Haiti: Aufruhr gegen Armut und Korruption

Haiti: Aufruhr gegen Armut und Korruption
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Hunderte haben in Haiti den dritten Tag in Folge gegen Präsident Jovenel Moïse protestiert. Ein junger Mann wurde dabei im Zentrum der Hauptstadt Port-au-Prince erschossen, als Demonstranten das Haus des Präsidenten mit Steinen bewarfen. Nach Medienberichten sind seit Beginn der Proteste insgesamt vier Demonstranten ums Leben gekommen und Dutzende verletzt worden.

Auslöser der Proteste war ein Bericht, der Missmanagement von zahlreichen Ex-Ministern und Regierungsvertretern und eine mögliche Veruntreuung von Hilfskrediten offenlegte – sie sollten demnach eigentlich für den Wiederaufbau nach dem verheerenden Erdbeben 2010 verwendet werden.

Bei dem Beben waren hunderttausende Menschen ums Leben gekommen. Nach dem Erdbeben litt das Land auch unter einer Cholera-Epidemie, deren Ausbruch den UNO- Friedensstreitkräften angelastet wird. Anfang des Monats war bekannt geworden, dass im Rahmen des Erdölprogramms Petrocaribe Gelder hinterzogen worden seien. Durch Petrocaribe erhält Haiti günstiges Erdöl aus Venezuela.

Zwei Demonstranten:

"Seit Präsident Jovenel Moise an der Macht ist, erzählt er den Menschen Lügen.

Wir leben im Hunger, im Elend, wir finden nichts zu essen."

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"Das Land ist schrecklich, sie können nicht weiter Menschen so töten, Jovenel muss gehen."

ARM UND NOCH ÄRMER

"Nein zum teuren Leben"

Haiti gilt als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre. Etwa 80% der Haitianer müssen von weniger als 2 US-Dollar am Tag leben (Auswärtiges Amt), für die Hälfte sind es weniger als 1 US-Dollar pro Tag – bei mehr als 14 Prozent Inflation. Mehr als die Hälfte der haitianischen Bevölkerung sind Analphabeten, und 90 Prozent der Bildungseinrichtungen sind in privater Hand, so dass der größte Teil der Bevölkerung keinen Zugang zu Bildung hat. Die Arbeitslosenquote beträgt 80 Prozent. Der Baumbestand ist radikal dezimiert, Erosion macht das Land ausgesprochen anfällig für Naturkatastrophen.

Präsident Jovenel Moïse im Juni 2017:

"Die Toleranzschwelle dieses Landes gegenüber dem Unerträglichen ist einfach nicht akzeptabel"

su