Cecilia Bartoli: "Das Geheimnis ist die Leidenschaft"

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Von Katharina Rabillon
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Cecilia Bartoli hat uns zu einem exklusiven Blick hinter die Kulissen eingeladen. Musica begleitet die Mezzosopranistin bei Konzerten, zusammen mit ihrer Mutter und bei ihrer neuen Rolle als Direktorin der Opéra de Monte-Carlo.

Sie ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen unserer Zeit, die immer wieder Grenzen auslotet: die italienische Mezzosopranistin Cecilia Bartoli. Sie hat uns zu einem exklusiven Blick hinter die Kulissen eingeladen. In Florenz sind wir bei ihrem Auftritt im Maggio Musicale Fiorentino dabei: Dort hat sie die  Händel-Oper "Alcina" gesungen. Wir trafen sie auch mit ihrer Mutter. Die beiden stehen sich sehr nahe, ihre Mutter hat ihr alles über das Singen beigebracht. In Valencia trat sie mit ihrem historischen Ensemble "Les Musicien du Prince" auf. Bartoli ist berühmt für ihre einzigartigen Konzerte, wir durften eines davon filmen. "Farinelli und seine Zeit". Und schließlich zeigen wir sie in ihrer neuen Rolle als Leiterin der Oper von Monte-Carlo, sie ist die erste Frau an der Spitze dieses Opernhauses. Sie eröffnete ihre erste Saison und sang auf der Bühne "Alcina".

Cecilia Bartoli: vielseitige Künstlerin

Cecilia Bartoli hat uns zu einem exklusiven Blick hinter die Kulissen eingeladen. 

"Das Geheimnis ist die Leidenschaft bei allem. Das ist das Wichtigste: Vision und Leidenschaft."
Cecilia Bartoli

Florenz ist die Wiege der Oper, ein kulturelles Zentrum seit der Renaissance. Dort treffen wir eine der größten Künstlerinnen unserer Zeit: Cecilia Bartoli. Für sie ist die Stadt am Arno eine "magische, eine wunderbare Stadt". Sie schwärmt: "Die erste Oper wurde genau hier, in Florenz, gesungen."

 Jacopo Peri und Ottavio Rinuccini, Mitglieder der Florentiner Camerata, veröffentlichten 1598 "La Dafne", die heute als erste Oper der Musikgeschichte gilt.

Die legendäre italienische Mezzosopranistin singt das barocke Meisterwerk "Alcina" von einem ihrer Lieblingskomponisten Georg Friedrich Händel am Teatro del Maggio Musicale Fiorentino.

Sie wird von ihrer Mutter Silvana Bazzoni Bartoli begleitet, die ihr die Leidenschaft für Musik vererbt hat. Benannt nach der Schutzheiligen der Musik, war Cecilia immer von Musik umgeben:

"Der Anfang war ganz natürlich, denn meine Mutter sang, als sie mit mir schwanger war. Vielleicht war es sogar fast selbstverständlicher, im Haus zu singen als zu sprechen", erzählt die Mezzosopranistin. Die beiden verbindet eine enge Beziehung: 

"Ich habe schon als sie Kind war, gemerkt, dass sie sehr musikalisch ist", erinnert sich Silvana Bazzoni Bartoli.  "Mir fiel es leicht, die hohen Töne zu singen, ich brachte ihr das bei. Ihre Stimme war von Natur aus beweglich. Wenn ich Klavier spielte, konnte ich kaum mit ihr mithalten. Ihre Stimme lief mir davon."

Auch Cecilia Bartoli erinnert sich: "Aber sie war auch klug. Sie lehrte mich diese solide Technik, die es mir ermöglichte und ermöglicht, 35 Jahre lang zu singen. Und das tue ich immer noch."

Cecilia Bartoli: internationale Karriere mit mehr als 10 Millionen verkauften Alben und DVDs

Die in Rom geborene Sängerin startete eine einmalige internationale Karriere. Sie ist auch für ihre herausragenden Aufnahmen bekannt, von denen sie mehr als 10 Millionen Alben und DVDs verkauft hat - mehr als jeder andere Klassik-Künstler.

2016 verwirklichte Cecilia Bartoli einen Herzenswunsch: Sie gründete ihr eigenes Orchester mit historischen Instrumenten - "Les Musiciens du Prince", das den Klang der Barockzeit widerspiegelt.

"Mittlerweile sind wir ein Team geworden, ein bisschen wie eine Familie", erzählt Chefdirigent Gianluca Capuano. "Wir verstehen uns musikalisch. Ein Blick genügt, von Cecilia oder von uns."

"Wie der Maestro sagt, wir kennen uns bei den Musiciens du Prince, wir atmen zusammen, und das ist wirklich grundlegend: zusammen atmen und Musik machen ist das Geheimnis", fügt Cecilia Bartoli an.

Und Gianluca Capuano weiter: _"Wir spielen Instrumente, Kopien von Instrumenten, die zur Zeit des Komponisten verwendet wurden._Es ist eine Rückbesinnung auf den Klang, den die Zeitgenossen des Komponisten gehört haben."

Cecilia Bartoli: die Musikarchäologin

Den Meisterwerken gerecht zu werden, ist für Cecilia Bartoli eine Herzensangelegenheit. Sie ist auch eine leidenschaftliche Musikarchäologin. In Bibliotheken hat sie längst vergessene Komponisten und Meisterwerke ausgegraben:

"Das ist die Neugierde. Das habe ich großen Musikern zu verdanken, die selbst die Neugier hatten, sich auf die Suche nach einem bestimmten Repertoire zu begeben, und die mir diese Lust am Forschen weitergegeben haben. Ich glaube, dass es immer noch Musik zu entdecken gibt, die wir heute nicht kennen, und dass es sich auf jeden Fall lohnt."

Besonderes Interesse weckte bei ihr das Repertoire, das ursprünglich für die Stimme von Kastraten komponiert war. Einigen dieser Meisterwerke leiht sie ihre Stimme:

"Das Farinelli gewidmete Programm ist etwas Besonderes. Man muss sich in das XVIIIᵉ Jahrhundert hineinversetzen. Farinelli war der große Popstar. Er hatte eine vielseitige Stimme. Er konnte wunderbare Dinge damit tun, er hatte eine Sanftheit, eine große Beweglichkeit, es war wie ein Feuerwerk der Stimme. Er konnte mit den Instrumenten des Orchesters in Dialog treten."

"Cecilia ist deshalb so einzigartig, weil bei ihr alles natürlich ist. Und sie hat das Privileg der Besten, nämlich die Natürlichkeit. Wenn sie hereinkommt, fängt sie automatisch das Licht ein, jedes Mal, wenn wir ein Stück zusammen spielen, erschaffen wir es neu. Wir sind in der Magie des Augenblicks im Konzert. Kein Konzert ist wie das andere. Das macht den Zauber aus, und er hat sich über all die Jahre erhalten."
Jean-Marc Goujon
Flötist beim "Musicien du Prince"

Cecilia Bartoli: die Frau an der Spitze

Anfang Januar hat Cecilia Bartoli ein neues Kapitel in ihrer atemberaubenden Karriere aufgeschlagen. Sie steht nicht nur auf der Bühne, sondern zieht jetzt auch hinter den Kulissen die Fäden: Cecilia Bartoli ist die neue Direktorin der Opéra de Monte-Carlo. Sie ist die erste Frau an der Spitze des Hauses.

"Ich leite das erste Mal ein Theater. Bisher habe ich ein Festival in Salzburg geleitet, ein sehr wichtiges Festival, die Pfingstfestspiele", erzählt Cecilia Bartoli. _"_Aber ein Theater zu leiten, ist etwas anderes."

"Das Geheimnis dabei ist die Leidenschaft bei allem. Das ist die wichtigste Zutat, eine Vision zu haben und die Leidenschaft."
Cecilia Bartoli

Cecilia Bartolis neue künstlerische Heimat ist ein architektonisches Juwel von Charles Garnier, dem Baumeister der Pariser Oper, eröffnet 1879:

"Sobald man eintritt, spürt man sofort diese unglaubliche Tradition. Es ist wunderschön. Es ist ein magischer Ort", schwärmt die neue Direktorin. 

Für ihre erste Saisoneröffnung hat sie den weltberühmten französischen Countertenor Philippe Jaroussky eingeladen. 

"Es ist eine Freude, hier zu sein", schwärmt der "König seines Fachs". "Ich hoffe, wir werden weiter etwas zusammen machen." Und erzählt weiter: Ich habe schon mit Cecilia gesungen, bevor ich sie kennengelernt habe. Und dabei bin ich wahrscheinlich nicht der einzige Sänger. Es war in der Tat ein ästhetischer und emotionaler Schock, als ich ihre Alben entdeckte. Ich hätte mir nie vorstellen können, mit ihr gemeinsam auf der Bühne zu stehen."

"Wir haben auch viel Spaß, wenn wir zusammen spielen. Die Chemie zwischen den Sängern stimmt. Für sie gibt es bei uns den Willen, über sich hinauszuwachsen, ihrem Vertrauen gerecht zu werden, ganz einfach. Und sich dann von dem inspirieren zu lassen, was sie vorschlägt und das ist auf jeden Fall einmalig in der Geschichte der Musik."
Philippe Jaroussky
Countertenor

Cecilia Bartoli hat ehrgeizige Pläne für ihre Amtszeit: Sie will das Publikum auf eine musikalische Reise durch drei Jahrhunderte mitnehmen. Ihre Leidenschaft für die Bühne bleibt dabei ungebrochen. 

"Auf der Bühne zu stehen, ist unvergleichlich. Dafür gibt es keine Worte. Die Zeit steht still. Jeder hält den Atem an. Man wird in eine andere Dimension versetzt. Man kann sogar von einem heiligen Moment sprechen", so die Bartoli. "Wir müssen uns auf die Moderne ausrichten, auf die Zukunft, aber dabei die Vergangenheit nicht aus den Augen verlieren. Der Traum ist, weiterhin schöne Musik zu machen, diese Leidenschaft fortzusetzen und sie zu teilen."

Weitere Quellen • Sabine Sans

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