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Musik verändert Leben: Juan Diego Flórez gibt Perus Kindern eine Zukunft

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Musik verändert Leben: Juan Diego Flórez gibt Perus Kindern eine Zukunft
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Von Katharina Rabillon  & Andrea Buring

Musik kann das Leben verändern - das ist die Botschaft von Sinfonia por el Peru, eine Initiative von Juan Diego Flórez. In seiner Heimat Peru ermöglicht der Opernstar Tausenden Kindern kostenlosen Musikunterricht und bringt das Jugendorchester nun sogar nach Salzburg.

Ich hatte einen Traum. Ich hatte den Traum, benachteiligten Jungen und Mädchen in Peru zu helfen.
Juan Diego Flórez
Operntenor und Gründer von "Sinfonia por el Peru"

Gabriel Vera Correa lebt in Lima. Das Leben war nicht immer einfach für den 15-Jährigen. In der Schule habe man ihn gemobbt, weil er pummelig war, sagt seine Mutter Nelly Mercedes. Aber die Musik habe Gabriel geholfen, "seine Ängste zu verlieren, selbstbewusster zu sein und ihm das Gefühl gegeben, dass er alles, was er erreichen will, auch schaffen kann.“  

"Ich habe Musik schon immer gemocht und wollte immer etwas lernen, ein Instrument oder Gesang", erklärt Gabriel selber. "Ich wollte mit Geige anfangen, aber dann habe ich die Bratsche entdeckt und mich in dieses Instrument verliebt."

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Gabriel Vera Correa übt Bratsche.Euronews

Gabriel nimmt an dem Musikförderprojekt "Sinfonía por el Perú" teil. Das Programm gibt den am meisten benachteiligten Kindern Perus die Möglichkeit, ein Instrument zu lernen oder in einem Chor zu singen. 

Als er beschloss, Sinfonía por el Perú zu gründen, wollte er einen Ort  schaffen, an dem sich die Kinder und Jugendlichen sicher fühlen, sagt Opernstar Juan Diego Flórez. "Ein Ort, an dem sie sich entwickeln können, eine Ausbildung erhalten und Werte für ihr Leben finden."

Tausende Kinder üben in den núcleos von Peru

"Kannst du mir einen Rat geben, wie man Profi-Musiker wird?", will Gabriel von seinem großen Vorbild wissen. "Viel Üben, viel Glück und Durchhaltevermögen", lautet die Antwort von Flórez. Der berühmte Tenor besucht regelmäßig seine Heimat und wird dort fast schon wie ein Rockstar gefeiert. Tausende Kinder in ganz Peru üben täglich in einer der zahlreichen Musikschulen namens núcleo, die eigens für das Projekt gegründet wurden.

"Die Auswirkung von Sinfonia ist wunderbar. Es beeinflusst ihr Verhalten, ihre gesamte Entwicklung, nicht nur in Bezug auf die Musik, sondern auch in Bezug auf die Familie und auf die Gesellschaft", sagt der Koordinator der núcleos und Musiklehrer Luis Castillo.

Damals bedeutete Musik für ihn, ins Theater zu gehen, zu singen, alle applaudieren. Heute sieht Juan Diego Flórez noch mehr in der Musik. "Jetzt sehe ich Musik als einen Weg, die Welt zu verändern, die Gesellschaft zu verbessern, eine bessere Welt zu schaffen."

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Juan Diego Flórez mit Kindern seines MusikförderprojektsEuronews

Die Erfolge: weniger Gewalt in den Familien, viele Kinder wollen studieren

Jüngste Untersuchungen zeigen, dass das Musikförderprojekt die Kreativität, das Selbstvertrauen und den schulischen Erfolg erheblich gesteigert hat.

Kinderarbeit konnte unter den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen um 90 % reduziert werden. "Klar, weil sie in der Musikschule üben", sagt Juan Diego Flórez. Festzustellen sind außerdem 34% weniger Gewalt in den Familien und 75% weniger Teenagerschwangerschaften. 

Was Juan Diego Flórez jedoch am meisten beeindruckt hat, wie er sagt, ist die Tatsache, "dass so viele ein Universitätsstudium anstreben" - nämlich 29%. 

Diana Espinoza gehört zu denjenigen, die es auf die nächste Stufe geschafft haben. Die 18-Jährige studiert Flöte an der Musikhochschule in Lima. Rückblickend schätzt sie die Werte, die ihr Sinfonia mit auf den Weg gegeben hat.

"Ich habe Teamarbeit gelernt, das hat mir geholfen, Verantwortung zu übernehmen, zu wissen, dass ich organisiert sein und einen bestimmten Zeitplan haben muss. Und ich habe eine Leidenschaft für die Musik entwickelt. Ich will das mein ganzes Leben lang machen, im Orchester spielen und Berufsmusikerin sein.“ Diana ist auch Mitglied des Jugendorchesters von „Sinfonía por el Perú“, in dem nur die Besten aus den verschiedenen Musikschulen gemeinsam auftreten.

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Sie sind Teil des Musikförderprojekt "Sinfonía por el Perú"Euronews

Ein Traum wird wahr: Es geht nach Europa!

Juan Diego Flórez nimmt das Orchester mit auf eine einzigartige Reise zum bedeutendsten Festival für klassische Musik. 

"Es ist ein großartiges Gefühl, den Kindern von ‚Sinfonia por el Peru‘ und dem Jugendorchester nahe zu sein, mit ihnen zu arbeiten und intensiv mit ihnen für die Tournee zu proben, die wir in Europa machen, insbesondere für die Salzburger Festspiele. Ich bin so glücklich, mit ihnen zusammen zu sein, es ist wirklich toll", freut sich Flórez.

Noch ein letzter Test, ein Konzert im Gran Teatro Nacional in Lima, dann kann das Abenteuer losgehen. “Das Konzert in Salzburg ist so wichtig für sie, weil es das erste Mal ist, dass sie als ganzes Orchester unterwegs sind, so Flórez. Viele der Kinder und Jugendlichen sind das erste Mal in Europa.

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Juan Diego Flórez probt mit dem Jugendorchester von „Sinfonía por el Perú“Euronews

"Ich freue mich auf Salzburg und bin gespannt, weil ich dort auf viel mehr Leute treffen werde, die mögen, was ich mache", sagt  Gabriel Vera Correa. "Ich bin super aufgeregt, hier zu sein. Dies ist einer der besten Orte der Welt, um Musik zu machen."

Flötistin Diana Espinoza stellt sich schon vor, durch die kleinen Gassen von Salzburg zu laufen. "Zu wissen, dass Mozart dort war, dass Mozart dort gelebt hat und zu wissen, dass es die Wiege der Musik ist, durch die kleinen Straßen zu gehen, ich kann meine Gefühle gar nicht beschreiben." 

Man wolle in Europa nicht nur die 5.000 Kinder von Sinfonía por el Peru‘ repräsentieren, sondern ganz Peru und damit zeigen, dass Peru Talent habe. "Wenn sie in einem Orchester spielen, haben sie das Gefühl: 'Oh, ich bin jemand, ich werde anerkannt.' Stellen Sie sich vor, diese Kinder sagen jetzt: 'Ja, wir haben es geschafft. Nichts ist unmöglich'", blickt Flórez auf das, was vor ihnen liegt. 

Wie werden Gabriel, Diana und die anderen mit dem Druck umgehen, bei den legendären Salzburger Festspielen aufzutreten?

Das erfahren Sie in der nächsten Ausgabe von Musica am 20. Oktober 2022.

Cutter • Francois Rudolf

Weitere Quellen • Camera: Fabian Welther, Sebastian Wunderlich, Sebastian Richter, Rodrigo Galdos, Jose Vidaurre