der Abendsonne (Archivfoto)
Das Erdgasfeld Groningen in der Abendsonne (Archivfoto) Copyright AP Photo
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Von Fernande van Tets mit Euronews
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Das niederländische Erdgasfeld Groningen nahe Niedersachsen sorgte jahrzehntelang für staatliche Milliardenerlöse. Jetzt ist der Gashahn zugedreht worden, weil die Förderung serienweise Erdbeben verursachte.

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Addie Dost ist in diesem Haus im niederländischen Groningen aufgewachsen, dass seit einiger Zeit an der Außenwand Risse aufweist. Wegen der immer wieder vorkommenden Erdbeben ist es nicht mehr sicher. 

Die Erdstöße werden durch die Förderung von Gas aus dem 1959 entdeckten Groninger Gasfeld verursacht - dem größten seiner Art in Europa. Tausende Anlieger kämpfen um Entschädigung, denn bereits 3 000 Häuser waren so stark beschädigt, dass sie abgerissen werden mussten.

Addie Dost sagte im Euronews-Interview: "Sie haben gesagt, dass sie das Haus verstärken müssen. Also werden sie das tun. Sie sagten vor einiger Zeit, dass sie das tun würden. Aber die Verfahren dauern alle so lange und sind so kompliziert und kosten sehr viel Geld. Während die Zahlungen für die Häuser, für die Menschen, ewig dauern."

Der Rohstoffreichtum des Gasfeldes legte in der Vergangenheit den finanziellen Grundstein für den niederländischen Wohlfahrtsstaat.

Machiel Mulder, Professor für Energiewirtschaft an der Rijksuniversiteit Groningen, erläuterte: "Die Entdeckung des Groningen-Gasfeldes war für die niederländische Wirtschaft wirklich wichtig und ermöglichte uns jährliche Einnahmen von anfangs etwa 15 Milliarden Euro, also ein enormer Beitrag zur niederländischen Wirtschaft. Und der niederländische Staat hatte einen großen Anteil an diesen Einnahmen, etwa 80 Prozent dieser Einnahmen gingen an den niederländischen Staat und die Gesellschaft."

Seit Jahrzehnten herrscht Erdbebengefahr

Das erste Erdbeben ereignete sich 1986. Im Jahr 2012 verursachte ein Erdbeben der Stärke 3,6 massive Schäden und die öffentliche Meinung begann sich zu ändern. Eine parlamentarische Untersuchung Anfang dieses Jahres ergab, dass die Regierung der Gasförderung zu viel Bedeutung beigemessen hatte.

Mit Wirkung vom 1. Oktober ist das Groninger Gasfeld nun geschlossen. Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte besuchte am vergangenen Freitag betroffene Hasuhalte in der Region. 

Danach sagte Rutte: "Wir wissen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen den Erdbeben und der Gasförderung gibt. Zum Glück können wir auf das Groninger Gasfeld verzichten, deshalb ist es für die Sicherheit der Menschen so entscheidend, es zu schließen."

Hintertür für den Notfall

Eine Hintertür lässt man sich offen. Im Falle eines außergewöhnlich kalten Winters könnte das Feld ein letztes Mal angezapft werden.

Euronews-Korrespondentin Fernande van Tets kommentierte am Groninger Gasfeld:  "Diese Gasanlage hinter mir - von denen es in Groningen viele gibt - befindet sich auf dem riesigen Gasfeld und ist inzwischen größtenteils abgebaut. Die Anwohner hier sagen, dass es nicht so sehr die Erdbeben selbst waren, die ihnen solche Probleme bereitet haben, sondern vor allem die Reaktion der Regierung danach. Der Gashahn mag zugedreht sein, aber die Erdbeben werden diese Region noch viele Jahre lang plagen."

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