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"Kinder keine Treiber von Covid-19": Streit in der Schweiz

Daniel Koch of the Swiss Federal office of public health listens to Swiss Interior Minister Alain Berset
Daniel Koch of the Swiss Federal office of public health listens to Swiss Interior Minister Alain Berset   -   Copyright  FABRICE COFFRINI/AFP
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In den vergangenen Tagen hat Daniel Koch, der Covid-19-Delegierte des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit, immer wieder unterstrichen, wie wenig Kinder Überträger des Coronavirus seien. Koch sagte bei einer der Pressekonferenzen in Bern sogar: "Kinder erkranken nicht und infizieren sich auch nicht. Sie sind wirklich keine Überträger des Virus." Gesundheitsminister Alain Berset stimmt der Aussage zu, Kinder seien "keine Treiber des Coronavirus".

Die Schweizer Presse berichtete zunächst ein wenig ungläubig über dieses Thema. So zitiert Doris Kleck in der Aargauer Zeitung ihren Sohn, mit den Worten "Mami, Kinder können sich nicht mit dem Virus infizieren. Das hat der Mann am Fernsehen gesagt!"

Widerspruch kommt inzwischen von zahlreichen Wissenschaftlern - darunter von einem der bekanntesten Schweizer Mediziner - nämlich von Adriano Aguzzi vom Universitätsspital Zürich. Er hatte mit seinem Coronavirus-Video viel Aufmerksamkeit erregt.

Aguzzi schreibt auf Twitter: "Der Schweizer Gesundheitsminister, Herr Berset, hat verkündet, dass Kinder CoV2 nicht auf andere übertragen. Könnte mich bitte jemand auf eine von Fachkollegen begutachtete Arbeit hinweisen, die dieses erstaunliche Ergebnis beschreibt? Ich scheine es verpasst zu haben."

Wann öffnen die Schulen?

Hintergrund des Streits ist die Frage, ob Schulen und Kitas wieder geöffnet werden sollen. Das Bundesamt für Gesundheit meint, dass Kinder zusammen spielen könnten, nur die Grosseltern nicht treffen sollten. Anders als in Deutschland geplant sollten obligatorische Schulen - also auch für kleinere Kinder - in der Schweiz am 11. Mai wieder geöffnet werden. Mittel-, Berufs- und Hochschulen sollten ab dem 8. Juni den Betrieb wieder aufnehmen.

Der Forscher Aguzzi spricht sich gegen das rasche Öffnen von Schulen aus. Im Gespräch mit 20 Minuten sagt er: "Das BAG muss das zuerst mit stichhaltigen Daten belegen. Es reicht nicht, zu sagen, ‹ich habe das von Kinderärzten gehört›. Denn so laufen wir ins Risiko, dass es viele häusliche Infektionsherde gibt und die Kinder ihre Eltern anstecken. Das würde zu einem massiven Anstieg an Erkrankungen in der Familie führen."

Kinder unter zehn Jahren machen 0,4 Prozent der mehr als 27.000 mit SARS-CoV-2 Infiizierten in der Schweiz sind Kinder aus. Das sind etwas mehr als 100 Kinder, 24 kamen ins Krankenhaus, Todesfälle gibt es keine. Bei den 10- bis 19-Jährigen waren 2,6 Prozent betroffen.

Zur Zeit fordern die Schweizer Behörden die Menschen weiterhin dazu auf, auch bei schönem Wetter zu Hause zu bleiben.

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