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Antisemitismus-Debatte nach Angriff gegen Finkielkraut (69)

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Frankreich diskutiert weiter über die antisemitischen Beschimpfungen gegen den Philosophen Alain Finkielkraut am Rande einer Gelbwesten-Demo am Samstag. Der Hauptverdächtige der Beleidigungen sei identifiziert, twitterte Innenminister Christophe Castaner.

Die Justiz hat Ermittlungen wegen rassistischer und antisemitischer Beleidigungen eingeleitet. Diese können in Frankreich mit bis zu einem Jahr Haft und mit Geldstrafen bis zu 45.000 Euro geahndet werden.

Links- und Rechtspopulisten in der Kritik

Im TV-Sender LCI kritisierte Gesundheitsministerin Agnès Buzyn sowohl den Chef der Linken Jean-Luc Mélenchon als auch die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Mélenchon hätte laut Buzyn den Angriff verurteilen sollen - und Marine Le Pen betreibe ein "doppeltes Spiel", sagte Buzyn, weil sie Neonazis in ihrem Umfeld dulde. Gegen diese Äußerung will Marine Le Pen gerichtlich vorgehen, wie sie auf Twitter ankündigte.

Der Schriftsteller Finkielkraut erklärte zu dem Vorfall: "Ihr Ziel waren Juden als Zionisten, es geht um Israel. Deshalb wurde ich im Namen von Palestina angeklagt. Ich bin als Faschist, als zionistischer Dreck und als Rassist beschimpft worden."

Auf Twitter verurteilten sowohl Präsident Emmanuel Macron als auch Innenminister Christophe Castaner die antisemitische Hetze.

"Die antisemitischen Beleidigungen sind das Gegenteil von dem, was wir sind und was eine große Nation aus uns macht", schrieb Macron. "Wir werden so etwas nicht tolerieren."

Einige Vertreter der Gelbwesten bestritten, dass es sich bei dem Angreifer um einen der Ihren handelt. Andere verurteilten den Antisemitismus.

Bruno Mandres, einer der Organisatoren der Gelbwesten-Demo vom Samstag, sagte in Paris: "Man kann mit Finkielkrauts Ideen nicht einverstanden sein. Ich bin dagegen. Aber dass ist kein Grund, ihn anzugreifen. Ich verurteile das und bin traurig darüber."

In den vergangenen Wochen hatte es vermehrt antisemitische Schmierereien in Frankreich gegeben und im vergangenen Jahr waren die Zahl antisemitischer Angriffe dramatisch gestiegen. Finkielkraut hatte zuvor den zunehmenden Antisemitismus von post-kolonialen Einwanderern in Frankreich kritsiert.