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Jonathan Coe: Niemand will einen Premierminister, der den Clown spielt

Jonathan Coe: Niemand will einen Premierminister, der den Clown spielt
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Der britische Schriftsteller Jonathan Coe ist Gewinner des Europäischen Buchpreises 2019. In seinem Roman "Middle England" beschreibt der Autor mit viel Ironie die Politik Großbritanniens in den letzten zehn Jahren. Euronews hat mit Coe über seine persönliche Einschätzung zu den kommenden Wahlen in Großbritannien gesprochen.

Der Autor glaubt nicht, dass diese irgendetwas verändern werde:

Der Brexit ist entstanden, weil die direkte Demokratie unvereinbar mit der repräsentativen Demokratie war, weil eine Mehrheit dafür gestimmt hat, die EU zu verlassen, das Parlament das bisher aber nicht in die Tat umsetzen konnte. Wie viele Menschen bin ich der Ansicht, dass dies nur durch ein neues Referendum erreicht wird.

Euronews: "Noch bevor Boris Johnson Premierminister wurde, haben Sie ihn als jemanden beschrieben, der nur dorthin gelangte, wo er jetzt ist, weil er lustig und selbstherrlich ist. Was halten Sie von ihm als Regierungschef?"

"Premierminister sollte sich ändern"

Jonathan Coe: "Es ist nicht neu, dass die Briten Menschen in ihr Herz schließen, die sie zum Lachen bringen. Natürlich konnte Boris Johnson diesen Trumpf immer ausspielen, weil er Charakter hat. Doch ich glaube, dass er sich als Premierminister langsam etwas ändern sollte. Denn niemand erwartet von einem Premierminister, dass er ständig den Clown spielt.

Johnson wird mit einem knappen Vorsprung wiedergewählt werden - wir stehen also vor einer schwierigen, fünfjährigen Amtszeit."

Euronews: "Großbritannien und die EU müssen jetzt sehen, wie sie die kommende Zeit regeln. Wir können nicht sagen, wie künftig die Zollkontrollen zwischen Irland und Nordirland aussehen werden. Schottland wird vielleicht ein zweites Unabhängigkeits-Referendum abhalten. Glauben Sie, dass Sie bald genügend Stoff für einen vierten Band Ihrer Geschichte haben werden?"

"Brexit bekommt man nicht über Nacht hin"

Jonathan Coe: "Es wird einen vierten Band geben. Aber nicht wegen der politischen Ereignisse, sondern weil ich meinem Hauptcharakter Benjamin Trotter sehr verbunden bin - er ist eine Art Alter Ego - und ich als Schriftsteller bin neugierig herauszufinden, wie er mit dem Alter umgehen wird.

Meiner Meinung nach wird die ganze Brexit-Geschichte nur noch komplizierter und schwieriger. Boris Johnson spricht immer davon, den Brexit zum 31. Januar unter Dach und Fach zu bringen. Aber wir alle wissen, dass man den Brexit nicht über Nacht hinbekommt. Das alles wird Jahrzehnte dauern, und es werden sehr schwierige Jahrzehnte werden.

Bevor das also passiert, werde ich das Thema aus meiner eigenen Perspektive betrachten und darüber einen Roman schreiben."

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