Nach Pandemie und Grippewelle: Medikamentenmangel in der EU

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Von Aida Sanchez Alonso
Teilweise leere Regale in einer Apotheke
Teilweise leere Regale in einer Apotheke   -   Copyright  Leon Keith/AP

Die Europäische Union leidet unter Arzneimittelknappheit. Antibiotika wie Amoxicillin oder Arzneimittel zur Linderung von Erkältung, Grippe und anderen Atemwegsinfektionen sind einige der am stärksten betroffenen Medikamente, heißt es offiziell in Brüssel.

Die Situation wird in den meisten europäischen Ländern als kritisch angesehen, dennoch raten Experten den Bürgern, keine Vorräte anzulegen. Die Gründe für den Mangel sind vielfältig.

Hauptursache seien der starke Anstieg der Nachfrage aufgrund von mehr Atemwegsinfektionen zusammen mit unzureichender Produktionskapazität, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Da diese Produkte auf nationaler Ebene zugelassen seien, ergriffen die zuständigen Behörden bereits Gegenmaßnahmen.

Einige dieser Maßnahmen umfassen den Verkauf des generischen Äquivalents oder eines ähnlichen Arzneimittels. In einigen Ländern werden sogar Tabletten in Sirupe umgewandelt, damit Kinder sie einnehmen können.

Die Verfügbarkeit von pädiatrischen Formeln sei im Allgemeinen geringer als die von gewöhnlichen Tabletten, heißt es bei der Europäischen Arzneimittelagentur. Bei Infektionen sei der Druck auf die Verfügbarkeit von Mitteln für Kinder höher als für Erwachsene.

In Spanien etwa stieg der Medikamentenmangel binnen eines Jahres um 38 Prozent an. Hauptsächlich aufgrund von Inflation, hohen Energiepreisen, einer Rohstoffkrise oder den Auswirkungen der Pandemie. Aber was kann die Europäische Union tun, wenn das Problem global ist?

Europa brauche Diversifizierung, sagt Ilaria Passarani, die Generalsekretärin der Pharmazeutischen Gruppe, die in Europa Apotheker vertritt. Es wäre sinnvoll, die Produktion einiger pharmazeutischer Wirkstoffe nach Europa zurückzubringen, auch wenn es unrealistisch sei. die gesamte Produktion in der EU zu haben. Dies brächte Herausforderungen für die Preisgestaltung mit sich, da sich Drittländer bei der Produktion nicht unbedingt an die EU-Standards hielten.

Im März will die EU-Kommission eine neue Arzneimittelgesetzgebung vorschlagen, die strengere Verpflichtungen zur Deckung der Versorgung, frühere Benachrichtigungen über Engpässe und Rücknahmen sowie eine verbesserte Transparenz der Lagerbestände enthalten soll.