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Marseille: 73-Jähriger nach zwei Wochen tot im Krankenhaus gefunden

 Marseille: 73-Jähriger nach zwei Wochen tot im Krankenhaus gefunden
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Was ist mit Jean Ligonnet passiert, einem 73-jährigen an Alzheimer erkrankten Franzosen, der tot in einem verlassenen Flügel eines Krankenhauses in Marseille wiedergefunden wurde? Frankreich fragt sich, wer schuld daran ist, dass der Rentner verschwand, nicht wieder aufgefunden wurde und verstarb. Die Staatsanwaltschaft in Marseille ermittelt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung. Die Familie des Verstorbenen ist empört und macht das Krankenhaus verantwortlich: "Ich bin angeekelt", so Jean Hospice, Sohn des Toten. "Mein Vater hat es nicht verdient, in solchen Umständen zu sterben. Sie haben ihn sterben lassen wie ein Hund und ihn vergessen."

Was ist passiert? Ligonnet, der in einem Altemheim etwa 60 Kilometer östlich von Marseille lebte, war am 19. August am Morgen in das Krankenhaus der Unbefleckten Empfängnis in der südfranzösischen Hafenstadt zu einem Termin erschienen. Seit ungefähr einem Jahr erhielt er eine Chemotherapie und musste dafür regelmäßig in der Klinik. Seinem Sohn zufolge wartete der demente Mann an diesem Tag länger als üblich auf die Behandlung. Er habe ein Mittagessen erhalten. Gegen 14 Uhr sei dem Personal aufgefallen, dass Ligonnet nicht mehr im Wartesaal sitze.

Nichte des Toten: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er weggerannt ist"

Ligonnets Familie hält es für unwahrscheinlich, dass er geflohen ist. "Er war geschwächt, er lief sehr langsam. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er weggerannt ist", so die Nichte gegenüber französischen Medien. Der 73-Jährige sei zwar verwirrt gewesen, aber er sei bisher nicht vor Betreuerinnen geflohen, so die Leitung seines Altenheims. Es wäre jedoch besser gewesen, wenn er nicht alleine zu dem Termin gefahren wäre. Er sei ohne Begleitung mit dem Taxi nach Marseille gekommen.

Die Marseiller Gesundheitsbehörden leiteten nach dem Verschwinden eine Suche ein. Das komplette Krankenhaus sei mehrmals durchsucht worden. Überwachungsvideos wurden gesichtet, das Personal zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen, versichern sie. Die Angehörigen suchten in der Umgebung des Krankenhauses mit Plakaten nach Ligonnet. Zwei Wochen lang blieb er verschwunden. Am Dienstag erhält der Sohn die Nachricht, dass sein Vater tot und in "stark verwestem Zustand" in einem "stillgelegten Flügel" der Klinik gefunden wurde. Hospice bezweifelt, dass das Krankenhaus alles unternommen habe, um den Vermissten zu finden. "Die Krankenhausdirektorin hat mir gesagt, dass sie überall gesucht hat. Ich bin von Stockwerk zu Stockwerk gegangen und habe die Schwestern gefragt, ob sie meinen Vater gesehen haben, aber die wussten gar nicht Bescheid", so Hospice. Bereits bevor die Leiche gefunden wurde, hatte er das Krankenhaus verklagt.

Autopsie: Keine Fremdeinwirkung

Die Autopsie ergab laut Staatsanwaltschaft, dass Ligonnet ohne Fremdeinwirkung starb. Dennoch bleiben viele Rätsel: Die stillgelegte Abteilung, in der der Rentner gefunden wurde, wurde laut französischen Medien mehrmals durchsucht, ohne dass es Anzeichen dafür gab, dass sich dort jemand aufhielt. Ligonnet wurde in einem Zimmer gefunden, dessen Türknauf abgebrochen war. Die Abteilung sei verschlossen gewesen. Das Krankenhaus leitete eine interne Untersuchung ein.

Im März 2018 gab es einen ähnlichen Fall im Krankenhaus in Reims. Eine Patientin verstarb auf einer Bahre in der Notaufnahme, nachdem sie dort zwei Stunden gewartet hatte. Zudem steckt das französische Gesundheitssystem in einer strukturellen Krise: Krankenhäuser in Frankreich klagen über Personal- und Bettenmangel. Seit Monaten wird immer wieder gestreikt. Die Regierung kündigte Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung an.