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Demokratische Republik Kongo: Warten auf das Wahlergebnis

Demokratische Republik Kongo: Warten auf das Wahlergebnis
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Die Demokratische Republik Kongo hat gewählt, das Ergebnis soll nächste Woche bekannt gegeben werden.

Eigentlich sollten die Wahlen den ersten demokratischen Machtwechsel seit fünf Jahrzehnten ermöglichen. Doch schon im Vorfeld gab es Skepsis.

Mehr als eine Million Wahlberechtigte durften nicht abstimmen

Demokratische Republik Kongo

Kritiker missbilligten vor allem den Ausschluss von mehr als einer Million Wahlberechtigten - angeblich aufgrund eines Ebola-Ausbruchs und Terrorgefahr. Die im Osten gelegenen Städte Beni und Butembo sowie das westliche Yumbi sind Hochburgen der Opposition. Ihre Bewohner sollen die Stimmzettel erst im März 2019 abgeben dürfen - dabei soll der neue Präsident in etwa einer Woche feststehen und noch im Januar vereidigt werden. Im Vorfeld der Wahlen kam es dadurch zu Protesten der Opposition. Die Polizei setzte vermehrt Tränengas gegen die Demonstranten ein.

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Schlange in Beni für eine ScheinwahlREUTERS/Samuel Mambo

In Beni organisierte die Opposition zudem eine symbolische Stimmabgabe, da sie sich mit dem Ausschluss von der Wahl nicht abfinden wollte.

Wahllokale blieben lange geöffnet

Ursprünglich sollten die Wahllokale am Sonntag um 17 Uhr geschlossen werden - die Schlangen vor den Urnen waren jedoch zu lang. Zudem erschwerten Hochwasser und kaputte Wahlmaschinen den Wahlgang. Die Wahllokale mussten deswegen noch lange nach der geplanten Schließzeit geöffnet bleiben.

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Kongolesen waten durch Hochwasser, um wählen zu könnenREUTERS/Kenny Katombe

Einige Zwischenverfälle während der Wahlen

Trotz Probleme, Proteste und Unregelmäßigkeiten im Vorfeld wird gehofft, dass die Bekanntgabe der Ergebnisse nächste Woche die erste friedliche Machtübertragung in der Demokratischen Republik Kongo seit der Unabhängigkeit 1960 sein wird.

Die Abstimmung am Sonntag verlief im Wesentlichen friedlich, obwohl es vereinzelte Gewalttaten gab. Im Vorfeld hatte es Bedenken gegeben, dass die Frustration über administrative Verzögerungen und Probleme mit den neuen elektronischen Abstimmungsgeräten überkochen könnte.

Laut Angaben des Wahlkampfleiters des oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Félix Tshisekedi wurden in der Provinz Süd-Kivu vier Menschen, darunter ein Polizist und ein Wahlhelfer, aufgrund von Unruhen während des Wahlablaufs, getötet.

Aussichtsreiche Kandidaten – wer ist der neue Präsident?

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Emmanuel Shadary gibt seinen Wahlzettel abREUTERS/Baz Ratner

Drei der 21 Kandidaten haben eine realistische Chance, die Wahl gewonnen zu haben. Emmanuel Shadary ist ein ehemaliger Innenminister und wird vom bisherigen Präsidenten, Joseph Kabila, unterstützt. Shadary wurde der Europäischen Union für seine Rolle bei der gewaltsamen Unterdrückung von Oppositionsprotesten im Jahr 2017 mit Sanktionen belegt.

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Martin Fayulu an der WahlurneREUTERS/Baz Ratner

Martin Fayulu ist ein ehemaliger Ölmanager, der "einen würdevollen und wohlhabenden Kongo" versprochen hat. Viele Kongolesen sind sich jedoch nicht sicher, ob er ihre Interessen vertreten würde.

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Félix TshisekediREUTERS/Kenny Katombe

Und dann gibt es noch Felix Tshisekedi, den Sohn eines verstorbenen Oppositionsführers, der den Kampf gegen die Armut zu seiner Priorität machen möchte.

Wahl war mehrfach verschoben worden

Die Wahl war seit 2016 mehrfach verschoben worden, da Joseph Kabila, sich geweigert hatte, abzutreten. Offiziell wurden logistische Probleme als Grund angegeben.

Kabila trat das Amt 2001 an, nachdem sein Vater Laurent Kabila ermordet worden war.

Und, obwohl Joseph Kabila sich in diesem Jahr nicht zur Wahr stellen durfte, will er sich nicht aus der Politik zurückziehen. Zudem will er bei den nächsten Wahlen, die für 2023 vorgesehen sind, erneut als Präsident kandidieren.

REUTERS/Giulia Paravicini
Schlange vor einem Wahllokal in der Hauptstadt KinshasaREUTERS/Giulia Paravicini

DR Kongo wies EU-Botschafter aus

Einige Tage vor der Wahl hatte die Demokratische Republik Kongo auf Sanktionen der EU gegen mehrere kongolesische Politiker reagiert und den EU-Botschafter Bart Ouvry des Landes verwiesen.

Aufgrund der wiederholten Wahlverzögerungen – die Wahl war ursprünglich schon für den 23. Dezember angesetzt – hatte die EU ihre Sanktionen um ein weiteres Jahr verlängert.

Einige Wahllokale hätten ihre Stimmzettel nicht rechtzeitig erhalten. Millionen Wahlzettel waren durch ein Feuer in einer Lagerhalle zerstört worden.

Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo

Der Krieg in der Demokratischen Republik Kongo endete zwar schon 2003 – und forderte fünf Millionen Todesopfer. Gewalt ist aber immer noch ein weit verbreitetes Problem. Vor allem im Osten des Landes bekämpfen sich bewaffnete Gruppen gegenseitig. Deren Milizen zielen auch auf Zivilisten.

Die Demokratische Republik Kongo ist so reich an Bodenschätzen, dass es bei Vielen als das rohstoffreichste Land der Welt gilt. Diamanten, Kupfer, Öl und Gold fördern aber vielmehr Konflikte als Reichtum im Land. Der Staat konkurriert mit dem Militär, Rebellengruppen, Nachbarstaaten und westlichen Unternehmen um den Abbau der Schätze. Einzelne werden immer reicher, die Bevölkerung versinkt in Armut und Elend.