Was ist "Sharenting" und warum will Frankreich dagegen vorgehen?

#TheCube berichtet über "Sharenting" auf sozialen Netzwerken
#TheCube berichtet über "Sharenting" auf sozialen Netzwerken Copyright Euronews
Copyright Euronews
Von Sophia Khatsenkova
Diesen Artikel teilenKommentare
Diesen Artikel teilenClose Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopierenCopy to clipboardCopied

Unzählige Eltern teilen Bilder und Videos ihres Nachwuchses online. In Frankreich soll das sogenannte "Sharenting" schon bald Konsequenzen nach sich ziehen.

WERBUNG

Es genügt, das Wort "Kind" oder sogar "#MumTok" bei sozialen Netzwerken wie TikTok einzugeben, um unzählige Posts von Eltern zu finden, die Videos und Fotos ihrer Kinder teilen.

Dieser Trend, sein Kind in den sozialen Medien zu posten, hat einen Namen: "Sharenting", eine Wortschöpfung aus "Share" ("Teilen") und "Parenting" ("Elternschaft").

In Frankreich wollen Parlamentarier dem Phänomen einen Riegel vorschieben. Derzeit wird in der französischen Nationalversammlung ein Gesetzentwurf gegen "Sharenting" diskutiert. Eine der Passagen sieht vor, dass Eltern für die Datenschutzrechte ihrer Kinder verantwortlich gemacht werden, die nicht damit einverstanden sind, dass ihre Bilder ins Internet gestellt werden.

In den extremsten Fällen könnte ein Familienrichter einem Elternteil sogar das Recht entziehen, Bilder seines Kindes zu teilen, wenn er dies für unverhältnismäßig oder schädlich erachtet. Man muss sich vor Augen halten, dass es schwierig sein kann, einmal online gestellte Inhalte später wieder zu löschen.

Durchschnittlich 1.300 Bilder von Kindern werden vor dem Erreichen des 13. Lebensjahres online geteilt

Verschiedenen Studien zufolge wird das Bild eines Kindes bis zu seinem 13. Lebensjahr im Durchschnitt 1.300 Mal online geteilt, bevor es überhaupt ein eigenes Social-Media-Profil auf Facebook oder Instagram erstellen kann. Dieser Gesetzentwurf ist also eine Weltpremiere und wird von Kinderpsychologen und Social-Media-Experten begrüßt:

"Eltern müssen sich der Risiken bewusst sein, der potenziellen Risiken, die entstehen können, wenn andere Bilder oder Videos ihrer Kinder verwenden. Und natürlich geht es bei den Risiken meist um Ethik oder den Diebstahl der Bilder für irgendwelche wirklich üblen Zwecke im Internet", erklärt Anja Stević, Forscherin an der Universität Wien.

Bruno Studer, der französische Politiker, der hinter dem Gesetzentwurf steht, hebt hervor, dass 50 Prozent der Fotos, die arglos in sozialen Medien geteilt werden, in Foren für sexuellen Kindesmissbrauch landen.

Ist das wahr? Nun, die Schätzung stammt aus einer Untersuchung des Büros des Kommissars für Kinderschutz in Australien von 2015.

Diese Studie ist 8 Jahre alt, aber laut der französischen Vereinigung "Cofrade" "warnen Europol und Interpol bereits 2020 vor der Ausbreitung krimineller Online-Pädophilen-Börsen und der Prävalenz von selbst produzierten Inhalten junger Menschen oder durch ihr Umfeld".

Ist es in Anbetracht all dieser Risiken noch sicher, Bilder Ihres Kindes online zu teilen?

"Es gibt Wege, das zu tun. Wenn die Einstellungen auf private Beiträge, Teilen mit der Familie und Teilen mit Freunden eingestellt sind. Manche Eltern zeigen ihre Kinder nur von hinten, also nicht wirklich das Gesicht oder den ganzen Körper des Kindes oder mehrere Kinder zusammen. Das Problem besteht, wenn die Bilder öffentlich sind und sie wirklich für jeden zugänglich sind - einschließlich für Missbrauchstäter im Internet", meint Stević.

Auch wenn dieser Gesetzentwurf nicht verhindern wird, dass Sexualstraftäter Online-Inhalte sammeln, wollen die französischen Abgeordneten Eltern daran erinnern, dass sie die digitale Privatsphäre ihrer Kinder respektieren müssen.

Diesen Artikel teilenKommentare

Zum selben Thema

Auferstanden von den Toten - Trauerarbeit mit KI-Avataren

Drohen Benzin-Engpässe? Raffinerie-Beschäftigte verlängern Streik

US-Repräsentantenhaus billigt Gesetz zum Verbot von TikTok