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Geschützte Tiere wie Meeresschildkröten brauchen mehr Schutz

Mit Unterstützung von The European Commission
Geschützte Tiere wie Meeresschildkröten brauchen mehr Schutz
Copyright ARCHELON/Dimitris Maniatis
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Von Denis LoctierSabine Sans
Zuerst veröffentlicht am
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Uralte und langlebige Meeresbewohner wie Schildkröten, Delfine und Wale sind geschützte Tierarten. Der Mensch als ihre größte Bedrohung kann auch ihre Rettung sein.

Meeresschildkröten-Arten sind in den meisten Ländern streng geschützt – und trotzdem sind die Bestände aller Arten in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen.

Die größten Bedrohungen sind menschengemacht: Beifang, Plastikverschmutzung, ungewollter Beifang und der Klimawandel:

"Ich interessiere mich sehr für Meeresschildkröten! Es sind wilde Tiere aus der Zeit der Dinosaurier, und wir sehen sie immer noch Jahr für Jahr an denselben Stränden", sagt Michalis Souroulidis, Projektleiter für den westlichen Peloponnes bei ARCHELON"Ihre größte Bedrohung ist der Mensch. Wenn wir also ihre größte Bedrohung sind, dann können wir auch ihre größte Hilfe sein."

Jeden Morgen, mit den ersten Sonnenstrahlen, untersuchen die Teams der griechischen Organisation ARCHELON die Strände der Bucht von Kyparissia im Westen des Peloponnes. 

Sie ist das größte Nistgebiet für Meeresschildkröten im Mittelmeerraum und Teil des europäischen Ökonetzes "Natura 2000". Eine Schildkrötenspur führt zu einem neuen Nest. Die Naturschützer untersuchen es und decken es mit einem Metallgitter ab, um die Eier vor Hunden und andere Bedrohungen zu schützen.

Als ARCHELON vor 40 Jahren mit dieser Arbeit begann, zählte man etwa 600 Nester in diesem Gebiet. Die Arbeit scheint Früchte zu tragen, so Michalis Souroulidis:

"Im Moment haben wir 5000 Nester in einem Umkreis von 12,5 Kilometern. Das zeigt, wie wichtig unsere Arbeit hier ist."

Ohne menschliche Hilfe kein Überleben

Angesichts menschlicher Gefahren im Meer würden Schildkröten ohne menschliche Hilfe nicht überleben.

In Glyfada, in der Nähe von Athen, liegt das ARCHELON-Krankenhaus: ein Meeresschildkröten-Rettungszentrum. Dorthin werden verletzte und kranke Schildkröten aus ganz Griechenland gebracht. Aktuell gibt es 29 Patienten, von denen einige schwer verletzt sind. Ihre Behandlung erfordert jahrelange Anstrengungen von Veterinären, die von Dutzenden Freiwilligen aus verschiedenen Ländern unterstützt werden.

Meeresschildkröten sind eine geschützte Art. Doch für viele Schildkröten haben Begegnungen mit Plastikmüll, Fischereigeräten und mit feindseligen Fischern schlimme Folgen, wie Eirini Kasimati, Leiterin der Rettungsstation und Rehabilitationsbeauftragte von ARCHELON erzählt:

"Leider ist der Hauptgrund für die meisten Tiere, die wir aufnehmen, eine vorsätzliche Verletzung, hauptsächlich im Kopfbereich. Wir sehen auch häufig Narben oder Verletzungen im Bereich der Vorderflossen. Das bedeutet, dass sie sich in Fischernetzen verfangen haben, und bei dem Versuch der Menschen, sie herauszuholen, haben sie sie auch geschlagen. Das ist unentschuldbar. Wir haben Fälle, in denen sich Meeresschildkröten in Fischernetzen verfangen haben, sie haben Haken oder Angelschnüre verschluckt."

Es ist schwer zu sagen, wie genau die Schildkröten verletzt werden, aber es scheint, dass einige Fischer sie mit Gewalt aus ihren Netzen befreien, wenn sie sich darin verfangen haben. Das kann natürlich ihre Netze beschädigen und ist zeitaufwendig, aber es hat keinen Einfluss auf die Größe ihres Fangs.

Aufklärung ist ein wichtiges Ziel

Das Rettungszentrum ist offen für Besucher. ARCHELON ist auf private Spenden angewiesen und arbeitet mit internationalen Organisationen zusammen, darunter auch mit der EU. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Bewusstseinsbildung bei den Fischern: Meeresschildkröten sind keine Bedrohung für ihre Fänge. Über die ARCHELON-Website kann man Patienten adoptieren. Diese Unterstützung trägt dazu bei, dass sich die Schildkröten erholen und ins Meer zurückkehren können. 

"Jedes einzelne Tier, das wir behandeln, hat seine eigene Geschichte, hat einen ganz eigenen Gesundungs-Prozess durchlaufen", erklärt Eirini Kasimati. "Sie nach getaner Arbeit wieder in die Freiheit zu lassen, ist ein gutes Gefühl und die Krönung unserer Arbeit."

Meeresschildkröten gehören zu einer Reihe von langsam wachsenden und langlebigen Meerestieren, deren zukünftiges Überleben bedroht ist. Viele Meereslebewesen, die früher ohne Schutz auskamen, sind heute bedroht. 

Was gefährdet geschützte Arten, was kann der Mensch dagegen tun?

"Delfini Del Ponente" ist ein Verein im westlichen Ligurien, der Wale und andere Meerestiere überwacht. Entlang dieses Abschnitts der italienischen Küste nahe der französischen Grenze gibt es besonders viele Delfine und Wale. Um zur Erhaltung und Erholung dieser Populationen beizutragen, dokumentieren die Aktivisten akribisch jede Sichtung. Anhand der gesammelten Daten lassen sich Gebiete bestimmen, die möglicherweise stärker geschützt werden müssen. 

"Diese Küstentiere leben in einem Gebiet, das durch menschliche Aktivitäten wie Fischerei und Bootsverkehr stark beeinträchtigt wird", erklärt Elena Fontanesi, Vizepräsidentin von Delfini Del Ponente. "Um sie zu schützen, ist es wichtig, ihren Gesundheitszustand und ihre Populationszahlen zu ermitteln. Unter den Tieren, die wir beobachten und überwachen, weisen einige Spuren von Kollisionen mit Schiffsschrauben und Bootsmotoren auf. Es gibt auch Tiere, die versehentlich gefangen wurden oder Anzeichen vergangener Interaktionen zeigen, die sie überlebt haben."

Die spanische Organisation SUBMON hat in Zusammenarbeit mit lokalen Fischern Kameras an Fischernetzen im Norden Kataloniens angebracht, um zu sehen, was vor sich geht. Ähnliche Studien wurden auch im Mittelmeer und im Schwarzen Meer von Wissenschaftlern durchgeführt, die mit der Allgemeinen Fischereikommission für das Mittelmeer (GFCM) zusammenarbeiten.

Die Kamera-Aufnahmen zeigen, wie Delfine sich in Gefahr bringen, wenn sie versuchen, Fische aus Schleppnetzen fangen - ein Verhalten, das als "Plünderung" bezeichnet wird. Sie beschädigen die Netze und die teure Fischereiausrüstung. Einige Delfine jagen sogar in küstennahen Aquafarmen. Im Rahmen eines vierjährigen Projekts haben GFCM und ACCOBAMS eine Reihe von Delfinvergrämungsmitteln getestet, von akustischen "Pingern" bis hin zu reflektierenden CDs und Glasflaschen. Wie gut diese Methoden funktionieren, ist unklar. Wale verfangen sich in Netzen, kollidieren mit Fischereifahrzeugen, verletzen sich oder stranden - aber ein schnelles Eingreifen kann viele von ihnen retten. 

Zurück in Ligurien, am Strand von Imperia bei einer Schulung des europäischen Projekts "Life DELFI". Zu den Zielen gehört, ein Netzwerk von Rettungsteams zu schaffen, das sich aus verschiedenen Küstendiensten und Tierschutzgruppen zusammensetzt und jederzeit bereitsteht, gestrandeten Delfinen zu helfen. 

Nicola Pussini, Tierarzt beim IZSPLV: "Wir zählen jedes Jahr etwa 10 bis 15 gestrandete Delfine allein in der Region Ligurien. Wir zeigen, wie man sich einem gestrandeten Delfin nähert, was die ersten Rettungsmaßnahmen sind, wie zum Beispiel, Schatten für den Delfin zu schaffen, sein Verhalten zu beobachten und sich dem Tier sicher zu nähern."

Meerestiere weltweit sind mit wachsenden Bedrohungen konfrontiert - von den Auswirkungen der Fischerei über die Umweltverschmutzung bis hin zum Klimawandel. Mit gebündelten Kräften, wenn Aktivisten, Freiwillige, Wissenschaftler, Fischer und die Öffentlichkeit zusammenarbeiten, haben gefährdete Arten eine bessere Überlebenschance. Guido Pietroluongo, Veterinärmediziner für Naturschutz, Universität von Padua:

"Die Lösungen sind da, wir müssen sie nur umsetzen für die Erhaltung dieser außergewöhnlichen Tiere, die unsere Arbeit mit Freude und Glück erfüllt, um zukünftigen Generationen die Begeisterung für eine nachhaltige Zukunft zu vermitteln."

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