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Technik und Kultur treiben den Wandel in Kattowitz voran

Technik und Kultur treiben den Wandel in Kattowitz voran
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Kattowitz - eine polnische Stadt, in der die Kohle einst alles war. Inzwischen sind einige Kohlebergwerke Kulturzentren. Eine Stadt im Wandel, während sich Europa hin zu mehr sauberer Energie und Innovation bewegt. Euronews besucht in dieser Folge von Spotlight den Technologiepark Euro-Centrum und ein Museum in einer ehemaligen Zeche. Kattowitz hat sich von der polnischen Kohlebergbau-Hauptstadt zu einem Zentrum für Kultur und neue Geschäftsmodelle entwickelt. 2022 findet dort das World Urban Forum statt.

"Kattowitz wurde einst mit Kohle groß, im 18. Jahrhundert ein Dorf, das sich zu einem Industriezentrum entwickelte", erklärt euronews-Reporter Chris Burns. "Jetzt ist die Stadt wieder im Wandel - hin zu einer saubereren, umweltfreundlicheren und nachhaltigeren Lebens- und Arbeitsweise."

Kultur statt Kohle

Das Herzstück des städtebaulichen Wandels ist das Schlesische Museum, das in einer Kohlegrube entstand. Neben unterirdischen Ausstellungs- und Besprechungsräumen bilden zwei 14 Meter tiefe Räume die Haupthalle. Es gibt Ausstellungen zur Geschichte der Region und zur polnischen Kunst, darunter Werke von Bergleuten wie Jan Nowak.

"Es ist unglaublich. Ich habe hier gearbeitet, mit Spitzhacke und Schaufel. Und jetzt sind meine Werke in diesem Museum, in dieser Mine ausgestellt", so der ehemalige Kumpel. "Es war, als würde der Stress, die Arbeit von mir abfallen. Es ist wichtig, dass es nicht verschwindet, dass es nicht vergessen wird. Dass etwas bleibt von meinen Kollegen, die hier wie ich gearbeitet haben."

Rund eine Viertelmillion Besucher zieht das Museum jährlich an - eine starke Botschaft laut der Direktorin des Schlesischen Museums: "Mit diesem Ort sind eine Menge Arbeits- und Lebenserinnerungen verbunden", meint Alicja Knast. "Wir versuchen nicht nur, sie in unserem Programm zu bewahren, sondern auch nah an den Menschen zu bleiben, deren Leben mit diesem speziellen Ort verwoben war."

Soziales Gefüge bewahren

Auch das Bytom-Theater im Gebäude, in dem sich ehemals die Kapelle und die Büros des Bergwerks befanden, belebt die ehemalige Zeche. Die Bühne war früher der Altar für Gottesdienste, sowie ein Ort zum Trauern um verunglückte Bergleute.

"Die Energie ist sehr wichtig, uns ist die körperliche Ausstrahlung sehr wichtig, Geschichten mittels der körperlichen Ausdruckskraft zu erzählen", so Anna Piotrowska, Direktorin des Bytom-Theaters. "Der Vergleich mit der Arbeit, die unter Tage geleistet wurde, ist sehr wichtig und inspirierend."

Die Arbeitersiedlung Nikiszowiec, die über Jahrhunderte neben der Mine entstand, bewahrt das soziale Gefüge und richtet sich an neue Generationen. Laut dem Stadtplaner will man die Vergangenheit nicht auslöschen, sondern sie in die Zukunft integrieren. Der Denkmalkurator von Chorzów (ehemals Königshütte) Henryk Mercik erzählt:

"Ältere Menschen, die unter Tage gearbeitet haben, deren Leben mit der Mine verbunden war, leben immer noch hier. Aber jetzt ist das hier ein sehr trendiger und angesagter Ort. Man stößt hier nicht nur auf Touristen, sondern vor allem auf die neuen Bewohner, junge Menschen, die hier leben wollen."

Wirtschaftliche Wiederbelebung

Es ist auch wirtschaftlich sinnvoll, Kohlebergbaugebiete zu restrukturieren und bereits qualifizierte Arbeitskräfte umzuschulen. In der Nähe des noch im Betrieb befindlichen Bergwerks Wieszowiec wurde das Euro-Centrum entwickelt. Der Technologiepark wird mit erneuerbarer Energie betrieben.

"Wir sind ein Testgelände für kleine und mittlere Unternehmen in Bereichen wie Energieeffizienz in Gebäuden, der Effizienz erneuerbarer Energien, Solartechnologien sowie intelligenter Netzwerke (Smart Grid Tests)", so Patryk Bialas, Energieberater und Innovations-Direktor im Technologiepark Euro-Centrum in Kattowitz.

Polens Ausstieg aus der Kohle

In Warschau erklärt ein Staatssekretär aus dem Umweltministerium, wie Kattowitz als Modell für andere Orte dienen kann; Die Stadt war 2018 Gastgeber der Klimakonferenz und wird 2022 das World Urban Forum der Vereinten Nationen ausrichten:

"Derzeit sind in dieser Region mehr Menschen im Automobilsektor als im Bergbau beschäftigt. Neue Geschäftsmodelle, Start-ups entwickelten sich. Die Menschen setzen auf Forschung und Entwicklung, auf Nanotechnologien", so Michal Kurtyka. "Symbolkräftig ist auch, dass in der Region des ehemaligen Bergwerks ein Kulturzentrum entstand: Es gibt jetzt ein Kongresszentrum, eine Oper, und wir haben auch ein Museum, das die Geschichte dieser Region beschreibt."

Technik und Kultur - die Kräfte, die die Wiedergeburt von Kattowitz vorantreiben.