Die "Epstein Files" werfen neues Licht auf alte Kontakte: Steve Bannon suchte offenbar gezielt die Nähe zur AfD, traf Parteispitze und plante Netzwerke für Europas Rechte.
Die sogenannten "Epstein Files" könnten für die AfD zum Problem werden. In den vergangenen Wochen hat das US-Justizministerium weitere Dokumente aus den Ermittlungen rund um den 2019 verstorbenen Jeffrey Epstein veröffentlicht.
Aus zwei Chatverläufen, die dem rechten Medienunternehmer Steve Bannon zugeschrieben werden, geht hervor, dass dieser offenbar Einfluss auf die Politik der AfD angeboten haben soll. Bannon verhalf Donald Trump zu dessen erster Präsidentschaft und gehörte zeitweise als Chefstratege zum engsten Kreis des damaligen US-Präsidenten.
In einer offenbar am 10. März 2018 versendeten Nachricht schreibt Bannon: "Bin nun Berater für Front; Salvini/Lega; AfD; Schweizerische Volkspartei; Orbán; Land and Freedom; Farage – nächsten Mai sind EU-Wahlen – wir können von 92 auf 200 Sitze kommen – können jede Krypto-Gesetzgebung oder alles andere, was wir wollen, unterbinden." An wen die Nachricht gerichtet war, ist unklar. Der Name des Empfängers wurde geschwärzt.
Die AfD weist den Vorwurf der Einflussnahme zurück. "Steve Bannon hat zu keinem Zeitpunkt irgendeinen Einfluss auf unsere Partei ausgeübt, erst recht nicht zum Thema Kryptowährungen.", erklärte die AfD-Bundestagsfraktion auf Anfrage von Euronews. "Zu keinem Zeitpunkt hat ein Beratungsverhältnis oder gar ein Beratungsvertrag mit dem Bundesverband der Alternative für Deutschland (AfD) bestanden."
Dass es grundsätzlich Kontakte zwischen Bannon und der AfD gab, ist mehrfach belegt. Anfang März 2018, kurz vor dem Versand der Nachricht, traf Bannon die AfD-Co-Parteivorsitzende in Zürich, wie Euronews berichtete. Später lud die AfD-Bundestagsfraktion Bannon zu einem Besuch in den Bundestag ein, den dieser offenbar ablehnte.
"Steve Bannon ist dafür bekannt, dass er immer wieder Kontakte zur radikalen Rechten in Europa gesucht hat", sagte der Politikwissenschaftler Marcel Lewandowsky gegenüber Euronews. "Das sind oftmals punktuelle Kontakte, die man fast als Sondierungen bezeichnen kann, aber auch Fragen des gemeinsamen Vorgehens betreffen. Dass eine bereits seit Längerem wahlpolitisch erfolgreiche rechtspopulistische Partei dabei ins Visier gerät und eine Zusammenarbeit gesucht wird, ist folgerichtig."
CDU-Außenpolitiker Johannes Volkmann schrieb dazu auf X: "Es ist sicher nur Zufall, dass die AfD-MdEP in der darauffolgenden Wahlperiode gegen die MiCA-Verordnung zur Regulierung von Krypto-Werten stimmten."
In der Vergangenheit hatte Bannon mehrfach erklärt, die AfD unterstützen zu wollen. So sagte er dem Spiegel, er plane eine deutsche Version seines Podcasts "War Room", um das Wählerpotenzial der AfD zu erschließen. Zudem wollte er mit seinem Netzwerk "The Movement" rechtspopulistische Parteien im Vorfeld der Europawahlen stärken.