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"Wählt weise": Schauspieler warnen vor AfD in "Görliwood"

"Wählt weise": Schauspieler warnen vor AfD in "Görliwood"
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JOHN MACDOUGALL / AFP
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Görlitz, das ist eine Kleinstadt an der polnischen Grenze, bekannt für ihre vom Zweiten Weltkrieg verschonte pittoreske mittelalterliche Architektur. Eine Stadt, die sich stolz "Europastadt" nennt, deren Flair und günstige Mieten westdeutsche Rentner und Hollywoodproduzenten anlockt. Einerseits. Andererseits hat der Raum Görlitz die höchste Arbeitslosenquote Sachsens, die Angst vor weiteren Arbeitsplatzverlusten ist groß und die Kriminalitätsrate im Grenzgebiet hoch.

Das hat offenbar auch politische Konsequenzen: Görlitz könnte die erste Stadt Deutschlands werden, in der die AfD den Oberbürgermeister stellt. Deren Kandidat Sebastian Wippel gewann den ersten Wahlgang Ende Mai mit 36,4 Prozent der Stimmen. Am 16. Juni geht er gegen den CDU-Kandidaten in die Stichwahl. Die übrigen Kandidatinnen stellten sich bereits hinter den Christdemokraten, um einen AfD-Oberbürgermeister zu verhindern.

"Gebt euch nicht Hass und Feindseligkeit hin"

Jetzt bekommen sie prominente Unterstützung: SchauspielerInnen und Hollywood-Produzenten rufen die Görlitzerinnen und Görlitzer dazu auf, "weise" zu wählen. „Gebt euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zweitracht und Ausgrenzung hin“, heißt es laut "Leipziger Volkszeitung" (LVZ) in einem offenen Brief, der heute veröffentlicht werden soll. Der LVZ liegt das Schreiben laut eigenen Angaben bereits vor.

Zu den ErstunterzeichnerInnen des Schreibens gehören deutsche SchauspielerInnen wie Daniel Brühl und Jana Pallaske, die in "Görliwood", wie die Stadt an der Neiße auch genannt wird, "Inglorious Bastards" drehten. Außerdem unterschrieben Burghart Klaußner, Volker Bruch und die Autoren Daniel Kehlmann und Bernhard Schlink, dessen Roman "Der Vorleser" ebenfalls in Görlitz verfilmt wurde. Der deutsche Hollywood-Produzent Michael Simon de Normier ist Mitiniator des Offenen Briefs. „Alle Hollywood-Agenturen sind auf unserer Seite – es werden noch einige sehr prominente Unterstützer folgen“, kündigte er gegenüber der LVZ an. Die Initiative "Zukunft Sachsen", die gegen eine Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen kämpft, hat den Brief am Montagabend veröffentlicht.

Die AfD konterte bereits: "Aufrufe wie dieser gehören zu einer lebendigen Demokratie dazu", antwortete OB-Kandidat Wippel. "Ich kann damit gelassen umgehen, weil unsere Görlitzer die hiesigen Zustände am besten einschätzen können und keine Tipps von außen benötigen." Görlitz werde Europastadt bleiben. Den Titel geben sich Städte selbst.

De Normier warnte in der LVZ jedoch davor, dass ein AfD-Wahlsieg Auswirkungen haben könnte: „Wenn der Eindruck entsteht, dass eine Mehrheit in der Stadt fremdenfeindlich ist, wird das weltweit wahrgenommen und wird wohl auch Konsequenzen haben.“

Sicher ist, dass Görlitz Stimmungsbarometer für ganz Sachsen ist: Am 1. September finden dort Landtagswahlen statt. In den Umfragen liegt die AfD dicht hinter der CDU. Bei der Europawahl im Mai und der Bundestagswahl 2017 war sie stärkste Kraft im Freistaat.