Diese beeindruckenden Bilder hat das James-Webb-Teleskop 2022 gemacht

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Von Giulia Carbonaro  & Euronews  mit AP
Tarantel-Nebel aufgenommen vom James Webb Teleskop
Tarantel-Nebel aufgenommen vom James Webb Teleskop   -   Copyright  AP Photo

Vor einem Jahr ist das James-Webb-Weltraumteleskop gestartet und inzwischen hat es uns atemberaubende Bildern aus dem All geschickt.

Was das Teleskop zeigt, würde unser bloßes Auge niemals sehen: Auf seiner Reise durch Licht und Raum kann James Webb die Ursprünge des Universums erkennen - etwas, das unser Verstand kaum zu begreifen vermag.

Die ersten Bilder, die das super leistungsstarke Teleskop am 12. Juli veröffentlichte, wirken wie eine Zeitmaschine und zeigen uns ferne Galaxien, das Sterben von Sternen und die Atmosphäre von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems.

Die Säulen der Schöpfung

Das James-Webb-Teleskop hat ein sehr detailliertes Bild der ikonischen Säulen der Schöpfung aufgenommen, die durch die Aufnahmen des Hubble-Teleskops der NASA aus dem Jahr 1995 berühmt wurden und in denen sich neue Sterne in dichten Wolken aus Gas und Staub bilden.

Die dreidimensionalen Säulen sehen aus wie Gesteinsformationen, sind aber viel durchlässiger. Diese Säulen bestehen aus kühlem interstellarem Gas und Staub, die im nahen Infrarotlicht bisweilen halbtransparent erscheinen.

Aufbauend auf Bildern aus den Jahren 1995 und 2014 wird Webbs neuer Blick auf die Säulen der Schöpfung den Forschern helfen, ihre Modelle der Sternentstehung zu überarbeiten, indem sie die Anzahl der neu entstandenen Sterne sowie die Gas- und Staubmengen in der Region viel genauer bestimmen können.

Space Telescope Science Institute Office of Public Outreach/Public
Aufnahmen von Hubble Space Telescope 2014, (links) und by NASA James Webb Telescope 2022Space Telescope Science Institute Office of Public Outreach/Public

Am 28. Oktober veröffentlichte die NASA ein zweites Bild der Säulen der Schöpfung, diesmal aus der Sicht von Webbs Mittelinfrarot-Instrument (MIRI). Und es ist eindringlich - in den Worten der NASA macht diese außergewöhnlich staubige Darstellung das Bild sowohl düster als auch "unheimlich".

Das liegt daran, dass das Licht des mittleren Infrarots besonders gut erkennen lässt, wo sich Staub befindet, und dass bei diesen Wellenlängen die meisten Sterne in der Umgebung nicht hell genug sind, um sichtbar zu werden.

"Stattdessen schimmern diese bedrohlichen, bleiernen Säulen aus Gas und Staub an ihren Rändern und weisen auf die Aktivität in ihrem Inneren hin", erklärt die NASA.

NASA, ESA, CSA, STScI, Joseph DePasquale (STScI), Alyssa Pagan (STScI)
Pillars of CreationNASA, ESA, CSA, STScI, Joseph DePasquale (STScI), Alyssa Pagan (STScI)

Der Tarantelnebel

Der Tarantelnebel befindet sich in 161.000 Lichtjahren Entfernung in der Großen Magellanschen Wolke. Seinen Namen hat er von den langen staubigen Fäden, die auf älteren Bildern an Spinnenbeine erinnern.

Das James-Webb-Teleskop hat die stellare Kinderstube jedoch in einer neuen Klarheit eingefangen und zeigt Zehntausende von jungen Sternen, die zuvor von kosmischem Staub umhüllt waren, wie nie zuvor.

NASA, ESA, CSA, STScl, and Webb ERO Production Team via AP
Tarantula oder Tarantel-Nebel aufgenommen von James Webb TeleskopNASA, ESA, CSA, STScl, and Webb ERO Production Team via AP

Ikonische Phantom-Galaxie

Ein weiteres atemberaubende Bild zeigt die so genannte Phantomgalaxie (M74). Die Fähigkeit von Webb, Licht längerer Wellenlängen zu erfassen, ermöglicht es den Wissenschaftlern, Sternentstehungsgebiete in Galaxien wie dieser zu lokalisieren.

Das Bild zeigt Gas- und Staubmassen in den Armen der Galaxie und eine dichte Ansammlung von Sternen in ihrem Kern.

ESA/Webb, NASA & CSA, J. Lee and the PHANGS-JWST Team
Phantom GalaxyESA/Webb, NASA & CSA, J. Lee and the PHANGS-JWST Team

Jupiter und seine Monde

NASA-Wissenschaftler haben auch neue Aufnahmen des größten Planeten des Sonnensystems veröffentlicht und beschreiben die Ergebnisse als "ziemlich unglaublich".

Das James-Webb-Teleskop hat die Fotos im Juli aufgenommen und dabei noch nie dagewesene Ansichten von Jupiters Nord- und Südlicht sowie des wirbelnden polaren Dunstes eingefangen. Jupiters Großer Roter Fleck, ein Sturm, der so groß ist, dass er die Erde verschlucken könnte, sticht neben unzähligen kleineren Stürmen hell hervor.

AP Photo
Jupiter aufgenommen von James WebbAP Photo

Die Cartwheel-Galaxie

Die neuesten Bilder kommen nur wenige Wochen nach einer anderen Serie von Bildern, die das James-Webb-Team aufgenommen hat und die uns die Cartwheel-Galaxie in größerer Tiefe zeigen und uns einen weiteren Schritt in unserem Verständnis des Universums bringen, indem sie uns zeigen, was nach der Kollision zweier Galaxien passiert.

Das Teleskop hat mit seinen Infrarotkameras durch den kosmischen Staub, der bei der Kollision entstanden ist, hindurchgeschaut und uns gezeigt, wie sich die Cartwheel-Galaxie nach dem Zusammenstoß mit einer anderen kleineren Galaxie vor Milliarden von Jahren verändert.

NASA, ESA, CSA, STScI, Webb ERO Production Team
Die Cartwheel-GalaxieNASA, ESA, CSA, STScI, Webb ERO Production Team

Wissenschaftler vermuten, dass die Cartwheel-Galaxie, eine über 500 Millionen Lichtjahre von unserem Planeten entfernte Ringgalaxie, die ihren Namen dem hellen inneren und dem bunten äußeren Ring verdankt, einst Teil einer großen Spirale wie der Milchstraße war, bevor eine andere Galaxie sie durchschlug.

Das ganze Aussehen der Galaxie, das die Wissenschaftler an das Rad eines Wagens erinnert, ist laut NASA auf diese Hochgeschwindigkeitskollision zurückzuführen. Vom Zentrum der Kollision aus haben sich die beiden Ringe der Galaxie nach außen ausgedehnt, wodurch die seltene Ringform entstand.

Noch nie zuvor war es Wissenschaftlern möglich, das Chaos der Cartwheel-Galaxie klar zu durchschauen und zu begreifen.

Das 10 Milliarden Dollar (9,4 Milliarden Euro) teure Nachfolgemodell des Hubble-Weltraumteleskops der NASA und der Europäischen Weltraumorganisation ist am 25. Dezember 2021 gestartet und beobachtet seit dem Sommer den Kosmos im Infrarotbereich.

Die Wissenschaftler hoffen, mit Webb die Anfänge des Universums zu betrachten und bis zu der Zeit zurückzublicken, als sich die ersten Sterne und Galaxien vor 13,7 Milliarden Jahren bildeten.

Das Observatorium befindet sich 1,6 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.