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Putzen im Park: Touristen machen Berlin sauber

Putzen im Park: Touristen machen Berlin sauber
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Katharina Kücke
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Es ist ein ungewöhnliches Bild, das sich an dem sonnigen Montagnachmittag im Berliner Mauerpark bietet: Tourist*innen, ausgestattet mit knallbunte Westen, Zangen, Handschuhen und Säcken, sammeln Müll vom Boden auf.

Zigarettenkippen, Kronkorken und Glasscherben gehören in Berlin längst zum Stadtbild. Gegen die massive Vermüllung in der Innenstadt wollen die Berliner Bezirke Pankow und Mitte jetzt vorgehen. Im Rahmen der politischen Aktion „Saubere Stadt“ kooperieren sie mit SANDEMANs NEW Europe, einem internationalen Anbieter für Stadtführungen.

Die Idee: Anstatt viel Geld für eine Stadtführung auszugeben, können Besucher*innen eine Stunde lang in Berliner Parks Müll einsammeln. Im Gegenzug nehmen sie an einer kostenlosen Führung teil, bekommen Geschenke und ein Picknick gestellt.

Über 70 Tourist*innen und einige Berliner*innen sind in den historischen Park gekommen. Eine Gruppe ist gerade damit beschäftigt, einige silberglitzernde Plastiksterne aufzuheben. „Ich glaube, hier hat jemand gefeiert“, witzelt ein junger Mann. Es sind so viele, dass er die ganze Stunde damit verbringen könnten, die Sternchen aufzuheben.

Ehemaliger Todesstreifen

Besonders von der Vermüllung betroffen sind die Parks in den zentralen Bezirken. Hier halten sich nicht nur zahlreiche Tourist*innen, sondern auch Einheimische auf. Der Mauerpark gehört zu den beliebtesten Parks in der Hauptstadt. Das liegt einerseits daran, dass er zentral gelegen ist, anderseits aber auch an seiner Vergangenheit. Als ehemaliger sogenannter Todesstreifen, der Berlin in Ost und West teilte, erinnert er an die Teilung Deutschlands, die vor 30 Jahren durch den Mauerfall beendet wurde. So wurde er zum touristischen Hotspot für zahlreiche Events.

Die Mauer ist auch Thema der kostenlosen Führung, die im Vorfeld der Reinigung angeboten wird. Eine Stunde lang bekommen die Teilnehmer*innen Hintergrundinformationen zur Geschichte der Berliner Mauer und Einblick in das Leben in der ehemaligen DDR.

Billig-Bier ist am beliebtesten

Obwohl der Mauerpark keine Erscheinung, sondern eher auf Grund seiner Vergangenheit interessant ist, ist er insbesondere am Wochenende gut besucht. Nach der Arbeit trinken Berliner*innen hier gerne ihr Feierabendbier, es gibt Grillstätten und einen Flohmarkt. Das macht sich auch auf der Wiese bemerkbar. „Am beliebtesten scheint das ‚Sternburg’ zu sein“, erzählt ein Teilnehmer. Von der Billig-Biermarke habe er die meisten Kronkorken gefunden.

Überall zwischen den Gräsern liegen Plastikteile herum, die einzeln mit der Zange aufgehoben werden müssen. Eine mühsame Arbeit. Dass die Stadtreinigung da nicht mehr hinterherkommt, ist nicht verwunderlich. Und das, obwohl fast täglich gereinigt wird.

Einige Teilnehmer*innen sind erstaunt darüber, wie viel Müll sie auf der Wiese finden. „Berlin ist viel dreckiger als andere europäische Städte, aber dennoch viel sauber als Indien“, erzählt eine junge Frau aus Indien, die bereits an ähnlichen Aktionen teilgenommen hat. Eine Brasilianerin erzählt, dass sie genervt von Tourist*innen ist: „Ich kann nicht verstehen, dass Menschen ihren Müll liegen lassen. Es ist für uns ganz normal, Müll mitzunehmen, wenn wir ihn beispielsweise am Strand sehen.“

Das Ziel: Sensibilisieren

Dass eine einmalige Aufräumaktion das Grundproblem nicht lösen kann, scheint den Veranstalter*innen bewusst zu sein. „Es ist schön, wenn am Ende ein bisschen weniger Müll herumliegt, aber es geht nicht darum, irgendwas zu ersetzen. Es geht in erster Linie darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen und daran zu appellieren, dass solcher Müll vermieden wird“, erzählt die Pankower Bezirksstadträtin Rona Tietje (SPD). Die Organisator*innen wollen Sensibilisieren und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass wir alle für das Müllproblem verantwortlich sind.

Ein anderer Grund, weshalb die Aktion ins Leben gerufen wurde sei es, Konflikte zu vermeiden. Tietje erzählt, dass es immer mehr Probleme zwischen Tourist*innen und Berliner*innen gibt. Hauptthema seien Lärm und Vermüllung. Deshalb sei es an der Zeit, für mehr nachhaltigen Tourismus zu werben. „Touristen kommen in der Regel nicht hier her, um die Anwohner zu stören oder ihnen auf die Nerven zu gehen. Sondern, weil sie die Stadt mögen. So kann man dann auch ein bisschen was wiedergeben im Sinne von einem kleinen, grünen Fußabdruck“, erklärt Tietje.

Der Stadt etwas zurückgeben

Die Hauptschuld für die Vermüllung sehen die Veranstalter*innen allerdings nicht nur bei den Tourist*innen. Vielmehr gehe es darum, für mehr nachhaltigen Tourismus zu werben. „Mit dieser Veranstaltung geht es darum, dass die Leute sagen können: Ich bin ein verantwortungsvoller Besucher. Ich liebe diese Stadt und will etwas zurückgeben“, erklärt David O’Kelly, der Geschäftsführer von SANDEMANs. Er hat bereits gute Erfahrungen mit ähnlichen Aktionen in anderen europäischen Städten gemacht. In Amsterdam gibt es die Aktion sogar in Kombination mit einer Bootstour, wobei Müll mit Hilfe von Köchern aus den Grachten gefischt wird.

Der erste Teil des dreiteiligen Clean-Ups fand am Montag, den 26. August statt. Trotz sommerlicher Temperaturen bei um die 30 Grad haben über 70 Menschen an der Putzaktion teilgenommen. Es wird zwei weitere Veranstaltungen dieser Art am 9. und 23. September geben. Ort der nächsten beiden Veranstaltungen wird der Ernst-Thälmann-Park sein, der ein eher unbekannter und weniger besuchter Berliner Park ist.

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