"Die Unendliche Geschichte" auf Italienisch: Elon Musk kommt zu Giorgia Melonis Fantasy-Party

Elon Musk wird dieses Wochenende an Giorgia Melonis Fantasy-Party "Atreju" in Rom teilnehmen.
Elon Musk wird dieses Wochenende an Giorgia Melonis Fantasy-Party "Atreju" in Rom teilnehmen. Copyright Euronews
Von Giulia Carbonaro
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Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Englisch

Elon Musk und VOX-Parteichef Santiago Abascal gehören zu den geladenen Gästen bei Ministerpräsidentin Giorgia Melonis bizarrer viertägiger Fantasy-Weihnachtsparty "Atreju", die die rechtskonservative Jugend Italiens feiert.

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In diesem Jahr wird Giorgia Melonis Weihnachtsfeier für junge Konservative, "Atreju" genannt, deutlich mehr Glanz haben als in den vergangenen 26 Jahren.

Damals, 1998, war Meloni in der italienischen Politik noch keine bekannte Persönlichkeit. Aber als Leiterin der römischen Sektion der Azione Giovani (der Jugendabteilung der inzwischen aufgelösten rechtsextremen Partei Alleanza Nazionale) rief sie eine landesweite Veranstaltung ins Leben, die der "konservativen Jugend" des Landes gewidmet war.

Die Veranstaltung wurde von Meloni nach Atreyu benannt, einer der Hauptfiguren des Fantasy-Films "Die unendliche Geschichte" von 1984.

Diejenigen, die Melonis Vorliebe für das Fantasy-Genre kennen, das sie stets durch ihre rechtsgerichtete Brille interpretiert, wird dieser Name nicht überraschen.

Ebenso wenig wie die Tatsache, dass sie auf die Idee zu Atreju kam, nachdem sie in den 1990er Jahren am Hobbit Camp teilgenommen hatte, einer Woodstock-ähnlichen Freizeitveranstaltung, die von der postfaschistischen Partei Movimento Sociale Italiano für junge Leute organisiert wurde, um die Bücher von J.R.R. Tolkien zu feiern.

Doch diese Ausgabe des rechtsgerichteten Fantasy-Festivals, das von Donnerstag, dem 14. Dezember, bis Sonntag, dem 17. Dezember, stattfindet und nun von Melonis Partei Fratelli d'Italia unterstützt wird, wird anders sein als die bisherigen Veranstaltungen.

Erstens steht Meloni nicht mehr am Rande der italienischen Politik, sondern an deren Spitze. Zweitens hat Melonis neue Rolle es ihr ermöglicht, einige hochkarätige Gaststars für ihre bizarre Veranstaltung mit Fantasy-Thema zu gewinnen, darunter den Tech-Milliardär Elon Musk und den Vorsitzenden der spanischen rechtsextremen Populistenpartei VOX, Santiago Abascal.

Worum geht es bei dem Festival?

Laut Piero Garofalo, Professor für italienische Studien an der University of New Hampshire in den USA, ist Atreju "weniger ein politischer Kongress als eine parteipolitische Veranstaltung". Das Festival, zu dem in diesem Jahr auch ein Weihnachtsdorf und eine Eisbahn gehören, bietet jugendorientierte Konzerte, Ausstellungen, Debatten und Humor und legt den Schwerpunkt auf das gesellige Beisammensein und nicht nur auf politische Gespräche.

Das Thema der diesjährigen Ausgabe lautet 'Bentornato orgoglio italiano' ('Willkommen zurück zum italienischen Stolz')", ein Titel, der perfekt zu Melonis Wahlprogramm und ständigem Mantra passt. Und obwohl die Veranstaltung ihren traditionell geselligen und heiteren Charakter beibehalten will, ist ihre politische Bedeutung in diesem Jahr unbestreitbar.

"Heute, mit dem politischen Aufstieg von Giorgia Meloni und den jüngsten Wahlerfolgen von Fratelli d'Italia, hat Atreju zunehmend an Bedeutung gewonnen, zumal man[früher schon] hochkarätige Gäste - wie den ungarischen Premierminister Viktor Orbán und den Donald-Trump-Berater Steve Bannon - gewinnen und die Aufmerksamkeit der Medien auf sich ziehen konnte", erklärt Garofalo gegenüber Euronews.

"Das Festival dient nun als Plattform, um Giorgia Melonis internationales Ansehen und die Integration der italienischen Rechten in die internationale Gemeinschaft zu präsentieren", fügte er hinzu.

Elon Musk wird diesen Samstag zu Gast bei Atreju in Rom sein. Der Tycoon folgte der Einladung von Ministerpräidentin Giorgia Meloni

Wer wird teilnehmen?

Die Gästeliste der Party ist ein "Who is Who" der europäischen und internationalen Rechten.

Zu den prominentesten Gästen gehören Elon Musk, der albanische Regierungschef Edi Rama und der Vorsitzende der rechtsextremen spanischen Partei VOX, Santiago Abascal.

Der britische Premierminister Rishi Sunak, "der mit Giorgia Meloni unorthodoxe Ansätze zur Bewältigung des Migrantenzustroms teilt, wird sich offenbar am Samstagmorgen während des Festivals mit Premier Meloni treffen, wenn auch nicht unbedingt auf dem Festival", so sie Einschätzung Garofalos.

Garofalo zufolge bedeutet die Teilnahme an Atreju aber nicht automatisch Solidarität mit oder Unterstützung für Giorgia Meloni.

"Zum Beispiel werden mehrere führende Mitglieder von Oppositionsparteien, darunter Matteo Renzi, Carlo Calenda, Angelo Bonelli und Michele Emiliano, ebenfalls am Festival teilnehmen, in der Hoffnung, Wählerstimmen zu gewinnen und auf sich aufmerksam zu machen", sagt er.

"Die Teilnahme ist in der Tat ein Zeichen für die zunehmende Bedeutung und Sichtbarkeit, die die Atreju-Plattform den Rednern verleiht. Abgesehen von den wahrscheinlich mehr als 100 000 Teilnehmern und der umfangreichen Medienberichterstattung in den nächsten vier Tagen (die zum großen Teil auf die prominenten Gäste zurückzuführen ist) ist Atreju jedoch kein Ereignis, das von der breiten Öffentlichkeit mit besonderem Interesse verfolgt wird, obwohl es in dieser Woche sicherlich im Mittelpunkt stehen wird", fügt er hinzu.

Bemerkenswert ist, dass Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission, Melonis Einladung zum Festival abgelehnt hat.

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Was hat es mit 'Die unendliche Geschichte' auf sich?

Die italienische Version des Namens Atreju ist eine Hommage an den Drachen reitenden Krieger, der 1979 in dem deutschen Fantasy-Roman "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende vorkommt.

Der Roman wurde 1984 ein Hollywood-Hit und spielte weltweit mehr als 100 Millionen Dollar an den Kinokassen ein. Besonders erfolgreich war er in Deutschland, wo fünf Millionen Menschen in die Kinos strömten, um den epischen Fantasy-Film zu sehen, der mit für die damalige Zeit bahnbrechenden Spezialeffekten aufwartete.

"Dieser Name wurde gewählt, weil die Fantasiefigur für die Organisatoren der Veranstaltung eine engagierte Jugend repräsentiert, die im ewigen Kampf zwischen Gut und Böse dem Nihilismus widersteht, um die Ideale zu bewahren", sagt Professor Garofalo.

Giorgia Meloni unterstrich die Bedeutung des Romans in einem Facebook-Post aus dem Jahr 2019 zum 40. Jahrestag seines Erscheinens: "Ein sehr bedeutender Roman, der meine Kindheit geprägt hat. Atrejus Kampf und Sieg gegen das Nichts, einen Feind, der versucht, die Phantasie der Jugend zu zermürben, indem er sie ihrer Werte beraubt, ist auch heute noch ein inspirierendes Symbol. Mit diesem Vorbild im Hinterkopf habe ich meine politische Leidenschaft immer weitergetragen!".

"Die unendliche Geschichte" und Atreyu sind bei weitem nicht die ersten Fantasy-Romane und -Helden, die Meloni für ihre politischen Zwecke vereinnahmt hat. Während ihrer langen Karriere hat sie oft J.R.R. Tolkiens "Der Herr der Ringe" erwähnt, der in diesem Jahr Gegenstand einer großen Ausstellung in Rom war.

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Zu Melonis Fantasy-Vorbildern gehören auch George R.R. Martins "Game of Thrones" und die Manga-Figur und der Weltraumpirat Captain Harlock.

In einer alten Tradition spielen

"Die Faszination für das Fantasy-Genre und dessen Aneignung durch die postfaschistische Rechte ist älter als Giorgia Meloni und taucht als erkennbares Phänomen im Italien der 1970er Jahre auf", erklärt Garofalo. "Die italienischen Nationalisten positionierten sich als eine kleine Gemeinschaft von Wahrheitshaltern, die sich gegen eine überwältigende, die Gesellschaft vernebelnde Macht stellen."

Fantasieerzählungen stellen laut Garofalo einen lebendigen Gegensatz und eine Ablehnung der modernen Welt dar, indem sie "die Kämpfe traditioneller Gesellschaften um die Bewahrung einer idealisierten Vergangenheit gegen die Bedrohung durch äußere Kräfte als edel darstellen".

In diesem Zusammenhang spielt Melonis Aneignung der Fantasiesymbolik im politischen Diskurs in diese Tradition hinein, "gerade weil sie eine teleologische Begründung für politische Handlungen liefert, deren unmittelbare Auswirkungen nicht erkennbar mit langfristigen Zielen in Verbindung gebracht werden können", so Garofalo.

"Wenn das Symbol real ist, ist auch das Endergebnis real. Wie Giorgia Meloni ja gesagt hat: 'Ich halte den Herrn der Ringe nicht für Fantasie'."

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