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"Xynthia": Frankreich 10 Jahre nach dem Orkan

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"Xynthia": Frankreich 10 Jahre nach dem Orkan
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27. Februar 2010: Eine Nacht, die das Leben von Anne, Jean und Elisabeth für immer verändert. Alle haben eines gemeinsam: Sie leben zur falschen Zeit am falschen Ort – ohne auf das Unglück vorbereitet zu sein.

An diesem Abend fegt der Sturm Xynthia über die französische Atlantikküste und hinterlässt eine Spur der Verwüstung: 47 Tote, 29 allein in der 1000-Einwohner-Stadt La Faute-sur-Mer, wo Anne, Jean und Elisabeth leben.

"Da wollte ich nur noch ertrinken"

Dazu kommen Schäden in Milliardenhöhe. Heute, zehn Jahre später, erinnert sich Elisabeth, als wäre es gestern gewesen: "Es windete, aber in Panik waren wir am Anfang noch nicht. Dann gegen 3:15 Uhr habe ich ein Geräusch gehört, das Wasser rauschte an und stieg auf 1,50 Meter."

Ihr Sohn kann sich in die erste Etage retten, Elisabeth erlebt im Erdgeschoss einen Albtraum. Ihr Mann stirbt in den Fluten und kurz darauf auch ihr Enkel. "Ich bin mit meinem Enkel auf dem Arm auf die Türklinke geklettert, das Wasser stieg immer höher. Mein Enkel starb gegen 5.30/6 Uhr morgens an Unterkühlung. Da wollte ich nur noch ertrinken. Ich wusste nicht mehr weiter.“

Doch Elisabeth kämpft sich zurück ins Leben, baut sich nur zwei Kilometer entfernt ein neues Zuhause auf: "Ich bin geblieben, zwar nicht im selben Haus, aber ich bin geblieben. Sonst hätte es sich so angefühlt, als würde ich meine Familie verlassen, die hier ums Leben kam.“

"Ich habe viele Erinnerungen hiergelassen"

Anne und Jean sind nach der Katastrophe nicht in La Faute-sur-mer geblieben. Heute kehrt das Renterpaar in die Kleinstadt zurück, in der sie 40 Jahre ihres Lebens verbracht haben. Wo einst ihr Haus stand, erstreckt sich heute ein Golfplatz.

“Ich habe viele Gefühle, viele Erinnerungen hiergelassen. Es war unmöglich, in 30 Kilometer Entfernung etwas Ähnliches aufzubauen", erzählt Anne.

Wut auf die Behörden

Nachdem der erste Schock überwunden ist, kommt die Wut. Warum war La Faute-sur-Mer nicht besser vorbereitet, warum die Deiche zu niedrig, der Notfallplan lückenhaft?

Über 100 Bewohner ziehen vor Gericht. 2016 wird der ehemalige Bürgermeister der Stadt, René Marratier, zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Nach Meinung des Gerichts kannte er die Risiken – und verheimlichte sie.

Der heutige stellvertretende Bürgermeister, Laurent Huger, erklärt: "Die Deiche von damals waren nicht hoch genug: Wir haben sie inzwischen verbessert und neue Deiche gebaut, sie sind vier Kilometer lang. Sie verhindern das Schlimmste, können aber auch nicht jede Flut aufhalten.“

Meereserosion bedroht Millionen

Insgesamt 500 Millionen Euro hat der französische Staat in die neuen, solideren Dämme gesteckt. Nun denkt die Regierung darüber nach, 5.000 bis 50.000 Haushalte umzusiedeln, die durch die Meereserosion bedroht sind. Und die ist gewaltig: Insgesamt 1,5 Millionen Menschen sind in Frankreich davon betroffen.

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