Hunderte von Flügen könnten sich aufgrund der NATO-Luftraumsperrung verspäten

Ein militärisches Transportflugzeug fliegt während einer von der rumänischen Marine geleiteten Übung unter Beteiligung der NATO im März 2023 über die Donau.
Ein militärisches Transportflugzeug fliegt während einer von der rumänischen Marine geleiteten Übung unter Beteiligung der NATO im März 2023 über die Donau. Copyright AP Photo/Vadim Ghirda
Von Euronews Travel
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Rekordmanöver über dem europäischen Luftraum könnte erhebliche Auswirkungen für Urlauber haben.

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Eine massive NATO-Übung über dem europäischen Luftraum kann diesen Monat tagelang zu Flugverspätungen führen.

Das multinationale Militärbündnis hat am 12. Juni seine bisher größte Luftwaffeneinsatzübung begonnen, und sie dauert noch bis zum 22. Juni an.

“Air Defender 2023", so der Name der Übung, spielt sich über dem deutschen Luftraum ab, mit der Beteiligung von 10.000 Militärangehörigen und 250 Kampfflugzeuge aus 25 Nationen, darunter auch den USA.

"Ich weiß, dass es zu Einschränkungen im zivilen Luftverkehr kommen kann", so Ingo Gerhartz, Generalleutnant und Inspekteur der Luftwaffe, der die Übung leitet.

Aber, so fügt der Luftwaffenchef hinzu, "wenn ich das Verhältnis sehe, zehn Tage von 365, damit wir am Ende des Tages auch noch in Frieden und Freiheit in diesem Land leben können, dann denke ich, ist das das richtige Signal, das wir senden müssen."

Julian Stratenschulte/(c) Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Transportflugzeuge der deutschen Luftwaffe bei der Übung "AirDefender 2023"Julian Stratenschulte/(c) Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Hier erfahren Sie, was die Manöver für Ihren Sommerflug bedeuten könnten und was dahinter steckt.

Wo wird der Luftraum geschlossen?

Im Rahmen des Air Defender 2023 werden große Teile des Luftraums für den zivilen Luftverkehr gesperrt - hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, über Deutschland. Gewerbliche Piloten werden drei große "Cluster" umfliegen müssen

  • Im Norden, der sich in den dänischen und niederländischen Luftraum erstreckt
  • Im Osten, nahe der polnischen und tschechischen Grenze
  • Im Süden, von Luxemburg entlang der französischen Grenze, fast bis zum Bodensee in der Schweiz

Jede dieser Zonen wird täglich für mehrere Stunden für den zivilen Luftverkehr gesperrt oder stark eingeschränkt sein, wobei die Übung am Wochenende vom 16. bis 17. Juni pausiert.

Der Südcluster wird sich besonders stark auf viele Urlaubsflüge aus dem Vereinigten Königreich auswirken, wie der Reiseexperte Simon Calder in der britischen Zeitung The Independent berichtet.

Abflüge von London nach Antalya in der Türkei führen normalerweise genau durch dieses Gebiet, sagt er, ebenso wie Flugzeuge von Manchester zu den griechischen Inseln.

Welche Flughäfen und Fluggesellschaften sind betroffen?

Von den 800 Flügen, die umgeleitet werden sollen, werden die Flugrouten von etwa 300 Flügen um durchschnittlich 110 km verlängert, was bei normaler Reisegeschwindigkeit etwa sieben Minuten Flugzeit bedeutet.

Das mag nicht nach viel klingen, könnte aber angesichts des feinmaschigen Netzes von Flügen in ganz Europa doch erhebliche Auswirkungen haben.

Die verkehrsreichsten Flughäfen wie die Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick werden die größten Probleme mit der Flugplanung haben. Aufgrund der Arbeitszeiten der Besatzung und der Nachtflugverbote werden nicht alle Verspätungen aufgefangen können.

Für Billigfluggesellschaften wie Ryanair, bei denen zwischen Ankunft und Abflug einiger Flugzeuge weniger als 30 Minuten liegen, könnten sich die Verspätungen am schnellsten summieren.

easyJet, die größte Fluggesellschaft in Gatwick, hat ihren Passagieren jedoch versichert, dass "die Auswirkungen auf den Betrieb minimal sein werden".

Auch das Hauptdrehkreuz der Lufthansa in Frankfurt wird von der Sperrung des südlichen Luftraums betroffen sein.

Julian Stratenschulte/(c) Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Transportflugzeuge der deutschen Luftwaffe mit "AirDefender 2023" LogoJulian Stratenschulte/(c) Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Worum geht es bei der NATO-Übung?

"Diese Übung ist gegen niemanden gerichtet", sagt Generalleutnant Gerhartz. "Es ist eine Verteidigungsübung, die zeigen soll, dass das Bündnis in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen, wenn es nötig ist."

Die Manöver der Luftstreitkräfte orientieren sich an einem "Unterstützungsszenario nach Artikel 5 der NATO", d. h. an einer Situation, in der ein NATO-Verbündeter mit Waffengewalt angegriffen wird.

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Sollte Russland beispielsweise einen baltischen Staat wie Estland angreifen, "wird die NATO die Maßnahmen ergreifen, die sie für notwendig hält, um den angegriffenen Verbündeten zu unterstützen".

Gerhartz fügte hinzu, dass das Training so geplant wurde, dass es vor Beginn der Sommerferien in Deutschland abgeschlossen ist.

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