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Deutschland: Wachstum halbiert, vor allem der Staat investiert

Energiepreisschock weitet sich aus: Wirtschaftsinstitut halbiert Wachstumsprognose
Energiepreisschock weitet sich aus: Wirtschaftsinstitut halbiert Wachstumsprognose Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der Energieschock bremst das Wirtschaftswachstum weiter aus und treibt die Preise. Das Wirtschaftsinstitut DIW hat deshalb seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr halbiert. Die expansive Fiskalpolitik könne die Inflation zwar abfangen, aber nicht auffangen.

Die Erholung der deutschen Wirtschaft fällt kleiner aus als noch im Frühjahr erwartet. Zu diesem Schluss kommen Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie halbieren ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 0,5 Prozent.

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"Der Energiepreisschock bremst die Erholung spürbar", sagt DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. Man erlebe allerdings kein zweites 2022/23. In diesem Jahr hatte der großangelegte russische Angriffskrieg in der Ukraine begonnen. "Der Schock ist kleiner, die Energieversorgung ist noch gesichert, und Deutschland ist heute weniger abhängig von fossilen Importen als nach Beginn des Ukraine-Kriegs", erklärt Dany-Knedlik weiter.

"Dass die Wirtschaft in diesem Jahr überhaupt noch wächst, ist allein der öffentlichen Hand zu verdanken", macht die Konjunkturchefin deutlich. Private Haushalte schwächeln und auch Unternehmen zeigten sich zuletzt zurückhaltend. Die steigenden Staatsausgaben, beispielsweise durch die höheren Verteidigungsausgaben und das Sondervermögen, stützen hingegen das Wirtschaftswachstum.

Die Regierung korrigierte ihre Wachstumsprognose bereits in der Frühjahrsprojektion herunter. War man ursprünglich noch von einem Wachstum von 1,0 Prozent ausgegangen, erwartete man Ende April nur noch 0,5 Prozent Wachstum. Das entspricht auch dem Wert des Instituts der Weltwirtschaft (IfW). Die Bundesregierung schreibt allerdings ausdrücklich, dass auch der private Konsum weiterhin eine Stütze der Wirtschaft sei. Öffentliche Investitionen hingegen liefern wichtige Wachstumsimpulse.

Stabilität durch Rüstungsausgaben

Steigende Verteidigungsausgaben und – zeitlich verzögert – Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität geben der deutschen Wirtschaft Halt und sorgen in beiden Prognosejahren für leichtes Wachstum, argumentiert das DIW laut einer aktuellen Pressemitteilung.

"Die finanzpolitischen Impulse fangen den konjunkturellen Rückschlag aber nicht vollständig auf", ergänzt Dany-Knedlik. "Entscheidend ist, dass die Mittel aus den Sondervermögen zügig und tatsächlich zusätzlich abfließen und nicht nur ohnehin bereits geplante Investitionen finanzieren."

Weitere Probleme der deutschen Wirtschaft bezeichnet das DIW als "strukturell". Die Industrie ist nicht mehr so wettbewerbsfähig wie sie einmal war, insbesondere der Automobilsektor steht unter Druck. Auch hohe Produktionskosten und der demografische Wandel beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit. Laut DIW würden diese Faktoren das Wachstumspotenzial begrenzen und eine schnelle konjunkturelle Erholung, erschweren - unabhängig von der aktuellen geopolitischen Lage.

USA als Energieproduzent der Gewinner, Euroraum Verlierer

Während die USA als großer Energieproduzent weiter vergleichsweise solide Wachstumsraten von gut zwei Prozent erreichen werde, falle die Entwicklung im Euroraum deutlich schwächer aus, lautet die internationale Prognose des DIW.

Die USA gehören inzwischen zu den weltweit größten Exporteuren von Flüssigerdgas (LNG) und profitieren teilweise von höheren Gaspreisen, während Europa Energie importieren muss. Nach dem Wegfall russischer Gaslieferungen ging der erste Geschäftsweg nach Übersee.

Denn Europa selbst produziert nicht genug Energie und ist dahingehend abhängig von Importen. Damit verbundene Preisschocks würde die Wirtschaft und Kaufkraft belasten. Einen Mengenschock sieht das DIW nicht, die Versorgungssicherheit mit Öl und Gas sei demnach nicht gefährdet, insbesondere durch eine diversifizierte Aufstellung.

Besonders energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl und Papier leiden allerdings unter den steigenden Strom- und Gaspreisen. Dadurch ist Deutschland innerhalb Europas nach Annahmen des DIW stärker betroffen.

Expansive Fiskalpolitik federt Inflation ab, fängt sie aber nicht auf

Weil der Schock das Wachstum dämpft und die Preise gleichzeitig treibt, spricht Dany-Knedlik von einer "unangenehmen Situation". Bisher könne die expansive Fiskalpolitik insbesondere die höhere Inflation abfedern. Aufgegangen werde das gewünschte Wachstum dadurch allerdings nicht.

Auch für Verbraucher schlagen sich die höheren Energiekosten im Alltag nieder, für Heizung, Strom und Mobilität. Dadurch bleibt weniger Geld für den privaten Konsum übrig, wie das ifo Institut in seiner Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026 erklärt. Ob die Europäische Zentralbank am morgigen Donnerstag mit einer Erhöhung des Leitzinses gegensteuert, ist noch offen.

Ein Problem, da der Konsum derzeit laut Regierung als einer der wichtigen Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft gilt. Das DIW sieht das kritisch, das Wachstum sei allein der öffentlichen Hand zu verdanken.

Hinzu kommen strukturelle Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Beschäftigung werde demnach im verarbeitenden Gewerbe und im Handel mehr abgebaut, während sie im Öffentlichen Bereich konstant etwas aufgebaut wird. Der strukturelle Wandel hin zu Dienstleistungen sei sichtbar, insgesamt sinkt jedoch die Anzahl der Erwerbspersonen.

Arbeitgeber, Gewerkschaften und Koalitionsspitzen treffen sich heute im Kanzleramt, um über Reformen zu diskutieren. Unter anderem die Frage, was die zentralen Faktoren für die anhaltende strukturelle Wachstumsschwäche Deutschlands sind, sollten die Sozialpartner bereits im Vorhinein vorbereiten.

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