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Landminen in der Ost-Ukraine: die stille Gefahr

Landminen in der Ost-Ukraine: die stille Gefahr
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Landminen machen die Ost-Ukraine zu einem der weltweit gefährlichsten Gebiete. Wie leben die Einwohner mit dieser alltäglichen Gefahr? Euronews-Reporterin Natalia Liubchenkova hat sich vor Ort umgesehen.

Lidia Koroljowa aus der Region Donezk erzählt ihr, wie sie beim Pilzesammeln einen Stolperdraht entdeckte. Hätte sie ihn ausgelöst, wäre die Mine explodiert und hätte sie wahrscheinlich ihr Leben gekostet.

Solche Tragödien sind in der Ukraine keine Seltenheit. Laut unterschiedlichen Quellen wurden seit 2014 zwischen 1700 und 1900 Menschen durch explosive Überreste des Ukrainekonflikts verletzt oder getötet. Die stille Gefahr lauert nicht nur an der Frontlinie. Gefährdet sind spielende Kinder und Menschen, die Pilze oder Brennholz sammeln oder auf dem Land arbeiten.

Die Funde werden Experten von HALO Trust gemeldet. Das ist die größte der drei internationalen Hilfsorganisationen, die in der Ost-Ukraine Minen räumen. Neben der Schweizerischen Stiftung für Minenbekämpfung und der Dänischen Minenräumgruppe - arbeitet sie mit Zustimmung der ukrainischen Regierung an der Beseitigung der Kriegsreste. EU-Länder wie Deutschland, Norwegen, Finnland, die Niederlande, Belgien, das Vereinigte Königreich, die Tschechische Republik sowie das US-Außenministerium unterstützen die Arbeit.

Wie funktioniert Minenräumung?

Eine Mitarbeiterin von HALO Trust erklärt, wie das Minenräumen funktioniert. Es gibt verschiedene Phasen:

"Von hier aus kann man gut das gesamte Minenfeld sehen. Dort drüben liegt der Bunker. Er dient der Sicherheit der Menschen, der Mitarbeiter, die auf dem Minenfeld arbeiten. Und dann gibt es eine medizinische Anlaufstelle für die Minenräumer, die Sanitäter oder den Teamleiter. Dann sieht man den Case-Frontlader, den wir benutzen, um die Minen zu räumen", sagt Maryna Lantukh.

Foto: Natalia Liubchenkova

Mit dem gepanzerten Fahrzeug wird der Boden der ehemaligen Militärstation ausgehoben. Aus Sicherheitsgründen ist in dieser Arbeitsphase nur der Fahrer auf dem Traktor. Während die dort angebrachte 360-Grad-Kamera aufzeichnet, bringt sich die euronews-Reporterin im Bunker in Sicherheit.

Der Frontlader bringt das Erdreich in die Inspektionsbereiche. Dort wird es von den Minenräumern mit Detektoren auf nicht explodierte Kampfmittel oder Minen überprüft. Wenn der Detektor piepst, wird der Fund markiert und der Experte beginnt damit, das potenziell gefährliche Objekt zu untersuchen. Wird etwas Gefährliches gefunden, muss der Minenräumer staatliche Institutionen informieren, die für die Beseitigung verantwortlich sind.

Gefährliche Suche

Auch in der Region Luhansk werden Minen geräumt. Vor mehr als drei Jahren ging dort ein Lagerhaus voller Munition in die Luft. Die Explosion forderte viele Opfer, Hunderte Häuser und die gesamte Infrastruktur wurden beschädigt.

Unter widrigen Wetterbedingungen und bei Minusgraden untersuchen die Minenräumer das Land Zentimeter für Zentimeter nach gefährlichen Objekten. Schlägt das Metallsuchgerät an, wird das Objekt mit einem kleineren sensibleren Detektor isoliert und vorsichtig freigelegt. In der Regel klärt ein Mineräumer zwischen 10 und 40 Quadratmeter täglich.

Aufklärung kann Leben retten

Es gibt unterschiedliche Arten von Sprengkörpern, und sie können gut versteckt sein, selbst in Spielzeug, Minenfelder können unklar markiert sein. Die Aufklärung der Bevölkerung kann Leben retten. Experten der Schweizerischen Stiftung für Minenräumung unterrichten Mitarbeiter eines großen Landwirtschaftsbetriebs über Vorsichtsmaßnahmen.

Nach dem Ende des Konflikts braucht die Ukraine Experten zufolge mindestens 15 Jahre, um explosive Kriegsreste zu beseitigen. Und bisher kann keine der Hilfsorganisationen direkt an der Frontlinie oder in besetztem Gebiet arbeiten. Nick Smart, Regionaldirektor HALO-Trust:

"Wir haben etwa 15 Millionen Quadratmeter, 15 Quadratkilometer, verdächtiges Gebiet, d.h. voraussichtlich vermintes Gebiet ermittelt. Davon sind bisher drei Quadratkilometer geräumt. Und es gibt große Gebiete, die wir aufgrund der Sicherheitslage bisher noch nicht untersuchen konnten, die meisten liegen entlang der Frontlinie."

Ukraine: Landmine clearance and mine risk education