Exklusiv: Gasherde sind genauso giftig wie "Passivrauchen" für Kinder - Studie

Wer nicht ausreichend in seiner Küche lüftet, setzt sich laut einer Studie gefährlichen GIften aus.
Wer nicht ausreichend in seiner Küche lüftet, setzt sich laut einer Studie gefährlichen GIften aus.   -   Copyright  Kirsty Wigglesworth/AP
Von Joshua Askew

Durch Gasherde werden einer neuen Studie zufolge die Grenzwerte für Luftverschmutzung in Haushalten überschritten. Kinder laufen so ein größeres Risiko, gesundheitliche Probleme zu entwickeln.

Der Bericht der Nichtregierungsorganisation CLASP, der European Public Health Alliance (EPHA) und der niederländischen Organisation für angewandte wissenschaftliche Forschung (TNO) legt nahe, dass beim Kochen mit Gas ohne Belüftung die Stickstoffdioxidwerte (NO2) in Innenräumen regelmäßig die WHO-Luftqualitätsrichtlinien und die EU-Verschmutzungsstandards überschreiten.

Gasherde produzieren zudem Kohlenmonoxid, ultrafeine Partikel und andere Schadstoffe, die bei Kindern schwere gesundheitliche Folgen, insbesondere Lungenerkrankungen, verursachen können, so TNO.

Asthma-Risiko bei Kindern erhöht

Mehr als 700.000 Fälle von Asthma bei Kindern in der Europäischen Union (EU) im vergangenen Jahr seien auf das Kochen mit Gas zu Hause zurückgeführt worden, heißt es in dem Bericht. Diese Zahl entspricht etwa 7 Prozent aller Asthmafälle bei Kindern in der gesamten EU.

Etwa 100 Millionen Menschen in der EU verwenden Gasherde, darunter mehr als die Hälfte aller Haushalte in Italien, den Niederlanden, Rumänien und Ungarn.

Gesundheitsorganisationen befürchten, dass die Energiekrise in Europa diese Situation noch verschlimmern könnte, da die Menschen die Belüftung reduzieren, um Wärme und Geld zu sparen.

Gasherde und "Passivrauchen": Gleiche Menge an Schadstoffen

"Die Menschen verbringen den größten Teil ihrer Zeit in Innenräumen. Die Luftqualität in Innenräumen kann einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben", sagte Christine Egan, CEO von CLASP.

"Nur wenige Menschen sind sich der schädlichen Risiken bewusst, die von Gaskochern ausgehen - beim Kochen des Abendessens kann man so vielen Schadstoffen ausgesetzt sein wie beim Passivrauchen".

Gaskocher brauchen Gesundheitswarnungen wie Zigarettenschachteln.

"Gaskocher brauchen Gesundheitswarnungen wie Zigarettenschachteln", so Egan, die von EU-Abgeordneten fordert, die Gesundheitsrisiken zu berücksichtigen.

Die American Medical Association hat kürzlich festgestellt, dass Gasherde die Luftverschmutzung in Haushalten erhöhen und das Risiko - und den Schweregrad - von Asthma bei Kindern erhöhen.

Frühere Forschungen haben auch einen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Gas im Haushalt und der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kleinkindern sowie negativen Auswirkungen auf die Atemwege und das Nervensystem von Erwachsenen festgestellt.

Die Autoren des Berichts befürchten, dass die durch den Krieg in der Ukraine in die Höhe geschossenen Öl- und Gaspreise das Problem noch verschärfen könnten.

"Wir befürchten, dass die Luftqualität in Innenräumen in diesem Winter in Haushalten mit Gasherden besonders schlecht sein könnte, da die Menschen die Belüftung reduzieren und es vermeiden, die Fenster zu öffnen, um während der Energiekrise Wärme und Geld zu sparen", sagt EPHA-Generaldirektorin Dr. Milka Sokolović.

"Angesichts des geringeren Luftaustauschs mit der Außenluft wird es immer wichtiger, die Quellen der Luftverschmutzung in Innenräumen, wie etwa Gasherde, zu bekämpfen." 

Wer mit Gas kocht, sollte den Expertinnen und Experten zufolge, die Abzugshaube über dem Herd oder eine andere mechanische Belüftung immer anschalten, um zu verhindern, dass sich Schadstoffe in der Luft der Innenräume ansammelt.

Sollten die Regierungen vor den Gefahren von Gasöfen warnen?

Angesichts der Gesundheits- und Umweltschäden, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe verursacht werden, sieht Dr. Sokolović die Regierungen in der Verantwortung, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Haushalte bei der Umstellung von Gas auf "sauberes elektrisches" Kochen unterstützen könnten.

CLASP und EPHA sehen EU-Abgeordnete in der Pflicht, die Gesundheit zu berücksichtigen. Die derzeitigen nationalen Normen für Gasherde täten dies allerdings nicht.

Auch ein EU-Vertrag fordert die europäischen Gesetzgeber auf, bei ihren umweltpolitischen Maßnahmen den Schutz der menschlichen Gesundheit anstreben.

Neue Vorschriften werden für nächstes Jahr erwartet.

Die beiden Organisationen fordern, dass Gasherde im Rahmen der neuen Vorschriften schrittweise aus dem Verkehr gezogen werden.