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Eine herkömmliche Erkältung kann gegen Covid-19 schützen - Studie

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Von Tom Bateman
Die natürliche Reaktion des Körpers auf eine Erkältung kann einer neuen Studie zufolge helfen, COVID-19 zu bekämpfen - aber man sollte sich trotzdem impfen lassen.
Die natürliche Reaktion des Körpers auf eine Erkältung kann einer neuen Studie zufolge helfen, COVID-19 zu bekämpfen - aber man sollte sich trotzdem impfen lassen.   -   Copyright  Getty Images via Canva

Eine herkömmliche Erkältung könnte dem Körper helfen, sich gegen COVID-19 zu verteidigen und vor einer Infektion zu schützen.

Forscher fanden heraus, dass die T-Zellen, die der Körper zur Bekämpfung der Erkältung - die wie COVID-19 auch durch Coronaviren verursacht werden kann - produziert, das Virus erkennen und angreifen können.

T-Zellen sind weiße Blutkörperchen, die einen wichtigen Teil des Immunsystems bilden.

"Wir haben herausgefunden, dass eine hohe Anzahl bereits vorhandener T-Zellen, die der Körper bei der Infektion mit anderen humanen Coronaviren wie der Erkältung bildet, vor einer COVID-19-Infektion schützen kann", so Studienautorin Dr. Rhia Kundu vom Imperial College London.

Die Ergebnisse der unabhängig überprüften Studie, die am Montag in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, könnten auch der Schlüssel zur Entwicklung der nächsten Generation von Impfstoffen gegen aktuelle und zukünftige COVID-19-Varianten sein, so die Forscher.

Zwar könne eine hohe Anzahl bereits vorhandener T-Zellen das Risiko vermindern, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken, so die Autoren. Niemand sollte sich aber darauf verlassen, dass eine Erkältung vor einer Coronavirus-Infektion schützt - nicht zuletzt, weil nicht alle Erkältungen durch Coronaviren verursacht werden.

"Ich möchte betonen, dass man sich nicht allein darauf verlassen sollte. Stattdessen ist der beste Schutz gegen COVID-19 eine vollständige Impfung, einschließlich einer Auffrischungsimpfung", so Kundu.

Schutz durch T-Zellen

Für die in Großbritannien durchgeführte Studie des Imperial's National Heart and Lung Institute wurden 52 Teilnehmerinnen und Teilnehmern Blutproben entnommen, nachdem sie zu Hause mit COVID-19 in Kontakt gekommen waren.

Die Analyse der Proben ergab, dass die 26 Probandinnen und Probanden, die sich nach der Exposition mit dem Virus infiziert hatten, geringere Mengen an "kreuzreaktiven" T-Zellen aufwiesen als die 26 Personen, die nach der Exposition nicht an COVID-19 erkrankten.

Der Grund für die Wirksamkeit der kreuzreaktiven T-Zellen liegt in der Art und Weise, wie sie das Virus angreifen, so die Forscher.

AFP PHOTO /NATIONAL INSTITUTES OF HEALTH/NIAD-RML/HANDOUT
Das Spike-Protein ist der Teil des Virus, der sich an menschliche Zellen anheftet und diese infiziertAFP PHOTO /NATIONAL INSTITUTES OF HEALTH/NIAD-RML/HANDOUT

"Diese T-Zellen bieten Schutz, indem sie Proteine innerhalb des Virus angreifen und nicht das Spike-Protein auf seiner Oberfläche", sagte Professor Ajit Lalvani, Hauptautor der Studie.

Im Vergleich dazu fördern die derzeitigen COVID-19-Impfstoffe eine Immunreaktion, die auf das Spike-Protein des Virus abzielt, also auf den Oberflächenteil des Virus, der mit den Zellen in unserem Körper interagiert.

Wie die Omikron-Variante gezeigt hat, können Mutationen im Spike-Protein die Wirksamkeit der aktuellen Generation von COVID-19-Impfstoffen verringern.

"Im Gegensatz dazu mutieren die internen Proteine, auf die die von uns identifizierten schützenden T-Zellen abzielen, viel weniger. Folglich sind sie zwischen den verschiedenen SARS-CoV-2 (COVID-19)-Varianten, einschließlich Omikron, sehr konserviert", so Lalvani.

"Neue Impfstoffe, die diese konservierten, internen Proteine enthalten, würden daher breit schützende T-Zell-Antworten hervorrufen, die vor aktuellen und zukünftigen SARS-CoV-2-Varianten schützen sollten", fügte er hinzu.

Die Forscher erklärten, ihre Studie sei der "bisher deutlichste Beweis" dafür, dass T-Zellen, die bei einer Erkältung gebildet werden, bei der Bekämpfung von COVID-19 helfen könnten. Aufgrund der geringen Zahl der Teilnehmer, von denen 88 Prozent weiße Europäer waren, konnten sie jedoch nicht modellieren, ob Menschen aus anderen demografischen Gruppen dieselbe Wirkung erfahren würden.

Ähnliche Ergebnisse aus Berlin

Ende August 2021 teilte das Berlin Institute of Health in der Charité gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für molekulare Genetik ähnlicher Erkenntnisse. Es bestehe eine sogenannte Kreuzimmunität durch Gedächtnis-Immunzellen, die den Erreger von SARS-CoV-2 erkennen, hieß es in einer Pressemitteilung.

Für die Studie wurden die Daten von rund 800 Menschen ausgewertet und regelmäßig daraufhin überprüft, wie eine Infektion und das vorhandensein von T-Zellen sich auf ihre Immunabwehr auswirkte.

Die Kreuzimmunität nimmt nach Angaben der Forschenden aus Berlin mit zunehmendem Alter ab, was schwere Krankheitsverläufe bei älteren Menschen erklären könnte.