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UN-Flüchtlingshilfswerk: Mehr Tote auf Mittelmeerroute

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UN-Flüchtlingshilfswerk: Mehr Tote auf Mittelmeerroute

UN-Flüchtlingshilfswerk: Mehr Tote auf Mittelmeerroute
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REUTERS/Guglielmo Mangiapane
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Die zentrale Mittelmeerroute ist für Migranten deutlich gefährlicher geworden. Jeder 18. Flüchtling ist nach UN-Angaben zwischen Januar und Juli 2018 bei der Überquerung des Mittelmeers ums Leben gekommen oder wird vermisst.

Das teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Montag mit. Im Vorjahreszeitraum starb oder verschwand demnach jeder 42. Flüchtling. Insgesamt kamen zwischen Januar und Juli 1095 Flüchtlinge auf der zentralen Mittelmeerroute ums Leben oder werden weiterhin vermisst. Zwischen Januar und Juli 2017 waren es 2276. Die Gesamtzahl der Überfahrten ist aber deutlich gesunken.

"Dieser Bericht bestätigt erneut, dass die Überquerung des Mittelmeeres eine der tödlichsten Passagen der Welt ist", sagte Pascale Moreau, Direktorin des UNHCR-Büros für Europa. "Es stellt sich nunmehr nicht mehr die Frage, ob Europa die Ankunftszahlen bewältigen kann, sondern ob es sich menschlich genug zeigt, Leben zu retten."

Weniger NGOs vor der libyschen Küste

Dass die Zahl der Todes- und Vermisstenfälle nicht ähnlich stark gesunken ist wie die der Überfahrten, begründet das UNHCR mit einem geringeren NGO-Aufkommen vor der libyschen Küste.

2017 hätten dort acht Organisationen rund 39 000 Flüchtlinge gerettet. Derzeit sind nur noch zwei Hilfsorganisationen in dem Gebiet aktiv. Die italienische populistische Regierung hat Hilfsorganisationen das Anlegen in ihren Häfen untersagt.

In den ersten sieben Monaten des Jahres 2018 sollen über 1.500 Flüchtlinge und Migranten auf See gestorben sein, die meisten von ihnen beim Versuch, das Meer von Libyen aus zu überqueren.

Die libysche Küstenwache sei Hauptakteur vor der libyschen Küste in Entfernung von bis zu 70 Seemeilen vom Ufer, heißt es im UN-Bericht, wobei die meisten Interventionen von zwei Patrouillenschiffen durchgeführt würden.

Durch die Rettung weiter draußen auf See seien Migranten und Flüchtlinge gezwungen, länger auf "überfüllten und unsicheren" Booten zu verbringen, bevor sie gerettet werden könnten. Menschenhändler gingen aufgrund der verstärkten Überwachung durch die libysche Küstenwache mehr Risiken ein.

Auch auf dem Seeweg von Nordafrika nach Spanien ist die Zahl der Todesopfer seit letztem Jahr um 50% gestiegen, 2017 starben insgesamt 200 Menschen, bislang sind es bereits 300. Im April erreichten über 1.200 Menschen Spanien auf dem Seeweg, die Sterblichkeitsrate lag bei 1:14.

Geschäftsmodell der Schlepper zerschlagen

Die EU-Kommission betonte, es bleibe oberste Priorität, Menschen zu retten. Die Todesfälle lägen nicht an der EU-Politik, sondern am Geschäftsmodell der Schlepper, das zerschlagen werden müsse, sagte eine Sprecherin. Statt die Verantwortung herumzureichen, müsse man gemeinsam die Lage ändern.

"Das bedeutet, dass wir die Kooperation bei Rettungseinsätzen auf beiden Seiten des Mittelmeers ausbauen müssen wie auch bei der sicheren und verlässlichen Anlandung der geretteten Personen", sagte die Sprecherin.