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Ludovic Tézier lässt Verdis düstere Oper "Simon Boccanegra" strahlen

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Ludovic Tézier lässt Verdis düstere Oper "Simon Boccanegra" strahlen
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Von Katharina Rabillon  & Sabine Sans

Er ist einer der großen Baritone unserer Zeit: der französische Bariton Ludovic Tézier. Er singt die Titelrolle von Verdis "Simon Boccanegra" an der Oper Zürich. Sie gehört nicht zu den populärsten Opern Giuseppe Verdis, ist aber ein packendes Drama voll von szenischen Kontrasten und aufwühlender Musik.

Ein berührendes Dama

Ein düsteres Drama aus Verdis Feder: "Simon Boccanegra". Der französische Bartion Ludovic Tézier verkörpert gefühlvoll die Titelrolle - des Dogen von Genua – der vom Außenseiter zum Staatschef aufsteigt, in einer Inszenierung von Andreas Homoki am Opernhaus Zürich.

"Der Weg zwischen der Garderobe und der Bühne ist eine Art leerer Raum zwischen zwei Welten, der Welt von Ludovic Tézier und der von Simon Boccanegra, es ist eine gewisse Leere", meint Ludovic Tézier. _"Mit dem ersten Schritt auf die Bühne schlüpft man in die Rolle, lässt sich von der Musik mitnehmen, und lässt sich ganz auf die Figur ein."
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Für den französischen Bariton ist Verdi ist ein brillanter, theatralischer Komponist: "Es steckt sehr viel Liebe in dieser Partitur, da bekommt man bei jeder Seite eine Gänsehaut", schwärmt der Opernsänger.

Aufwühlende Musik am Opernhaus Zürich

Ein Familiendrama vor dem Hintergrund politischer Spannungen: Verdis tragische Oper "Simon Boccanegra" erzählt die Geschichte eines Seefahrers, der zum Dogen von Genua wird. Regisseur Andreas Homoki: "Es gibt immer wieder dieses Leitmotiv bei Verdi, diese starken Väter und die Töchter. Und diese Verwerfungen in den Familien."

In Verdis Oper sind es die zerrütteten Familienstrukturen Boccanegras, der vom Tod seiner Geliebten erfahren muss, aber auch seine verlorene Tochter wiederfindet:

"Verdi hat seine Kinder verloren, als sie noch sehr jung waren", so Tézier. "Er ist immer auf der Suche nach diesen verlorenen Engeln und nach seiner Vaterschaft, die ihm das Schicksal gestohlen hat. Das ist sehr berührend, diese Suche, die Simon verkörpert."

Die düstere Oper erreicht ihren emotionalen Höhepunkt, als Simon Boccanegra seine verloren geglaubte Tochter wiedererkennt - ein Moment widersprüchlicher Gefühle, so die Sopranistin Jennifer Rowley:

"Obwohl es diese Spannung gibt und man sich umarmen möchte, halten wir uns beide zurück, denn es sind zu viele Gefühle auf einmal. Wir wollen innehalten, unseren Gefühlen auf den Grund gehen und eine Beziehung entwickeln."

Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer. Boccanegra wird vergiftet. Andreas Homoki:

"Er eröffnet dann eine Tür wie in ein Himmelreich, wie ein Trost. Er stirbt nicht naturalistisch, sondern er geht in eine andere Welt. Er geht in die Welt seiner Erinnerungen."

"Was für eine Musik! Ich empfinde viel Zuneigung für diesen Mann mit seinem bewegten Leben, für das Geschenk, das er uns allen gemacht hat, sowohl dem Publikum als auch uns Künstlern", so Ludovic Tézier. "Danke, Verdi!"