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Der holprige Weg zum Brexit

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Der holprige Weg zum Brexit
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Für Brexit-Anhänger gilt er als "Independence Day", der Tag 2016, an dem das Vereinigte Königreich für den Austritt aus der EU stimmt und damit ein politisches Erdbeben auslöst. Ein knapper Ausgang: 52 Prozent zu 48 Prozent – das Land ist gespalten. Und Premierminister David Cameron verlässt sein Amt zugunsten von Theresa May.

Niemand ist sich bewusst, was das eigentlich bedeutet. Brüssel und London zanken darüber, dass London endlich Fortschritte in Sachen Brexit machen soll. Schließlich startet die Premierministerin den offiziellen Austrittsprozess nach Artikel 50 des EU-Vertrags.

Aber sie setzt auch vorgezogene Neuwahlen an und glaubt, damit ihre Mehrheit im Parlament zu sichern. Stattdessen verliert ihre Partei die absolute Mehrheit.

Dennoch krallt sich die geschwächte May an die Macht. Ihre Regierung wird gestützt von den nordirischen Unionists, eingequetscht zwischen Brexit-Hardlinern unter den Parlamentariern und einer Allianz von EU-freundlichen Kräften auf der anderen Seite.

Schlecht vorbereitet

In den Brexit-Verhandlungen zeigt sich Großbritannien als schlecht vorbereitet und unfähig, seine Vorstellungen zu artikulieren. Die übrigen 27 EU-Staaten stehen geschlossen hinter den EU-Verhandlungsführern.

Die Verhandlungen konzentrieren sich auf drei Punkte:

Die Kosten des Brexit Zunächst will Großbritannien die EU auf den Brexit-Kosten sitzen lassen, schließlich lenkt es aber doch ein.

Bürgerrechte Es gibt Sorgen, dass sie als Verhandlungsmasse genutzt werden, und zwar von beiden Seiten.

Die irische Grenze Sie ist die umstrittenste Frage. Wie erreicht man, dass die Grenze auf der irischen Insel offen bleibt?

Der "Backstop" ist eine Garantie dafür. Aber diese Idee stürzt den Brexit-Prozess ins Chaos und befördert May schließlich aus dem Amt.

Zwar hat die Premierministerin ihren Austrittsvertrag bei der EU durchgebracht, aber sie bringt ihn nicht durchs Parlament. Die "Bleiben"-Fraktion sammelt sich und der Brexit wird aufgeschoben. Das Königreich muss an den EU-Wahlen teilnehmen, die Brexit-Befürworter nutzen das, um ihren Ärger auszudrücken.

Johnsons Traumjob

Der Rest ist - noch nicht Geschichte - sondern Boris Johnson. Die angeschlagenen Tories vereinen sich hinter dem Brexit-Fan und verhelfen ihm zum Sprung ins Amt.

Jetzt hat er seinen Traumjob - und er rührt die Brexit-Trommel. Das Motto von jetzt an: "Bringen wir den Brexit hinter uns".

Der Premierminister verspricht den Brexit bis Halloween, ohne Wenn und Aber. Er präsentiert einen neuen Austrittsvertrag. Zwar schaffen es seine Gegner im Parlament, den Brexit noch einmal zu verzögern, aber Johnson gewinnt den Hauptpreis: die Wahlen.

Der große Sieg der Tories bedeutet den sicheren Austritt der Briten aus der EU, aber mit unbestimmter Zukunft.