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"Kinder des IS": Befreite Jesidinnen stehen vor einem Dilemma

"Kinder des IS": Befreite Jesidinnen stehen vor einem Dilemma
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Screenshot via EBU
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Dutzende - wenn nicht hunderte - Jesidinnen, die 2014 vom sogenannten "Islamischen Staat" verschleppt und versklavt wurden, möchten jetzt in ihre Heimat Sindschar zurückkehren. Doch viele von ihnen stehen vor einem Dilemma. Die jesidische Glaubensgemeinschaft akzeptiert keine Heiraten mit Andersgläubigen - und sie akzeptiert die Rückkehr der Frauen nur, wenn sie ihre Kinder - deren Väter IS-Kämpfer und Muslime sind - zurücklassen. Das berichten Menschenrechtsaktivisten und die Mütter selbst.

Befreite Jesidinnen müssen Kinder zurücklassen

Ein AFP-Reporter hat in Baadre die 18-jährige Jihane getroffen, die zuerst mit ihren beiden kleinen Kindern im "Haus der Jesiden" - einem Lager im Nordosten von Syrien - untergekommen war. Sie war nach der Vertreibung im Alter von 15 Jahren mit einem IS-Kämpfer aus Tunesien zwangsverheiratet worden. Nach ihrer Befreiung vom IS hat Jihanes Bruder Samane ihr Foto auf Facebook entdeckt und Kontakt zu ihr aufgenommen. Er möchte Jihane nach Hause in die jesidische Familie zurückholen, aber nur unter der Bedingung, dass sie den zweijährigen Sohn und die einjährige Tochter zurücklässt.

"Sie sind Kinder des IS"

"Sie sind Kinder der IS. Natürlich habe ich sie nicht zurückgebracht", erklärt Jihane dem AFP-Korrespondenten zunächst. Doch im weiteren Gespräch sagt sie auch: ""Sie waren so klein, sie hingen sehr an mir und ich an ihnen, aber sie sind Kinder des IS. Der erste Tag ist hart, doch nach und nach vergessen wir sie."

Viele Frauen wollen nicht über die schwere Entscheidung und ihren inneren Konflikt sprechen. Sie sind ohnehin durch jahrelanges Leiden traumatisiert.

"Eine von ihnen", sagt eine Ärztin anonym, "musste sich schließlich damit abfinden, ihr Kind einer Adoptivfamilie zu übergeben, weil sie ihr Kind nicht ohne Vater ins Standesamt eintragen konnte - erwar ein Dschihadist, der im Kampf verschollen ist."

Eine andere 18 Jahre alte schwangere Frau wurde bis zum Ende der Schwangerschaft im Irak in ein Heim gebracht. "Sie musste das Kind dann zur Adoption freigeben", sagt ein Sozialarbeiter im Gespräch mit AFP. Erst danach kontaktierte sie ihre Familie.

Im Jahr 2018 wurden in Mosul, unweit von Sindschar, fünf Kinder von Jesidinnen und Dschihadisten ins Waisenhaus gebracht, berichtet Soukaïna Younès, die Provinzleiterin.

Die religiösen Führer der Jesiden wollen trotz des Leidens der Mütter offenbar nicht einlenken.

Jihane gesteht: "Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich die Kinder mitgebracht."

Oft erscheint das Leben in Europa als eine Alternative.

In Deutschland stand die IS-Anhängerin Jennifer W. vor Gericht, weil sie zugesehen hatte, wie die kleine Tochter ihrer jesidischen Sklavin vor ihrem Haus verdurstete.