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Kunst in Angola: Ein "Schmelztiegel von Ideen"

Kunst in Angola: Ein "Schmelztiegel von Ideen"
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Die Zeiten, in denen afrikanische Kunst mit Holzschnitten, Masken und ethnischen Gemälden gleichgesetzt wurde, sind lang vorbei. Darüber hinaus ist "zeitgenössische afrikanische Kunst" ein eindimensionaler Sammelbegriff für mehr als 50 Länder, mehr als eine Milliarde Menschen, Zehntausende von Ethnien, mehr als 2000 Sprachen und Dutzende von Religionen. Afrika selbst, der zweitgrößte Kontinent, und seine vielfältige Kunstwelt sind ein riesiger Raum der Entdeckung und Entwicklung.

Die neue Generation ist Teil der globalen Kunstszene

Paula Nascimento ist Teil der internationalen Kunstszene; sie hat den angolanischen Pavillon kuratiert, der auf der Biennale in Venedig Gold gewonnen hat. Sie kennt die angolanische Kunstszene und was sie bewegt:

"Die zeitgenössische Produktion auf dem Kontinent spiegelt diese Vielfalt der Länder wider. Es gibt unterschiedliche Generationen von Künstlern, die interagieren und zusammenarbeiten oder sich gleichzeitig mit verschiedenen Themen befassen, verschiedene Themen behandeln und Werke schaffen, die sowohl lokal als auch international sind. Sie reflektieren über Geschichte, sie schreiben Narrative und Geschichte um, reflektieren über postkoloniale Themen, aber auch über die Themen, die Teil ihres täglichen Lebens sind. Wir kommunizieren, Künstler arbeiten mit anderen Künstlern zusammen. Und diese Bewegung ist fast so etwas wie ein Markenzeichen Ich denke, dass es ein Schmelztiegel von Ideen ist", meint die angolanische Architektin. "Die afrikanische Kunstszene wird seit langem unterschätzt, die zeitgenössische afrikanische Kunst ist weltweit immer noch unterrepräsentiert. Eine neue Generation zeitgenössischer Künstler aus dem Kontinent ist inzwischen ein fester Bestandteil der globalen Kunstszene geworden, und eine neue Generation von Künstlern und Galeristen wächst in Südafrika, Uganda und Angola heran."

Afrikanische Künstler liegen im Trend

Afrikanische Künstler waren in den letzten Jahren verstärkt auf der Biennale in Venedig und der Documenta in Kassel vertreten. António Ole ist einer der bekanntesten Künstler Angolas, ein Wegbereiter, der hier eine Retrospektive seines Lebenswerks vorbereitet. Mitte der Siebziger Jahre, Angola wurde gerade unabhängig, war Antonio ein junger Künstler. Kolonialismus war das Thema all der jungen afrikanischen Staaten.

"Afrikanische Kunst hat lange niemanden interessiert. Aber in den vergangenen Jahrzehnten haben wir diesen leeren Raum besetzt. Thema in Afrika ist oft: Menschen, die sich für unser Elend interessieren. Sie sind nicht an den positiven Dingen interessiert, die wir produzieren. Und das ist kompliziert, komplex, aber langsam zeigen wir unsere Kunst, unser Foto unsere Filme. Weil wir Teil dieser Welt sind", erklärt António Ole. "Wir Afrikaner hatten schon immer eine extrem reiche Kultur und Tradition. Am Anfang, als ich anfing, entschied ich mich an einem bestimmten Moment, dass ich meine eigene Identität finden muss. Ich verstand, dass diese Traditionen mich sehr inspirieren. Und es ist klar, dass einige meiner Bilder im wahrsten Sinne des Wortes afrikanisch sind."

Identität ist nach wie vor ein zentrales Thema afrikanischer Künstler, auch wenn diese Suche nach Identität heute weniger rückständig ist:

"In der Vergangenheit haben wir uns sehr intensiv mit dem Zerfall der afrikanischen Kultur beschäftigt, denn der Kolonialismus bedingte eine kulturelle Bindung", erklärt der angolanische Künstler. "Es handelte sich um einen Prozess, der mit der Unabhängigkeit Angolas verbunden war. Und dieses Phänomen gab es in allen Ländern nach der Unabhängigkeit, ab einem bestimmten Moment haben sich afrikanische Künstler wieder mit ihren Traditionen beschäftigt. Es geht darum, seine verlorene Identität wiederzufinden, denn die Kolonialisierung provozierte eine kulturelle Bewahrung der afrikanischen Kultur. Es war ein langer Prozess, wieder zu unserer Indentität zu finden"

Diese neue, moderne Identität hat nichts mit "Stammeskunst" oder "Exotik" zu tun, mit der Kunst vom afrikanischen Kontinent oft gleichgesetzt wurde.

"Exotismus ist etwas, das ich entschieden ablehne", sagt António Ole. "Heute gibt es das natürlich noch, diesen Mechanismus von 'Oh, wie exotisch sie sind'. Das finde ich sehr beunruhigend. Die Art und Weise wie Leute meine Kunstwerke analysieren, die 'exotische' Seite. Unsere Aufgabe ist es, unsere eigene Realität zu reflektieren, und insofern könnte dieser Diskurs für alle Menschen auf der Welt verständlich sein. Ich beschäftige mich nicht nur mit Themen in meiner Nachbarschaft. Traditionen sind in ihrem Teil der Vergangenheit in Ordnung. Sie könnten dich inspirieren, eine neue Welt zu erschaffen. IIch denke, es gibt eine universelle Art und Weise, wie Künstler kommunizieren. Und es macht mich sehr glücklich, wenn jemand aus einer anderen Kultur leicht versteht, was ich sage."

Auf der Suche nach Wurzeln

Ayana V. Jackson ist eine afroamerikanische Künstlerin. Sie hat in allen afrikanischen Kunst-Hotspots gelebt und gearbeitet. Für sie zählt Luanda zu den afrikanischen Kunstmetropolen:

"In unseren Köpfen steckt immer noch die Vorstellung eines traditionellen Afrikas, eines Afrikas der Vergangenheit, besonders in der Kunst. Erst als ich nach Afrika ging, wurde mir klar, dass es genauso Teil der Globalisierung ist wie anderswo", sagt die Künstlerin. "Ich wollte wirklich herausfinden, was hier vor sich geht. Ich entdeckte eine sehr lebendige Szene. Es gibt viele Künstler und sie sind unglaublich."

Als Fotografin hatte Ayana V. Jackson an der Geschichte der Fotografie und des schwarzen Körpers, der Beziehung zwischen Fotografie und Bildherstellung und den Darstellungsformen und Stereotypen der schwarzen Frau gearbeitet. In Luanda arbeitet sie mit angolanischen Künstlern an ihrem neuen Projekt – in Selbstinszenierungen verwandelt sie sich in mythisch inspirierte Inkarnationen afrikanischer Frauen.

Afrikanische Künstler sind sichtbarer geworden

Durch den globalisierten Kunstmarkt sind afrikanische Künstler sichtbarer geworden. Auch das Internet spielt eine wichtige Rolle.

"Es ist eine Entwicklung, die jetzt stattfindet", meint Paula Nascimento. "Die Anerkennung innerhalb einer breiteren Szene der globalen Kunstszene. Es gibt Künstler aus der Diaspora, die sich jetzt mit ihrem lokalen Kontext vernetzen. Es gibt Künstler, die Teil der globalen Szene sind."

Von einer Randnotiz auf dem internationalen Kunstmarkt mit einigen wenigen Ausnahmekünstlern hat sich die zeitgenössische afrikanische Kunst in diesem Jahrzehnt zu einem großen Thema entwickelt. Diverse neue Kunstmessen sowie große Ausstellungen von lebenden afrikanischen Künstlern in Institutionen wie der Tate Modern in London, dem Haus der Kunst in München oder der Fondation Louis Vuitton in Paris zeugen davon.

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