Eilmeldung
This content is not available in your region

Coronavirus: Wie sich Europa auf einen Ausbruch vorbereitet

Anweisungen für Reisende nach Wuhan am Flughafen in Rom, 21. Januar 2020
Anweisungen für Reisende nach Wuhan am Flughafen in Rom, 21. Januar 2020   -   Copyright  AP Photo/Gregorio Borgia
Schriftgrösse Aa Aa

Mit Hinblick auf steigende Todeszahlen in China, sollten europäische Gesundheitsbehörden bereit sein, das Coronavirus zu bekämpfen, sagte der Leiter einer führenden Gesundheitsagentur am Dienstag gegenüber Euronews.

17 Menschen sind bisher nach Infektion mit dem Atemwegsvirus gestorben, bestätigten die Behörden, nachdem sie angekündigt hatten, dass die Krankheit von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte.

Mehr als 400 Personen haben sich bisher infiziert, auch aus Japan, Südkorea, Thailand und den USA wurden Fälle gemeldet.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hielt am Mittwoch die Wahrscheinlichkeit der Einschleppung des Virus in die EU für "mäßig". Es warnte davor, dass das Risiko einer Einschleppung Ende Januar steigen würde, wenn die Menschen zur Feier des chinesischen Neujahrs nach und aus China reisen.

Die Plattform für europäische Vorsorge gegen (wieder-)aufkommende Epidemien (PREPARE), ein von der EU finanziertes Projekt, das auf schnelle Reaktionen auf Ausbrüche reagieren soll, aktivierte am Dienstagmorgen ihren Modus 1.

Risiko für Europa?

"Wir sind der Ansicht, dass auch in Europa eine ernstzunehmende Bedrohung für eine Pandemie besteht", sagte Herman Goossens, PREPARE-Koordinator und Direktor der klinischen Pathologie des Universitätsklinikums Antwerpen, gegenüber Euronews.

Der Modus 1 von PREPARE bedeutet, dass klinische Standorte und Diagnoselabors für die Behandlung von Fällen auf europäischem Boden vorbereitet werden. Forscher aus verschiedenen Institutionen diskutieren zudem über die besten Behandlungsstrategien für Patienten.

Der Ausbruch betrifft einen neuen Stamm des Coronavirus (nCoV), der zuvor beim Menschen nicht identifiziert wurde und für den es keinen Impfstoff gibt. Zu den schwerwiegenderen Viren in der Familie der Coronaviren gehören das Nahost-Atemwegssyndrom (Middle East Respiratory Syndrome, MERS) und das Schwere Akute Respiratorische Syndrom (SARS).

Die Weltgesundheitsorganisation will am Donnerstag erneut darüber beraten, ob sie den weltweiten Gesundheitsnotstand ausruft. Zu den häufigsten Anzeichen einer Infektion gehören laut WHO Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden sowie Lungenentzündung.

Im Gegensatz zu früheren Pandemien sei die internationale Reaktion bisher "sehr schnell" gewesen, betonte Herman Goossens.

"Jetzt kennen wir glücklicherweise die Gen-Sequenz- die Chinesen haben diese Informationen vor 10 Tagen entschlüsselt und veröffentlicht - und ein Test wurde von europäischen Forschern validiert", sagte er.

"Die Sequenzdaten wurden sehr schnell veröffentlicht, der diagnostische Test wurde sehr schnell entwickelt, und wir diskutieren bereits das klinische Protokoll. Ich habe diese Art von Reaktion bei früheren Epidemien oder Pandemien noch nie gesehen", fügte Goossens hinzu.

"Ist die EU für den Fall eines Ausbruchs gerüstet? Vielleicht noch nicht, aber sie sollte es sein", so Goossens.

Direktflüge nach Wuhan: Was bringen die Kontrollen?

Die Unterstützung von Diagnoselabors werde entscheidend sein, da die Wintersaison auch einen Höhepunkt bei den Grippefällen bringen könne, was dazu führen könne, dass besorgte Menschen zu ihren Ärzten eilen und einen Test auf das Virus verlangen könnten.

Das ECDC teilte Euronews in einer E-Mail mit, dass die Einreisekontrolle nicht als wirksame Maßnahme zur Erkennung von Reisenden mit ansteckenden Krankheiten angesehen wird, dass aber "ein gezielter Ansatz, der sich auf Passagiere von direkt einfliegenden Flügen konzentriert, in Betracht gezogen werden könnte".

London, Paris und Rom sind die einzigen drei EU-Flughäfen, die Direktflüge nach Wuhan, der zentralchinesischen Stadt, die als Epizentrum des Ausbruchs gilt, anbieten.

Solche Einreisekontrollen sollen in Australien und den USA durchgeführt werden. Auch Japan und Südkorea haben die Flughafenkontrollen verstärkt.

In China waren die Gesichtsmasken schnell ausverkauft, an den Flughäfen werden Temperaturkontrollen durchgeführt werden.

Um die Ausbreitung des Coronavirus über Asien hinaus zu verhindern, empfiehlt die WHO, dass Menschen, die zu den bevorstehenden Feierlichkeiten nach China reisen, engen Kontakt mit Menschen, die an akuten Atemwegsinfektionen leiden, sowie mit lebenden oder toten Nutz- oder Wildtieren vermeiden. Sie rät auch zum häufigen Händewaschen.

Screening könnte "zwecklos" sein

Aber trotz der Einführung der Screening-Technologie sagte ein in Helskinki ansässiger Experte, dass sie nicht dazu beitragen könnte, die Verbreitung des Virus zu verhindern.

"Ich bin sehr überrascht, dass so viele Länder dies mitmachen. Die WHO ist in ihren Empfehlungen sehr deutlich, dass dies nicht sehr hilfreich ist. Es ist eigentlich unmöglich, in einer vernetzten Gesellschaft alle zu erreichen", sagte Mika Salminen, Direktor der Abteilung für Gesundheitssicherheit am Finnischen Institut für Gesundheit und Wohlfahrt.

"Das ist mehr Show als Effekt. Es ist wahrscheinlich zwecklos", sagte er.